Lokschuppenfest 2016

Die „Stadt Hanau“ dampft endlich wieder...

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Ein Spaß für Groß und Klein sind die Führerstandsfahrten, die der Verein Museumseisenbahn Hanau diesmal auch wieder in seinem „Prachtstück“, die auf den namen „Stadt Hanau“ getaufte Dampflok 503552-2 anbieten konnte.

Hanau - Jetzt dampft sie wieder, Gott sei Dank. Unter ihrem Taufnamen „Stadt Hanau“ hat die über 70 Jahre alte Güterzug-Dampflok mit der Baunummer 503552-2 auf dem ehemaligen Bahnbetriebsgelände an den Großauheimer Heideäckern beim Lokschuppenfest des Hanauer Museumseisenbahn-Vereins mit gewohnter Zuverlässigkeit ihren Dienst versehen.

Keine Selbstverständlichkeit, weiß Hobby-Bahner Markus Habermann: Gut ein halbes Jahr haben er und zahlreiche Mitstreiter geschuftet, um „Stadt Hanau“ für weitere drei Jahre durch den TÜV zu bringen. Wer am Samstag oder Sonntag für einen kurzen Nostalgie-Trip in den Führerstand der stählernen Veteranin stieg, ließ sich auf eine Zeitreise ein. 1942 erstmals in Dienst gestellt, überstand die 1600 PS starke Lokomotive die schlimmste Zeit des Zweiten Weltkriegs, fuhr dann bis in die 1980er Jahre hinein in der DDR und wurde nach 1990 von Eisenbahn-Enthusiasten in Niedersachsen vor der Verschrottung gerettet.

Nach Hanau kam die Lok 2005, wird seither vom Museumsbahn-Verein mit seinen aktuell rund 100 Mitgliedern liebevoll gepflegt und betriebsklar gehalten. Als jetzt die alle drei Jahre fällige Kesselprüfung anstand, hatten die Hanauer Unterstützung von Experten und befreundeten Vereinen. Ende Mai fand die abschließende „Warmprüfung“ statt. Der Kessel ist fit, die nächste Herausforderung wartet indessen schon: Im Dezember 2018 steht die Hauptuntersuchung für das Fahrwerk an.

Nicht nur alte Stahlgiganten gab es beim Lokschuppenfest zu sehen. Hier wird eine Dampfmaschine vorgeführt.

Derlei Aufgaben lassen sich laut Vereinschef André Labes nur mit vereinten Kräften und hohem Zeitaufwand stemmen - und mit Geld, das die Museumseisenbahner unter anderem mit ihrem alljährlichen Lokschuppenfest verdienen. Bis zu 4000 Besucher finden sich laut Labes jedes Jahr ein. Vor allem Familien mit Kindern locken die klassischen Kurzfahrten auf dem Führerstand der „Stadt Hanau“. Seit dem vergangenen September hat das vereinseigene Dampfross Gesellschaft: Die Lok 01150 gehört zwar der Deutschen Bahn, hat aber in Hanau Dauer-Quartier bezogen und startet von dort zu Fahrten bis ins Rheintal oder an den Neckar.

Nicht mit Dampf, sondern mit Strom war eine E-Lok der österreichischen Bundesbahn, ebenfalls ein Oldtimer aus den frühen 1940er Jahren und mit ihren nach vorne und hinten verjüngten Motorhauben für Kenner als „Krokodil“ ausgewiesen, von Stuttgart nach Hanau gerollt. Zu sehen und zu erleben gab es noch einiges mehr: Auf dem Gelände ratterten uralte Standmotoren, historische Schienenfahrzeuge von der Werkstatt-Draisine bis zur Mini-Rangierlok waren zu sehen. Mit einem Miniatur-Dampfzug konnten Kinder über das Gelände zuckeln, während mancher Papa in Modellbahn-Wunderwelten glänzende Augen bekam.

So schön war das Lokschuppenfest 2015: Bilder

Eine Attraktion für sich ist der Schauplatz selbst: Das ehemalige Bahnbetriebswerk, von der damaligen Bundesbahn 1982 aufgegeben und seit 1988 Heimat der Museumsbahner, mit zwei erhaltenen Ringlokschuppen aus dem frühen 20. Jahrhundert, einem rechteckigen Pendant und zwei Drehscheiben gilt als einzigartig in Deutschland. Musste der Verein wegen Verkaufsplänen der Bahn lange um sein Domizil zittern, ist er seit 2011 Besitzer des Areals und hat sich mit Elan an die Sanierung gemacht. Seit April hat der über 100 Jahre alte große Ringlokschuppen ein neues Dach: „Es ist ein Meilenstein, dass wir das endlich zu haben,“ betont André Labes. Mit Ruhe könne der Verein nun an die Erneuerung der Elektrik und der Fenster gehen.

Ersetzt sind nach mehr als 50 Jahren bereits Schwellen und Schotter der Zufahrtsgleise, drei Schuppentore und, gerade erst vor zwei Wochen, mehrere Fenster im Obergeschoss des Betriebsgebäudes - denkmalschutzgerecht in Sprossenoptik, gleichwohl mit Isolierverglasung. „In unserem Bahnbetriebswerk ist zwar fast alles alt und vieles von vorgestern, aber wir bauen eben auch für die Zukunft,“ heißt es dazu bei den Museumseisenbahnern.

rdk

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