Schlag ins Kontor

Stadtwerken droht Millionenverlust aus Geschäft mit Großkunden

Hanau - Als schwerer Schlag ins Kontor erweisen sich für die Stadtwerke Hanau Strom- und Gaslieferverträge mit Großkunden, die das Unternehmen zu für sich nachteilige Konditionen abgeschlossen hat. Es drohen Verluste in Millionenhöhe. Von Dirk Iding 

Während der städtische Energieversorger zur Absicherung seiner Lieferverpflichtungen im voraus Strom und Gas in großen Mengen zu höheren Preisen eingekauft hatte, war in den Verträgen mit den Großabnehmern vereinbart worden, dass sich deren Bezugspreis jeweils am aktuellen Marktpreis orientiere. Und der Marktpreis ist sowohl beim Strom als auch beim Gas in den vergangenen Monaten kräftig in den Keller gegangen. Folge: Die Stadtwerke müssen ihren Großabnehmern nun teuer eingekauften Strom und Gas zu günstigeren Preisen liefern. Nach Informationen unserer Zeitung entsteht den Stadtwerken Hanau dadurch nach vorläufigen Berechnungen ein finanzieller Schaden von bis zu vier Millionen Euro. Eine Summe, die Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Maiwald im Gespräch mit unserer Zeitung „weder bestätigen noch dementieren wollte“. Richtig sei aber, so der Geschäftsführer, dass es in Folge dieser Geschäfte mit Großkunden zu „Wertberichtigungen“ in der Stadtwerke-bilanz kommen müsse, die sich auch negativ auf das Jahresergebnis 2016 auswirken könnten.

Ein für das Geschäft mit Großkunden verantwortlicher Mitarbeiter der Stadtwerke wurde von seinen Aufgaben zwischenzeitlich entbunden und gekündigt. Mittlerweile ist es bei einer arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Energieversorger und dem ehemaligen Mitarbeiter zu einem Vergleich gekommen, über dessen Inhalt beide Seiten Stillschweigen vereinbart hätten, so Maiwald. Auf das Jahresergebnis 2016 der Stadtwerke kann das Minus-Geschäft mit Großkunden erhebliche Auswirkungen haben. Nach Angaben eines Insiders hatte das Unternehmen in diesem Jahr mit einem Überschuss von rund sieben Millionen Euro kalkuliert. Nun sehe es so aus, als blieben am Ende nur rund drei Millionen Euro als Gewinn in der Kasse und davon muss dann noch die Garantiedividende in Höhe von 2,5 Millionen Euro an Anteilseigener Mainova abgeführt werden.

Ein solches Szenario hätte auch erhebliche Auswirkungen auf die Bilanz der städtischen BeteiligungsHolding, die mit dem Jahresergebnis des „Bilanz-Schwergewichtes“ Stadtwerke steht und fällt. Schließlich sollen vor allem mit den Gewinnen der Stadtwerke die Millionen-Defizite aus dem Betrieb der Hanauer Bäder und dem Nahverkehr ausgeglichen werden. Hier entstanden im Jahr 2015 Verluste von rund sieben Millionen Euro.

Stadtbetriebe stellen sich vor

Aus dem jüngsten Desaster beim Geschäft mit Großkunden will Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Maiwald Lehren ziehen: „Gerade das Geschäft mit Großabnehmern ist mit Risiken behaftet und verlangt deshalb hohe Professionalität und viel Know-How. Auf der anderen Seite sind wegen des großen Wettbewerbsdrucks gerade in diesem Bereich die Gewinnmargen eher gering.“ Deshalb würden die Stadtwerke Hanau ihr Großkundengeschäft künftig nicht mehr alleinverantwortlich, sondern nur noch in Kooperation mit Anteilseigner Mainova abwickeln. Dort sei das dafür notwendige Know-How vorhanden. Für in den nächsten Jahren auslaufende Lieferverträge werde man den Großkunden Anschlussverträge anbieten, die die Stadtwerke Hanau und Mainova gemeinsam ausarbeiten werden, kündigte der Stadtwerke-Geschäftsführer an.

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