Versteigerung aus der Asservatenkammer

Beute unterm Hammer

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Auch mutmaßliches Tatwerkzeug kann ersteigert werden. Wer sich nicht daran stört, dass damit Gauner ihr mieses Handwerk ausübten, kann so manches Schnäppchen machen.

Hanau - Dreimal im Jahr durchforstet die Staatsanwaltschaft Hanau ihre Asservatenkammer nach Objekten, die im Rahmen von öffentlichen Versteigerungen unter den Hammer kommen. Von Holger Hackendahl

Für Preisbewusste ist das stets eine Gelegenheit, an Schnäppchen mit zum Teil zweifelhafter Vergangenheit zu kommen - manchmal schon ab einem Euro Mindestgebot. Rund 30 Frauen und Männer nahmen an der jüngsten Versteigerung der Staatsanwaltschaft Hanau teil - darunter einige Profis, aber auch viele ganz normale Käufer in der Hoffnung, auf einen günstigen Zuschlag. Sie alle müssen zunächst die Sicherheitsschleuse passieren, um Zutritt zum Foyer der Staatsanwaltschaft zu bekommen, wo eine Gerichtsvollzieherin die Versteigerung leitet.

Und die startet auch gleich mit der Einzelversteigerung von zehn verpackten Flachbild-Fernsehern. Zwischen 120 und 145 Euro sind die Bietenden bereit, pro TV-Gerät zu bezahlen. Sie kaufen damit aber auch die „Katze im Sack“, denn auf die verpackten Fernsehen gibt es keine Gewährleistung, wie Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, erklärt. Gegen Barzahlung an die Staatskasse wird die Ware sofort ausgehändigt.

Unter den zur Versteigerung anstehenden Dingen sind auch einige Kuriositäten, etwa der Laubsauger, der für nur einen Euro einen neuen Besitzer findet, das „Schnuffelkissen“, die Gartenschere oder die Reitgerte. Versteigert werden aber auch hochwertige Digitalkameras, Kameraobjektive, ein Mountainbike, diverser Schmuck und etliche Navis. „Das Eigentum an den versteigerten Dingen geht mit dem Zuschlag an den Höchstbietender definitiv auf ihn über. Das ist eine rechtssichere Sache“, versichert Heinze. Spätere Ansprüche des ursprünglichen Besitzers seien ausgeschlossen.

Ungewöhnlich viel Werkzeug geht diesmal zum „kleinen Preis“ weg - Schraubendreher, Kneifzangen, Spraydosen, Axt, Beil, Brecheisen, Wagenheber... „Hierbei kann es sich auch um mutmaßliches Tatwerkzeug handeln“, weiß Heinze. Doch wen die mitunter zweifelhafte Vergangenheit der Geräte nicht stört, der kann hier seinen Werkzeugkoffer günstig auffüllen. Denn, so der Jurist Heinze, Werkzeuge seien an und für sich neutral. Es seien Gebrauchsgegenstände, die zwar auch zur Ausübung von Straftaten geeignet seien, aber nicht für derartige Zwecke hergestellt würden. Und somit können sie auch öffentlich versteigert werden, wenn sie als Asservate nicht mehr benötigt werden.

So unterschiedlich die Objekte auch sind, eines haben sie gemeinsam: Alle Asservate stammen aus Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. „Das Gros ist Diebesgut, dessen rechtmäßige Eigentümer nicht mehr zu ermitteln sind“, so Heinze. Werden die Eigentümer ausfindig gemacht, haben sie mehrere Wochen Zeit, die Objekte abzuholen. Tun sie das trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung nicht, kommen die Dinge schließlich unter den Hammer.

Doch längst nicht alles, was in der Asservatenkammer lagert und nicht abgeholt wird, wird auch versteigert. Handys oder Smartphones kommen nicht unter den Hammer. Die Staatsanwaltschaft kann nämlich nicht gewährleisten, dass auch alle Daten auf den Geräten tatsächlich gelöscht sind. Handys kommen deshalb in die Wertstofftonne und werden recycelt, Laptops werden verbrannt. Auch Asservate mit verbotenen politischen Symbolen werden vernichtet - ebenso wie Lebensmittel. Einzige Ausnahme: Originalverschlossene Spirituosen, Wein- und Champagnerflaschen, die auch bei der jüngsten Versteigerung der Staatsanwaltschaft gefragt waren. So fand etwa eine Fünf-Liter-Flasche Rotwein einen neuen Besitzer.

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Während ansonsten jegliche andere Form von Betäubungsmitteln selbstredend nicht versteigert werden, können Zigaretten, so sie denn ordnungsgemäß verzollt wurden, durchaus unter den Hammer kommen. Allerdings lohnen sich in dieser Hinsicht eher die regelmäßigen Versteigerungen des Frankfurter Zollamts, wo weit größere Mengen an verzollten Zigaretten anfallen. Sichergestellte Autos sind allerdings nicht über die Versteigerungen bei den Staatsanwaltschaften zu bekommen. „Autos werden notveräußert und in der Regel von Abschleppunternehmen nach Wertgutachten aufgekauft“, weiß Heinze.

In Zusammenhang mit Straftaten beschlagnahmte Tiere wie Kühe, Katzen, Meerschweinchen werden in Abstimmung mit dem Veterinäramt den Tierheimen Hanau oder Gelnhausen übergeben. „Munition und Waffen werden bei der Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises in Gelnhausen abgegeben, die diese entsorgt“, erläutert Heinze. Es gebe aber auch Asservate, die dienten der Polizei als „Lehrmaterial“, etwa gefälschte Pässe, Prägemaschinen für Falschgeld oder elektronische Feinwaagen für Rauschgift. „Aber nur dann, wenn sich die Täter auf ihrem Gebiet wirklich etwas Neues haben einfallen lassen“, so der Oberstaatsanwalt.

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