Finanzielle Folgen des dubiosen Vertrags

Stadtwerke Hanau: Ist der Verlust noch größer?

Hanau - Im Zusammenhang mit den Millionen-Verlusten der Stadtwerke Hanau im Geschäft mit einem Großkunden bleiben viele Fragen offen. Selbst die genaue Höhe des finanziellen Schadens, den ein für die Stadtwerke ungünstiger Vertrag mit einem Hanauer Unternehmen verursacht, ist offenbar nicht zu ermitteln. Von Dirk Iding

Bislang wurde von Seiten der Stadtwerke-Geschäftsführung und dem Aufsichtratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), ein Schaden von bis zu fünf Millionen Euro eingeräumt. Diese Summe bezieht sich aber lediglich auf die Jahre 2016 bis 2019, wenn der Vertrag ausläuft, über dessen vorzeitige Beendigung die Stadtwerke derzeit mit dem Unternehmen verhandeln.

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Was aber ist mit den Jahren zuvor? Schließlich wurde der fragliche Vertrag, der dem Großkunden Strom- und Gaslieferungen zu jeweils aktuellen Marktpreisen zusicherte, die zum Teil weit unter dem Einkaufpreis der Stadtwerke lagen, bereits 2009 geschlossen. Einer Nachfrage der CDU-Fraktionsvorsitzenden Isabelle Hemsley in der jüngsten Stadtverordnetensitzung wich Oberbürgermeister Kaminsky aus. Recherchen unserer Zeitung haben nun ergeben, dass die Stadtwerke Hanau offenbar selbst nicht mehr genau nachvollziehen können, ob der dubiose Vertrag im Zeitraum 2009 bis 2015 zumindest kostendeckend für den Energieversorger war. In einer Antwort der Stadtwerke heißt es: „Die eindeutige Zuordnung der an der Börse eingekauften Strommengen auf die einzelnen Großkunden wurden in der Vergangenheit durch den ehemaligen SWH-Mitarbeiter im Handelssystem nicht so vorgenommen wie vorgeschrieben. Damit ist im Nachgang eine genaue wirtschaftliche Bewertung der Einzelverträge für die zurückliegenden Jahre nicht mehr möglich.“ Will heißen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass den Stadtwerken bereits in den vergangenen Jahren Verluste aus diesem Vertrag mit dem Großkunden erwachsen sind.

Nach Angaben der Stadtwerke hat der Energieversorger mit insgesamt sechs Großkunden langfristige Lieferverträge für Strom und Gas abgeschlossen. Die Mengen machen ungefähr die Hälfte des gesamten Strom- und Gasumsatzes des Unternehmens aus. Rätselhaft ist auch, dass laut Stadtwerke ausschließlich in diesem einen Vertrag dem Kunden individuelle Konditionen zugesprochen wurden, die letztlich zu den Millionen-Verlusten führten.

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Von dem mit der Vertragsausgestaltung befassten Mitarbeiter haben sich die Stadtwerke mittlerweile getrennt. Man hatte sich mit ihm vor dem Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt, über dessen Inhalt die Stadtwerkegeschäftsführung Stillschweigen bewahrt. Ein ehemaliger Prokurist des Unternehmens, der den Vertrag mit unterzeichnet hatte, ist schon seit längeren nicht mehr in Diensten der Stadtwerke.

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