Großauheim feierte ein zweitägiges Fest für alle Sinne

Über 1000 Helfer beim Festival der Kulturen

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Ungewöhnlicher Auftakt: Der ausgefallene Narrenzug wurde zum Start des Kulturfestivals nachgeholt.

Großauheim - Das „Festival der Kulturen“ auf dem Gelände der Großauheimer Lindenau wurde nach 2013 auch in seiner 2. Auflage zu einem bunten Fest der Vielfalt. Von Dieter Kögel 

Und das lockte die Besucher zu Hunderten, so dass die Interessengemeinschaft Großauheimer Vereine und Verbände als Veranstalter gemeinsam mit den Kirchen und der Lindenauschule als Kooperationspartner eine rundum positive Bilanz ziehen konnten. Nach einem Schlagerabend mit der Familie Hossa am Freitag (siehe Bericht unten) erlebte das „Festival der Kulturen 2.0“ am Samstag mit dem nachgeholten Fastnachtsumzug einen durchaus ungewöhnlichen Start. Der Narrenzug musste an Fastnachtsdienstag bekanntlich wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse abgesagt werden. Doch die Karnevalisten ließen sich nicht lange bitten, als die Idee aufkam, den Umzug beim „Festival der Kulturen“ nachzuholen, schließlich steckt in der Fastnacht ja auch jede Menge Kultur.

Als die Narren schließlich auf dem Festgelände in der Lindenau einzogen, da kam auch Bewegung in die Besucher, die es sich im Schatten der Linden bereits mit Getränken und Speisen gemütlich gemacht hatten. „Ein wunderschöner Platz, um so ein Fest zu feiern,“ stellte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky in seiner Begrüßung fest. Und es sei ein „wunderbares Signal, das von diesem Festival ausgeht,“ meinte der Schirmherr der Veranstaltung, der mit dem Festival der Kulturen auch den diesjährigen Hanauer Kultursommer eröffnete.

Für Thomas Göbel und seine Mitstreiter von der Interessengemeinschaft Großauheimer Vereine und Verbände bedeutete die Vorbereitung jede Menge Arbeit. Immerhin seien in diesem Jahr 51 Vereine am Festival beteiligt, rechnete er vor. Mehr als 1000 Aktive haben die anstehenden Dienste auf dem Platz abgewickelt, auf dem alleine für die Technik 1283 Meter Kabel verlegt wurden. „Nehmen Sie das Fest mit allen Sinnen wahr,“ riet Göbel den Gästen, bevor die Bläser der Lindenauschule das Bühnenprogramm mit einem kleinen Konzert eröffneten.

Etwas schwierig gestaltete sich der Freibieranstich, weil sich der Zapfhahn einfach nicht richtig ins Spundloch rammen lassen wollte. Doch der Spezialisten waren genug vor Ort, um auch diese Widrigkeit zu beheben, so dass der Gerstensaft schließlich doch floss.

Auch die Besucher „flossen“ gemächlich über das weitläufige Gelände, nahmen Auslagen, Kunst und Informationen in Augenschein, griffen selbst zum Werkzeug, um unter Anleitung Ornamente in Speckstein zu ritzen oder Skulpturen herzustellen. Andere nahmen die Einladung der afrikanischen Musiker zum gemeinsamen Trommeln an. Der Rhythmus war schnell gefunden und die Sessions fanden rasch zahlreiche Zuhörer. Noch dazu bei einem Wetter, bei dem es einen eigentlich kein bisschen in die Halle zieht.

Bilder: „Festival der Kulturen“ in Großauheim

Doch auch dort gab es mit der Geschichte der „Regentrude,“ inszeniert von Kinderchor und Solisten der Dahlmannschule Frankfurt und musikalisch begleitet von den „Young Strings“ des Adolf-Reichwein-Gymnasiums aus Heusenstamm, eine äußerst sehenswerte Inszenierung zu erleben. Übrigens auch ein „sehr gelungenes Integrationsprojekt,“ wie Simone Rayer vom Veranstalter betonte. Alleine im Schulchor seien 14 Nationen vertreten. Und die Geschichte nach dem Märchen von Theodor Storm um den ausbleibenden Regen und die Folgen davon, passe sehr gut zum aktuellen Thema Flucht und Vertreibung.

Höhepunkt des Festivals am Sonntag war ein Interreligiöses Gemeinschaftsfest, eröffnet vom Gospelchor der Kirchengemeinde Am Limes. Auf dem Tisch auf der Bühne standen die Symbole der vier großen Religionen: Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam. Dahinter deren Sprecher und geistliche Würdenträger, vereint im Bestreben, das „Gemeinsame der Religionen in den Vordergrund zu stellen,“ wie Pfarrer Wolfgang Bromme sagte, bevor Vertreter der Weltreligionen die Basis ihres Glaubens vorstellten, mit Rezitationen, Gebeten und Gesängen die liturgischen Gebräuche demonstrierten und Applaus für ihre Friedensbotschaften bekamen. Das Interreligiöse Gemeinschaftsfest, so Thomas Göbel, werde mit Sicherheit auch wieder Bestandteil des nächsten Festivals der Kulturen sein, das möglicherweise 2018 wieder stattfinde.

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