Essays über das Flüchtlingsthema

Beeindruckende Texte: ARG-Schüler erhalten Auszeichnung

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Alea Keile, Wolfgang Neumann, Katja Heberer, Direktor Siegfried Ritter, Caroline Jung und Yvonne Rübsamen (von links).

Heusenstamm - Während andere Schüler des Adolf-Reichwein-Gymnasiums (ARG) voll und ganz mit ihrem Abitur beschäftigt sind, haben sich fünf von ihnen eine zusätzliche Herausforderung gesucht: Sie haben unter der Leitung von Yvonne Rübsamen und Kristina Hingst-Hock am Schreibwettbewerb der Judd School in der Partnerstadt Tonbridge teilgenommen. Von Yvonne Fitzenberger 

Zwar außer Konkurrenz, aber bei gleichen Kriterien. „Have people (not) forgotten how to treat strangers?“ („Haben die Menschen (nicht) vergessen, wie man Fremde behandelt?“) lautete das Thema, zu dem sie Essays verfasst haben. Dazu mussten sie sich mit den aktuellen Debatten über Flucht und deren Folgen auseinander setzen. Es ist schon das zweite Mal, dass das Adolf-Reichwein-Gymnasium an der „Writing Competition“ der Judd School teilnimmt. Der Wettbewerb wurde von Dave Calvert ins Leben gerufen. Er ist einer der Förderer der Judd School. Sein Großvater Donald Hodge war selbst Schüler der Judd, bevor er im Ersten Weltkrieg Teil der britischen Armee wurde. Geprägt vom Horror des Krieges, gründete er die Stiftung zur Völkerverständigung. Siegfried Ritter, Direktor des ARG: „Durch die Teilnahme am Wettbewerb bekommen die Schüler nicht nur eine Rückmeldung über ihre eigenen Leistungen, sondern helfen mit, die Vergangenheit zu überwinden. Durch die Partnerschaft mit Judd rücken unsere Länder ein Stück näher.“ Mitjurorin, neben Calvert selbst, war auch die englische Schriftstellerin Louisa Young, die sich vorwiegend mit dem Ersten Weltkrieg befasst.

Ausgangspunkt der Essays ist ein Zitat aus dem Kinderfilm „Paddington Bear“. Es geht um eine Szene, in der Paddington nach Europa auf’s Land geschickt wird, um dort, fern von Krieg und Hungersnot, leben zu können. Eine Situation, die es während der Kriegszeiten nicht nur in Deutschland, sondern eben auch in Großbritannien gab. „Ich wusste gar nicht, dass so etwas gemacht wurde. Ich war sehr überrascht, darüber zu lesen“, sagt Alea Keile: „Die Eltern schickten ihre Kinder weg, in der Hoffnung, dass es ihnen besser geht. Dabei wurden die Jungen und Mädchen oft schlecht behandelt.“ Alea erreichte den zweiten Platz. Auch Katja Heberer, die Erstplatzierte, war erstaunt. „Ich kann nachvollziehen, dass es ganz nach dem Motto ‘Kinder zuerst’ ging. Es ist ein packender Aspekt, den man aktuell auch beobachten kann.“

Wolfgang Neumann, der einzige Junge unter den Teilnehmern und Drittplatzierter, erläutert, wie die Arbeit am Essay für ihn ablief: „Ich habe mich ausführlich mit englischer Geschichte auseinandergesetzt und war wirklich erstaunt. Ich wusste, dass in Deutschland Kinder auf’s Land geschickt wurden, damit sie versorgt sind. Aber zu lesen, dass es auch woanders so war, ist interessant. Es war schwer auszusortieren, welche Aspekte ins Essay sollten. Unter Betrachtung der aktuellen Situation war es jedoch wesentlich leichter.“ Alle drei Mitbewerber sind sich einig, dass man heutzutage, auch wenn es schwer fällt, offen mit Fremden und Flüchtlingen umgehen sollte.

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Calvert selbst meldet sich in einem Brief zu Wort und lobte die Schüler, nicht nur für ihre sprachlichen Kenntnisse, die beispielhaft seien, sondern auch für ihre beeindruckende Auseinandersetzung mit einem brisanten Thema. Dem stimmt Ritter zu: „Verständnis für andere fängt in dem Moment an, in dem man sich in ihre Lage versetzt. Die Arbeit, die unsere Schüler geleistet haben, trägt zu ihrer eigenen Entwicklung bei. Wir haben keinen Krieg miterleben müssen, daher sind die Probleme und Ängste der Flüchtlinge für uns abstrakt. Dies haben alle fünf unglaublich gemeistert.“ Zur Anerkennung erhielten alle Teilnehmer eine Urkunde und, gestaffelt, Geldpreise, gestiftet von Calvert, im Wert von 100 bis 150 Euro.

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