Sonja Wunderle bei der Fußball-WM in Jordanien

Nur kein Elfmeterschießen

Klein-Auheim - Wenn ab 30. September die deutsche U17-Frauen-Nationalmannschaft in Jordanien um die Fußballweltmeisterschaft spielt, dann ist auch die Klein-Auheimerin Sonja Wunderle mit von der Partie. Allerdings nicht als Spielerin. Von Holger Hackendahl 

Vielmehr kümmert sich die Sport-Physiotherapeutin um die Fitness der jungen Damen. Noch arbeitet Sonja Wunderle in der Steinheimer Physio-Aktiv-Praxis von Bastian Hehner. Doch am Sonntag geht es endlich los. Die Koffer sind bereits gepackt. Dann fliegt Sonja Wunderle gemeinsam mit dem DFB-Tross zur U17-WM nach Jordanien. Dort findet vom 30. September bis 21. Oktober die Weltmeisterschaft statt. Für Wunderle ist es allerdings nicht ihr erster Einsatz im Dienste des deutschen Fußballs.

Ihre dreijährige Ausbildung zur Physiotherapeutin machte die Klein-Auheimerin nach ihrem Fachabitur an der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule in der Orbtalschule in Bad Orb. Zuvor hatte sie bereits eine abgeschlossene Ausbildung zur Arzthelferin absolviert.

Berufserfahrungen als Physiotherapeutin sammelte Wunderle, die in ihrer Freizeit unter anderem beim Carnevalverein Klein-Auheim aktiv ist und dort lange Zeit dem Garde- und Schautanz frönte, bei Anstellungen in Dieburg, Nauheim und Aschaffenburg. „Der Kontakt zum Deutschen Fußballbund kam über meine ehemalige Chefin Christel Arbini aus Aschaffenburg zustande. Sie war damals Chef-Physiotherapeutin bei der Frauen A-Nationalmannschaft,“ erzählt Sonja Wunderle.

Während ihrer siebenjährigen Tätigkeit in der unterfränkischen Physio-Praxis entstand der Wunsch, auch mehr mit Sportlern zu arbeiten. Dafür benötigte die Klein-Auheimerin, die schon immer selbst gern Sport machte, eine zusätzliche eineinhalbjährige Ausbildung.

Und diese wurde schließlich zur Grundlage für eine weitere zweijährige Ausbildung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in München. „Da traf ich viele Physiotherapeuten auch anderer Nationalmannschaften“, erinnert sich Wunderle gerne an diese Zeit.

Nach dem erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung betreut die Mittdreißigerin bereits seit 2009 die Lehrgänge der Schiedsrichterinnen der Frauen-Fußballbundesliga. „Und 2011 wurde ich erstmals vom DFB für die U16-Frauennationalmannschaft angefordert“, erzählt die Klein-Auheimerin. „Meine Arbeit als Sport-Physiotherapeutin wird stets von den DFB-Trainerinnen bewertet. Nur wenn die Verantwortlichen mit meiner Leistung zufrieden sind, wird man wieder eingeladen.“

Und mit Sonja Wunderles Arbeit ist man beim Deutschen Fußballbund offenbar sehr zufrieden. Für das U17-Frauen-Nationalteam wird die Sport-Physiotherapeutin seit vier Jahren immer wieder angefordert. „Ich kann gut mit Jugendlichen umgehen. Vielleicht liegt es auch mit daran, dass ich beim CV mal Jugendleiterin war“, schmunzelt sie.

Mittlerweile wurde Wunderle mit den U17-Frauen zwei Mal Europameister, beide Mal im Finale gegen Spanien und jedes Mal mit einem Sieg im Elfmeterschießen. „So viel Spannung brauche ich eigentlich nicht, eine Entscheidung in der regulären Spielzeit wäre mir lieber“, fiebert die Klein-Auheimerin mit ihrem Team stets heftig mit. Für die jungen Damen stehe während eines mehrwöchigen Turniers allerdings nicht nur Wettkampf und Training auf dem Programm. Auch Schulunterricht mit mitgereisten Lehrern und sogar Prüfungen müssen absolviert werden.

Das wird in Jordanien nicht anders sein. Nur eine Woche Vorbereitungszeit bleibt dem Team vor Ort, ehe am 30. September die erste Partie gegen Venezuela ansteht. In den weiteren Gruppenspielen warten dann Kanada und Kamerun auf die U17-Frauen. „Ich hoffe, die Spielerinnen können ihre Leistung abrufen und wir kommen so weit wie möglich.“

Seit 2014 arbeitet Sonja Wunderle in der Physiopraxis von Bastian Hehner, wo sie auch viel mit Sportlern zusammenkommt – etwa mit Handballern, Triathleten, Ringern sowie den Basketballern der White Wings Hanau. „Mein Chef ist Physio der White Wings Hanau, er unterstützt daher meine Arbeit beim DFB und findet das auch richtig gut,“ ist Wunderle ihrem Arbeitgeber dankbar.

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