Die richtige Gitterseite

Im Wildpark herrscht Wild-West-Atmosphäre

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Indianer, Cowboys, Trapper und Siedler haben auf der Festwiese in der „Alten Fasanerie“ ihre Zelte aufgeschlagen und gewähren den Wildpark-Besuchern Einblicke in das Leben im Wilden Westen.

Klein-Auheim - Der Wilde Westen hat im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Klein-Auheim Einzug gehalten. Dort tummeln sich seit Donnerstag Indianer und Cowboys in ihren Tipis und Unterkünften. Auch an diesem Wochenende werden den Besuchern viele Mitmachaktionen geboten. Von Dieter Kögel 

Beim Büchsenschießen können sich die kleinen Besucher an diesem Stand probieren.

„Schau mal Papa, da sind ja Indianer!“ Der kleine Junge kann es kaum fassen, aber es ist so. Denn der Westernclub „Crazy Longhorns“ hat auch in diesem Jahr wieder seine Tipis aufgebaut und Freunde aus der Szene dazu eingeladen, das Gleiche zu tun. Bis einschließlich Sonntag bestimmen sie das Bild auf der Festwiese, erzählen Geschichten, beantworten Fragen und gewähren Blicke ins Innere der wohnlichen Zelte, in denen auch übernachtet wird. „Wakan Tanka“, der Große Geist, „meint es gut mit uns“, sagt Lakota Häuptling Bahar und schaut lächelnd in den blauen Himmel. „Wer gut ist, dem widerfährt auch Gutes“, da ist sich der Häuptling sicher. Doch Bahar ist nur Häuptling auf Zeit. Ab Montag ist er wieder Klaus-Peter Reimann von den „Crazy Longhorns“, dann hat ihn der Alltag wieder - bis es wieder mit Zelt und Freunden in die freie Natur geht. Ohne Handy, ohne Internet. Das Stück Freiheit unter freiem Himmel, es ist für die Hobbyisten eine Art Lebensphilosophie: Die schnelllebige Zeit anhalten, den Puls der Natur fühlen, sich mit Gleichgesinnten austauschen.

Es sind einige Indianerzelte weniger in diesem Jahr im Wildpark. Dafür stehen mehr Zelte von Siedlern, Trappern und Jägern, etwa von Stefan Gutjahr und Jochen Friedrich von den „Freien Odenwäldern“. Zum zweiten Mal sind sie in Klein-Auheim dabei und schätzen die Atmosphäre dort sehr. Auch wenn sie keine indianische Tradition pflegen. „Wir sind eben Europäer“, sagt Gutjahr, der seinem Hobby seit 2008 nachgeht und in die Rolle eines Siedlers aus dem Odenwald geschlüpft ist. Er und Jochen Friedrich, der schon seit 20 Jahren dabei ist, haben sich über den Wilden Westen letztendlich auch in die Geschichte hierzulande vertieft, Quellen gesucht, geforscht, wer denn eigentlich aus dem Heimatort und der Umgebung um 1750 aus Not nach Amerika ausgewandert ist und so ein Stück eigener Geschichte neu entdeckt. Die ist spannend, sagen beide, und geben Interessierten gerne Auskunft über all das, was sie herausgefunden haben.

Bilder: Ein Hauch Wilder Westen im Wildpark

Ihr Hobby „ist ein bisschen mehr als nur Cowboy- und Indianer spielen“, sagt Stefan Gutjahr. Beide Siedler haben ihre Garderobe selbst gefertigt. Auch die Zelte sind zum Teil selbst genäht. Denn das gehöre dazu, wenn Wert auf Individualität gelegt wird. Ist es denn nicht ein bisschen wie im Zoo, wenn man sein Hobby auf der Festwiese lebt und ständig Besucher vorbeikommen? „Ja“, meinen die beiden Siedler, aber sie sehen sich „auf der richtigen Seite des Käfiggitters“, weil sie mit ihrem Hobby Dinge erleben, die dem Wildpark-Besucher, der abends wieder in die eigene Wohnung und in den Alltag zurückkehrt, verschlossen bleiben.

Von solchen Gedanken unbeeindruckt tummelten sich die jungen Besucher auf der Festwiese, dürfen unter Anleitung mit Korken auf einen Büchsenturm schießen oder unter sich beim Goldwaschen versuchen. Nur die indianischen Tänze fallen in diesem Jahr aus. Es fehlen die Sänger, sagt Riemann, auch wenn die nagelneue Trommel für die rituellen Tänze gerade vom Schamanen gesegnet wurde. „Wir haben Zeit“, sagt Häuptling Bahar. Wenn die Trommel erst nächstes Jahr wieder spricht, dann ist das eben so.

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