TV-Journalist Franz Alt zu Gast im Kulturforum Hanau

Starke Stimme für die Energiewende

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Seit Jahrzehnten ein Vorkämpfer für den Umstieg auf regenerative Energien: Der TV-Journalist Franz Alt.

Hanau - Die Energiewende funktioniert - man müsse nur richtig hinsehen. Mit dem Fernsehjournalisten Franz Alt machte am Mittwoch eine starke Stimme 40 Zuhörern Mut. Alt war im Rahmen der „Woche der Sonne und Pellets “ zu Gast im Kulturforum. Seit vielen Jahren ist er ein Vorkämpfer für erneuerbare Energien.

In seiner Begrüßung bedauerte Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne), dass über andere weltpolitische Ereignisse der Klimawandel an Aufmerksamkeit eingebüßt habe. Dabei stehe das „Überlebensthema Nummer eins“ fast überall im Hintergrund. Auch bei den aktuellen Flüchtlingsbewegungen, wie Alt meint: „Bisher kommen nur die, die vor Kriegen fliehen“ - aber auch sie seien „Opfer unserer verfehlten Energiepolitik“, denn die bewaffneten Konflikte würden meist um Ressourcen wie Öl geführt. Weitgehend unbeachtet seien allein in Afrika acht Millionen Klima-Flüchtlinge in Bewegung, deren Lebensräume zugrunde gingen. „Was wir gerade erleben, ist ein harmloses Vorspiel.“ Dessen ungeachtet setze die Menschheit ihre „Selbstverbrennung“ fort und produziere weiter an einem einzigen Tag so viel Treibhausgas wie die Natur in einer Million Jahren.

Ebenfalls täglich kämen 50.000 Hektar Wüste hinzu und gingen 86 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion verloren. Schon folge dem Klima- der „Wasserwandel“: Bangladesch werde nicht mehr wie früher alle 30, sondern alle drei bis vier Jahre von Überschwemmungen verwüstet. In China werde gar überlegt, Teile des Himalaya zu sprengen, um Flüsse umzuleiten - zum Schaden Indiens. „Da rollen weltpolitische Konflikte auf uns zu, die wir uns nicht vorstellen können“.

Umso höher hängt der Klima-Missionar das Bekenntnis von 195 Staaten beim jüngsten Weltklimagipfel: „Klimawandel ist nichts Neues, wohl aber in dieser Intensität.“ Noch nie in 450.000 Jahren habe die Atmosphäre so viel CO2 enthalten wir aktuell. „Das haben alle anerkannt“, so Alt. „Fragt sich nur, ob wir die Umkehr schnell genug schaffen“. Die größte Chance dafür biete die Sonne: Sie liefere 15.000-mal mehr Energie als 7,5 Milliarden Menschen brauchten.

Ökostrom-Förderung wird umgestellt: Mehr Wettbewerb

Die Bevölkerung habe das längst verstanden, glaubt der Journalist: 90 Prozent des Ökostroms kämen inzwischen von Bürgern und Kleinbetrieben. Nicht von den großen Energieversorgern, die Alt die „vier Besatzungsmächte“ nennt und die im Verein mit Wirtschaftsminister Gabriel und „gewohnheitsmäßigen Bedenkenträgern“ Initiativen nach Kräften bremsten. Intelligente Lösungen für 100 Prozent regenerative Energie gebe es bereits. „Auf den Mix kommt es an“, ist Alt überzeugt - etwa aus Sonne, Wind und Geothermie.

Wie die EU, so habe auch er anfangs das Potenzial von Biomasse überschätzt, räumte er in der anschließenden Diskussion, aber auch das könne mittlerweile ohne Inanspruchnahme wertvoller Ackerflächen funktionieren: In seiner Heimat Baden-Baden verarbeite das modernste Biomasse-Kraftwerk der Welt ausschließlich Grün- und Grasschnitt sowie Essensreste. (rdk)

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