Daniela Schadt Ehrengast beim Karussell-Fest

Es dreht sich wieder!

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Was viele lange ersehnt hatten, wurde gestern Abend wahr: Eine Fahrt im historischen Karussell in Wilhelmsbad. Sechs Jahre lang war das 1780 erbaute Karussell für insgesamt 4,1 Millionen Euro restauriert worden. Jetzt ist es wieder in Betrieb.

Hanau - Es war Punkt 19.27 Uhr gestern Abend als sich das 236 Jahre alte restaurierte Karussell in Wilhelmsbad auf Knopfdruck von Daniela Schadt, Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, Staatsminister Boris Rhein und OB Claus Kaminsky nach 80 Jahren erstmals wieder in Bewegung setzte: Von Christian Spindler 

Die Wiederinbetriebnahme eines neuen Hanauer Wahrzeichens, dem gar der Rang eines Weltkulturerbes attestiert wird. Nachdem die 16 Pferde und vier Kutschen des in sechsjähriger Arbeit sanierten Karussells zunächst alleine mit 11,5 Metern pro Sekunde zu den Klängen des Fanfaren- und Spielmannszugs Altenstadt ihre Runden gedreht hatten, durften die ersten Gäste zusteigen. Darunter die aus Hanau stammende „First Lady“, der Minister, der Rathauschef sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete, aber auch Mitglieder des Fördervereins, der sich fast 20 Jahre lang für die Sanierung des weltweit ältesten festen Karussells eingesetzt hat.

Daniela Schadt hatte eigens für den Festakt in ihrer Heimatstadt den Urlaub unterbrochen. In ihrer Ansprache zum Auftakt der dreitägigen Festivitäten erinnerte sie daran, wie sie als Kind ins damals noch marode Karussell geschlüpft ist; und sie gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass „die schönsten Karussellpferdchen der Welt“ nun wieder in euem Glanz erstrahlen. Mit der Wiederinbetreibnahme sei „ein Traum in Erfüllung gegangen“, so OB Kaminsky vor den mehreren hundert geladenen Gästen und zahlreichen Schaulustigen. Hanau habe „ein Wahrzeichen wiederbekommen“, das Vize-Landrätin Susanne Simmler gar als „Weltkulturerbe“ bezeichnete, auch wenn das einzigartige Kleinod dieses Prädikat freilich nicht offiziell führt.

Als Ende der 90er Jahre der Förderverein zur Rettung des 1780 erbauten Karussells antrat, sei ein Erfolg nicht absehbar gewesen, es habe vieler Skeptiker gegeben, erinnerte Kaminsky. Und alle Redner, darunter auch Staatsminister Rhein, betonten, dass die Wiederinbetriebnahme ohne den Förderverein, der „zivilgesellschaftliches Engagement auf allerbeste Weise“ (Rhein) mobilisiert habe, nicht möglich gewesen wäre. Ein Engagement, für das der Verein gestern Abend mit der Bürgerplakette der Stadt ausgezeichnet wurde.

Bilder: Historisches Wilhelmsbader Karussell

Dass die Rettung des von Ludwig Cancrin auf Geheiß des späteren Erbprinzen Wilhelm I. erbauten Karussells fast 240 Jahre später auch technisch gelungen ist, sei mehreren hundert Handwerkern zu verdanken, so Architektin Christiane Kolhoun und Thomans Ludwig von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die nicht nur die beteiligten Betriebe würdigten, sondern anekdotenhaft auch die Entstehungsgeschichte des Karussells beleuchteten.

Während nach dem vom Fördervereinsvorsitzenden Stefan Bahn und Karl Weber, Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, moderierten Festakt nur geladene Gäste, Vereinsmitglieder und Gewinner einer Verlosung im Karussell fahren durften, sind beim großen Fest heute und am Sonntag alle Bürger eingeladen, für vergleichsweise günstige vier bzw. zwei Euro in den Kutschen Platz zu nehmen. Um 1780 kostete das immerhin 24 Kreutzer, so viel wie damals eine Flasche Wein. Und fürs Wochenende hoffen die Organisatoren auch auf besseres Wetter. Zwar blieb es gestern zunächst trocken. Gegen 20.30 Uhr ließ heftiger Gewitterregen das weitere Fest auf der Promenade ins Wasser fallen. Heute soll ab 16 Uhr, morgen ab 11.30 Uhr gefeiert werden.

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