Weltliteratur an elf Stationen

Märchenhafte Route führt quer durch Hanaus Innenstadt

Hanau - Die Idee, Märchen der Brüder Grimm im Hanauer Stadtbild sichtbar zu machen, gab es schon lange. Doch es dauerte Jahrzehnte, bis aus der Idee Realität wurde. Unlängst wurde die vorerst letzte Station des Hanauer Märchenpfades offiziell eingeweiht. Von Dirk Iding

Der Weg entlang der insgesamt elf Stationen ist auch eine Einladung, sich mal wieder mit den Grimm‘schen Märchen auseinanderzusetzen. Dazu möchte diese Zeitung ihre Leserinnen und Leser in den nächsten Wochen ausdrücklich ermuntern, indem wir in unserer Serie „Es war einmal... Der Hanauer Märchenpfad“ alle elf Stationen dieses Weges mit den jeweiligen Skulpturen und Kurzportraits der Künstler, die sie geschaffen haben, vorstellen. Und vor allem: Wir werden die dazugehörigen Märchen möglichst in ihrer Ursprungsfassung aus der 1812 erstmals erschienenen Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, herausgegeben von Jacob und Wilhelm Grimm, veröffentlichen. Das verspricht ein Lesevergnügen der besonderen Art.

Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt Hanau, koordinierte von Anfang an das Projekt „Hanauer Märchenpfad“, das zu 100 Prozent aus Sponsorengeldern finanziert wurde. Der eigentliche Startschuss des Projekts war für Hoppe im Jahr 2012 ein Beschluss der Hanauer Stadtverordnetenversammlung, in dem all die Kulturprojekte im öffentlichen Raum aufgelistet wurden, die im Zuge des Innenstadt-Umbaus realisiert werden sollen. Darunter auch der „Hanauer Märchenpfad“. Hoppe: „Das Stadtparlament hatte damals zwar den Grundsatzbeschluss gefasst, dem Magistrat und der Verwaltung aber dann die notwendige Freiheit gegeben, die einzelnen Projekte kreativ umzusetzen.“

Beim Hanauer Märchenpfad ist das besonders gut gelungen. Neben der als Ausgangspunkt bereits vorhandenen Bronze-Skulptur „Die sechs Schwäne und ihre Schwester“ von Albrecht Glenz im Schlossgarten sollten zehn weitere Plastiken zu Geschichten entstehen, die zu den „Hanauer Märchen“ zählen. Das sind Erzählungen, von denen man weiß, dass sie Jacob und Wilhelm Grimm aus dem Hanauer Raum zugetragen wurden, etwa von Marie Hassenpflug, deren Familie mit den Grimms gut bekannt war. Marie und ihre Schwestern Jeanette und Amalie erzählten den Grimms heute zur Weltliteratur zählende Märchen wir „Dornröschen“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“, die sie selbst in ihrer Kindheit in Hanau gehört hatten.

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Für jede Märchenstation wurden Sponsoren gefunden, die jeweils 10.000 Euro zur Verfügung stellten (2000 Euro für den Sandsteinsockel und 8000 Euro für die eigentliche Skulptur). „Das war der enge Kostenrahmen, an den sich jeder Künstler halten musste“, erklärt Hoppe. Gleichwohl stieß der im Frühjahr 2015 ausgelobte nationale Künstlerwettbewerb auf einegroße Resonanz. Gleich 74 renommierte Künstlerinnen und Künstler, die alle ihr fachliches Können nachweisen mussten, bewarben sich mit mehr als 170 Vorschlägen zu den zehn ausgewählten Märchen. Eine Fachjury, aber auch die Hanauer Bürgerschaft, wählten schließlich die Entwürfe aus, die für den Hanauer Märchenpfad realisiert wurden.

Entstanden ist eine Reihe von zehn ganz unterschiedlichen Arbeiten von acht ganz unterschiedlichen Künstlern. Die Bildhauer Wilhelm Zimmer und Dr. Hatto Zeidler sind auf dem Hanauer Märchenpfad jeweils sogar mit zwei Skulpturen vertreten.

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