Heinz Schenk ist dabei

Im Steinheimer Marstall dreht sich alles um „Bembel & Stöffche“

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Eine Reihe von historischen Bembeln gehört zur Ausstellung im Marstall von Schloss Steinheim, die von Museumsleiterin Sabine Küppers kuratiert worden ist. 

Steinheim - Steinheim war und ist eine Hochburg von „Bembel & Stöffche“. In der gleichnamigen Ausstellung wird im Marstall des Schlosses allerlei Wissenswertes zum Apfelwein einst und jetzt beleuchtet. Von Christian Spindler 

Internationale Künstler haben ihre ganz eigenen Formen von Bembeln kreiert.

Zum heutigen Auftakt findet ein Familienaktionstag „Rund um die Apfelblüte“ statt. Wurde das hessische Nationalgetränk tatsächlich hierzulande erfunden? „I wo“, sagt Sabine Küppers, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des Museums Steinheim bei einem Vorabrundgang und deutet auf die Wände, wo gerade erst fertig gewordene Schautafeln zur Apfelwein-Historie aufhängt werden. Auf denen erfährt man, wie das war mit den Anfängen des Stöffche, und dass schon die alten Griechen und Römer Apfelwein getrunken haben. Erst im Dreißigjährigen Krieg begann in unseren Breiten die Hochzeit des Obstanbaus, weil der Weinbau mit Reben und Trauben zum Erliegen gekommen war. Nicht nur wegen des gestrigen Welt-Apfelwein-Tages ist die heutige Eröffnung der Ausstellung (11 Uhr, Marstall von Schloss Steinheim) mit Bedacht gewählt. Auch der Ausstellungsort Steinheim ist es. „Immerhin sechs Großkeltereien und 20 Hauskeltereien gab es hier im 18. Jahrhundert“, erläutert Küppers. Alte Steuerlisten belegen das. Die letzte, die Kelterei Jung, stellte den Betrieb in den 90er Jahren ein.

Die Ausstellung liefert aber nicht nur pointiert geschichtliche Fakten, sondern zeigt auch eine Reihe von Exponaten wie Pressen, Bembel, Keramiken, Gläser und eine besondere Kelteranlage, die aus einer Scheune in Langendiebach stammt, nun zum Bestand des Museums Hanau gehört und bereits vor 25 Jahren Herzstück einer Apfelwein-Ausstellung in Hanau war. An die damals von Richard Schaffer-Hartmann konzipierte Schau hat Sabine Küppers angeknüpft - und das Konzept erweitert. Die Initialzündung ging von einem Bembel-Experiment des Keramikmuseums Westerwald aus. Das Museum in Höhr-Grenzhausen hatte 40 internationale Keramikkünstler aufgefordert, Apfelweinkrüge zu kreieren und mit Elementen aus ihren Kulturen zu verbinden. Die Ergebnisse sind nun auch Teil der Ausstellung in Steinheim.

In der kann man neben Themen wie Keltern, Gärung oder Küferhandwerk auch so manches originelle Detail entdecken. Zum Beispiel Heinz Schenk, auf den Küppers im Vorbeigehen deutet. „Der darf natürlich beim Thema Apfelwein nicht fehlen.“ Im Marstall hängt er als Gemälde, das in dem vom Behindertenwerk Main-Kinzig betriebenen Atelier im Brockenhaus entstanden ist. Bevor man auf Heinz Schenk trifft, kommt man an Tafeln vorbei, die die Geschichte der Steinheimer Steuobstwiesen dokumentieren. Einst prägten sie das Bild. „70 Prozent davon sind verschwunden“, sagt Küppers, weist aber zugleich auf die Bemühungen hin, die Kulturlandschaften wieder auszubauen.

Bilder: Fest im Zeichen des Apfelweins

Neben den Museen Hanau und Steinheim sowie den hiesigen Geschichtsvereinen haben auch einige private Leihgeber Stücke zur Ausstellung beigesteuert, darunter Dr. Reinhard Schellmann (Hochstadt) und der bekannte Apfelwein-Experte Jörg Stier, der auch bei der heutigen Eröffnung sprechen wird. Außer etlichen Bembeln - der älteste datiert aus dem 18. Jahrhundert - sind eine Reihe von Gerippten zu sehen, typische Apfelweingläser, in denen das Getränk dank der Struktur „richtig schön funkelt“, so Küppers. Auch hier findet man vor der großen Darstellung einer Szene aus den 30-er Jahren, die das Apfelwein-Lokal Heck in Mittelbuchen zeigt, besonders Details: Etwa Schoppendeckel aus der Kunstwerkstatt des Steinheimers Rudolf Krammig oder einen Schoppendeckel mit Zählwerk, so dass die Wirtin am Ende mit dem Schoppepetzer die Zeche genau abrechnen konnte.

Und unweit einer Schautafel mit dem Hinweis aufs Bundesäppelwoifest in Steinheim und den bisherigen Stöffche-Regenten dokumentieren Flaschen-Etiketten nicht nur die Vielfalt von Keltereien in der Region, sondern auch, dass das Stöffche international ist. Apfelwein wird nicht nur in England oder Fankreich als Cidre getrunken, sondern sogar in Mexiko gekeltert.

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