Sind weibliche Ziegen klüger?

Studentin Ann-Katrin Müller experimentiert im Wildpark

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Hier ist das Leckerli: Aus der Entfernung beobachtet die Ziege, unter welcher Dose das Futter versteckt wird. Das muss sie sich merken, um an die Belohnung zu kommen.

Klein-Auheim - Ein wenig erinnert es an ein Hütchenspiel für Hausziegen. Doch hinter dem, was auf den ersten Blick lustig ausschaut, steckt ernsthafte wissenschaftliche Arbeit. Von Holger Hackendahl 

Ann-Katrin Müller, Studentin an der Uni Marburg, legt im Ziegengehege des Wildparks Alte Fasanerie die Grundlage für ihre Bachelor-Arbeit. Die 25-Jährige aus Fulda ist Studentin des Masterstudiengangs Biodiversität und Naturschutz. Ihre Versuchsreihe im Hausziegengehege der Alten Fasanerie ist der praktische Teil ihres naturwissenschaftlichen Studiums an der Uni Marburg. „Für meine Masterarbeit untersuche ich das Lernverhalten von Ziegen anhand von Wahlversuchen. Dabei handelt es sich um eine so genannte operante Konditionierung, bei der eine Reaktion der Tiere mit einer bestimmten Reizsituation in Zusammenhang gebracht wird“, erklärt die 25-Jährige ihr Experiment, bei dem bis zu drei silberne Blechbüchsen eine Hauptrolle spielen. Der neugierige Charakter der munteren und stets hungrigen Hausziegen kommt ihr bei ihren Versuchen zu pass. Für die Ziegen sind die Versuche ein Stück tierische Abwechslung, bei der zudem vitaminreiche Belohnungen winken.

Wildparkbesucher bekommen die Studentin der Philipps-Universität Marburg allerdings eher selten zu Gesicht. Sie sitzt bereits kurz nach Öffnung des Wildparks im Ziegenstall, der extra von ihr für die Versuchsreihe umgebaut wurde. Gemeinsam mit ihrem Vater hat die Studentin zwei Holzklapptüren eingebaut, um die Ziegen während der Versuchsreihe separieren zu können.

Schnell hat die Studentin das Vertrauen der Hausziegen gewinnen können. Mittlerweile warten die Tiere allmorgendlich schon ungeduldig auf sie. Handaufzucht Emma war die erste und wohl auch neugierigste Ziege, die freiwillig den umgebauten Stall betrat – wohl auch wegen der Snacks.

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Nachdem die 20-köpfige Hausziegenfamilie merkte, dass Leckereien als Belohnung winkten, nahmen zunehmend weitere Tiere an der bereits seit April laufenden Versuchsreihe teil. Von Montag bis Samstag ist die junge Studentin jeden Morgen im Einsatz, meisten von 8 bis 10 Uhr, manchmal auch bis 11.30 Uhr – je nach Bereitschaft der Hausziegen.

„Zuerst mussten die Ziegen lernen, dass sie die Blechbüchsen aktiv berühren müssen, um an Futter zu kommen. Dafür wurde vor ihren Augen Futter unter den Büchsen versteckt“, erklärt Müller. „Reize“ für die Ziegen seien dabei ihre Bewegungen der Hand beim Heben und Senken der Büchsen und natürlich das Futter, das unter die Dose gelegt wird. Das Ganze beobachtet die Ziege aus einem Vorgehege heraus. Sie muss sich also die Büchse merken, unter der das Futter verschwunden ist, erst dann öffnet die Studentin mit einem Seilzug die Klapptür, so dass die Ziege zu ihr an den kleinen Tisch mit den Büchsen trotten kann. „Sobald die Ziege eine der Büchsen berührt hat, bekommt sie die darunter liegende Futterbelohnung“, erläutert Müller, die den Lernerfolg ihrer Ziegen penibel dokumentiert.

Im weiteren Verlauf der Versuchsreihe wird dann nur noch unter einer der beiden Büchsen vor den Augen des Tieres Futter versteckt. „Beim Berühren der richtigen Büchse werden sie belohnt, beim Berühren der falschen Büchse gehen sie leer aus“, erläutert die angehende Biologin.

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Fragestellungen ihrer Masterarbeit sind auch, ob Ziegen zum „Transfer-Lernen“ in der Lage sind, das heißt, ob sie eine gelernte Problemlösung auf eine vergleichbare Situation übertragen können. Etwa wenn statt zwei Büchsen plötzlich drei zur Auswahl stehen.

„Bislang haben zehn Ziegen an der Versuchsreihe teilgenommen,“ erläutert die Studentin, die sich von ihren Versuchen auch Aufschlüsse darüber erhofft, ob es beim Lernverhalten von Ziegen alter- und geschlechtsbedingte Unterschiede gibt: Lernen jüngere Ziegen schneller als alte? Sind Ziegenweibchen schlauer als die Böcke? Man darf gespannt sein...

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