Blickt DHL in die Glaskugel?

Ärgergeschichte um einen verschickten Koffer

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Symbolbild

Heusenstamm - Wer verreisen möchte, versucht, sich dies möglich bequem zu gestalten. Dazu gehört für manche Bürger, den Koffer zu verschicken, um sich das Schleppen zu ersparen. Daraus kann dann jedoch eine Ärgergeschichte werden. Von Claudia Bechthold 

Erwin Heberer ist ein weitgereister Mann. Mehr als die halbe Welt hat er auf seinen meist beruflichen „Ausflügen“ schon gesehen. Nun wollte er „nur“ an die Nordsee, zur Erholung. Und um sich die Schlepperei mit dem Gepäck zu ersparen, hat er das Angebot der „DHL Reisegepäck“ genutzt. Für knapp 15 Euro sollte der Koffer versandt werden. Weitere sechs Euro kostete die Abholung am festen Datum zwischen 8 und 13 Uhr bei ihm zu Hause. Am vereinbarten Tag allerdings kam niemand, um das Gepäckstück abzuholen. Auch Versuche, die zuständige Stelle bei der Post-Tochter DHL zu erreichen, brachte nichts. Da Erwin Heberer am Nachmittag dieses Tages einen Termin hatte, der Koffer also nicht mehr rechtzeitig abgeholt werden konnte, um vor ihm selbst auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog einzutreffen, stornierte der Heusenstammer den Auftrag.

Aber wie sollte der Koffer nun an die Nordsee? Mit DHL Express könne das Teil verschickt werden, riet man ihm. Gesagt, getan. Am folgenden Vormittag, einem Samstag, schaffte der Schlossstädter den Koffer in das zur Postbank-Filiale umfunktionierte frühere Postamt an der Frankfurter Straße. Nach einigem Hin und Her („Dürfen wir überhaupt Pakete für DHL Express annehmen?“) wurde das Gepäckstück endlich auf die Reise geschickt.

Freilich notierte sich Erwin Heberer die Sendungsnummer, um seinen Koffer zu verfolgen. Umso größer war die Überraschung, als er am folgenden Montag um 8.10 Uhr im Internet lesen konnte, der Koffer sei just am selben Tag um 10.50 Uhr zugestellt worden. Hat DHL die Glaskugel, mit der man in die Zukunft schauen kann? Ein Anruf im Hotel brachte zudem die Antwort, nichts sei eingetroffen. Allmählich wurde Erwin Heberer nervös. Unzählige Telefonate später wusste er, sein Gepäck sei in Bremen von DHL einem Fremdspediteur übergeben worden und damit nicht mehr in der Verantwortung des Unternehmens. Wer der Spediteur sei, konnte ihm aber nicht gesagt werden.

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Am Dienstag ist der mittlerweile schon fast verloren geglaubte Koffer tatsächlich im Hotel eingetroffen. Und inzwischen kennt Erwin Heberer auch die Gründe für das Durcheinander. Da Fähren nach Spiekeroog von Ebbe und Flut abhängig sind, fahren sie nicht regelmäßig. Deshalb beendet DHL seine Verantwortung quasi vor dem Übersetzen auf die Inseln, da sie keinen Zustelltermin garantieren könne. Doch das erfahren Kunden des Unternehmens meist nicht.

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