Markierte Streifen entfernt

Warum Radeln auf der Fahrbahn sicherer sein soll

Rote Reste eines Radstreifens an der Hermann-Ehlers-Straße in Steinheim. Auch er wurde nicht mehr erneuert.  J Foto: Spindler

Hanau - „Warum wurden die Radlersymbole auf dem markierten Streifen an der alten Darmstädter Straße entfernt?“, fragt ein Anrufer am Redaktionstelefon. „Das war doch vorher viel sicherer.“ Nein, war es nicht, sagen Experten. Von Christian Spindler

Solche Streifen suggerierten eine falsche Sicherheit - und sie waren nicht regelkonform. Was viele Radler nicht glauben wollen: Der so genannte Mischverkehr, also Radler auf der Straße, ist in vielen Fällen der sinnvollste und sicherste, heißt es von der Stadt. Nicht nur an der alten Darmstädter Straße wurden unlängst die Radlersymbole abgefräst. Auch an anderen Stellen, wie an der Hermann-Ehlers-Straße, wurden einstmals rot markierte Fahrradstreifen längst nicht mehr erneuert. Das sind Ergebnisse der jährlichen Radverkehrsschauen, bei denen geprüft wird, ob Radstrecken der Straßenverkehrsordnung entsprechen. Auch Untersuchungen der Unfallversicherer hätten ergeben, „dass die sicherste und am wenigsten unfallträchtige Variante der Mischerverkehr ist“, sagt Jochim Haas-Feldmann, Sprecher der Stadt. „Also: Radler auf die Straße, ohne dass eine Radwegmarkierung immer notwendig ist.“

Auch die Straßenverkehrsordnung schreibt übrigens vor, dass auf der Straßen geradelt werden muss, sofern ein blaues Radlerschild nicht etwas anderes gebietet. Der Mischverkehr ist zwar nach Experten-Darstellung die sicherte Variante, weil die Radfahrer stets im Blickfeld der Autofahrer sind. Die Erfahrungen zeigten aber auch, so räumt man bei der Stadt ein, dass „die Akzeptanz bei den Radfahrern sehr unterschiedlich ist.“ Viele fahren dann lieber auf dem Gehweg, obwohl das gefährlich und verboten ist.

Die Straßenverkehrsordnung unterscheidet diese Kategorien von Radlerstrecken:

- Radwege: Sie sind meist mindestens 1,60 Meter breit und auf Gehwegniveau in der Regel rot gepflastert. Wenn das blaue Schild mit weißem Radler-Symbol angebracht, gilt: Man muss diesen Radweg benutzen. Gibt es kein Schild, können Radler wählen, ob sie den Radweg nehmen oder lieber auf der Straße fahren.

Das Problem bei Radwegen: Konflikte mit Fußgängern und zum Teil schlechte Sichtverhältnisse an Einmündungen oder Zufahrten. „Hier passieren die meisten Unfälle“, so Haas-Feldmann, insbesondere, wenn Radler als Geisterfahrer verbotenerweise entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung unterwegs sind. In Hanau gibt es eine Ausnahme am Gloria-Palais, wo der Radweg in beide Richtungen benutzt werden darf.

- Radfahrstreifen: Sie befinde sich auf Fahrbahnniveau. sind in der Regel 1,85 Meter breit und mit einer durchgehenden 25 Zentimeter breiten Markierung von der Autofahrbahn abgetrennt. Sie sind den Radlern vorbehalten und müssen von diesen auch benutzt werden, was entsprechende Radler-Symbole ausweisen. Radfahrstreifen gelten als schnell - und sicher, weil es dort kaum Geisterradler gibt. Ein Nachteil: Immer wieder parken Autofahrer verbotenerweise auf diesen Radfahrstreifen. Solche Radfahrstreifen gibt es unter anderem an der Eugen-Kaiser-Straße oder In den Tannen/Ernst-Barthel-Straße in Großauheim.

- Schutzstreifen: Sie sind mit 1,25 Metern schmaler als die Radfahrstreifen und durch eine gestrichelte Linie von der Straße getrennt. Auch Autofahrer dürfen in Ausnahmesituationen diese Streifen befahren. Ein solcher Schutzstreifen für Radler soll im Bereich des Einkaufszentrums „Rondo“ an der Otto-Hahn-Straße n Steinheim angelegt werden.

Autofahrer bilden größtes Ärgernis für Radler

Das Radfahren auf Gehwegen ist grundsätzlich verboten. Ausnahmen gibt es dort, wo ein Zusatzschild für für Radler angebracht ist. Und: Kinder bis zwölf Jahre dürfen auf Gehwegen radeln; Erwachsene dürfen dabei ihre Kinder begleiten. Alle Radstrecken, die „nicht den aktuellen Richtlinien entsprechen, sind sicherheitsmäßig nicht optimal“, so die Stadt auf Anfrage zu den Änderungen in manchen Bereichen. Oft sei es notwendig, „alte Radverkehrsanlagen zu entfernen“, wie beispielsweise in Steinheim geschehen. „Vor dem Hintergrund, dass der Mischverkehr oft eine sicherere Alternative darstellt, macht das Entfernen nicht nur aus rechtlicher, sonderen auch aus planerischer Sicht Sinn.“

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