Gemälde aus Besitz der Familie der Grafen von Schönborn

Bannturm mit Giebeldach

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Das Foto zeigt das Gemälde eines unbekannten Malers aus dem Jahr 1820: Eine ungewohnte Ansicht der ehemaligen Schloss- und Burganlage, denn viele der Gebäude stehen längst nicht mehr. Überraschend ist das Giebeldach auf dem mittelalterlichen Bannturm, das vermutlich erst später aufgesetzt wurde.

Heusenstamm - Nicht viel ist bekannt über die frühe Geschichte Heusenstamms. So dürfte zum Beispiel das Dorf zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1211 längst existiert haben. Dies gilt auch für die Burg, um die es in jener Urkunde ging. Noch weniger weiß man über das Aussehen der von Burg und Schloss. Ein Bild aus dem Jahr 1820 gibt ein wenig Aufschluss. Von Claudia Bechthold 

Herren von Hagen, Ritter von Heusenstamm, Grafen von Schönborn: Mehrfach in der mehr als 800-jährigen Geschichte der Schlossstadt haben die Besitzer gewechselt. Ob dies den wenigen Bewohnern des Dorfes etwas bedeutet hat, ist nicht allerdings überliefert. Der heutige Bannturm jedenfalls dürfte zum Zeitpunkt der ersten Erwähnung Heusenstamms schon gestanden haben. Er ist das mit Abstand älteste Gebäude der heutigen Stadt. Und sicher ist auch: So, wie er heute aussieht, sah er nicht immer aus. Deutlicher Beweis dafür ist ein Gemälde aus dem Jahr 1820 von einem unbekannten Maler. Das Bild ist in Heusenstamm nicht sehr bekannt. „Es gehört den Schönborns in Wiesentheid“, erläutert Hans Scheuern, der 15 Jahre lang das Archiv der Stadt Heusenstamm ehrenamtlich geführt hat. Und im Schloss Wiesentheid Schönborns liegt das Bild auch.

Interessant sind viele Details der Ansicht. So hat das vordere große Schloss auf dem Bild noch ein Spitzgiebeldach. Inzwischen ziert ein Walmdach den 1663 bis 1668 errichteten Bau. Die beiden „Kurzflügel“ an den Seiten gibt es noch nicht. Stattdessen hat das Schloss zwei lange Seitenarme, von denen der nördliche möglicherweise als Remise oder Lagerfläche genutzt wurde. „Der südliche Seitenflügel, von dem nur die Dachspitze zu erkennen ist, dürfte bewohnt gewesen sein, was man an den Schornsteinen erkennen kann“, berichtet Hans Scheuern.

Wann diese langen Seiten des Schlosses verschwunden und durch die kurzen, bis heute existierenden ersetzt wurden, weiß man nicht. Bekannt ist lediglich, dass das Gebäude nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reichs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts irgendwann innerhalb der Familie Schönborn den Besitzer gewechselt hat, wie auch Professor Elmar Götz vom Heimat- und Geschichtsverein bestätigt. Und man weiß, dass der sogenannte Kaisersaal, 1763/64 aus Holz errichtet anlässlich des Besuchs von Kaiser Franz I., im Jahr 1830 wieder abgerissen wurde. Vielleicht wurde zu dieser Zeit das Schloss umgebaut?

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Nicht weniger interessant ist die Abbildung des Hinteren Schlösschens und des Bannturms. Da dürfte sich so mancher die Augen reiben: Ein Giebeldach auf dem dicken Turm? Es muss wohl so gewesen sein. Scheuern vermutet allerdings, dass dieses Dach erst zu späterer Zeit auf den mittelalterlichen Turm gesetzt wurde.

Zwischen Bannturm und Schlösschen muss – etwa dort, wo heute das Zeltdach den Platz überspannt– ein weiteres Gebäude gestanden haben, über dessen Nutzung man nichts weiß. „Und es gab eine hohe Mauer, die offenbar einen Wehrgang hatte; erkennbar an den Fenstern “, meint Hans Scheuern. Auf jeden Fall sei die ehemalige Burg gut gegen Eindringlinge gesichert gewesen.

Das Hintere Schlösschen schließlich ist mehr als einmal verändert oder gar neu gebaut worden. Die Tatsache etwa, dass im Keller des Gebäudes die Reste eines gotischen Kreuzgewölbes zu finden sind, lässt vermuten, dass sich die Ritter von Heusenstamm schon früh an dieser Stelle ein Wohnhaus haben errichten lassen. Und bis heute sei erkennbar, sagt Hans Scheuern, dass es im ersten Stock einen „Umgang“ gab, von dem aus die Bediensteten in die Räume der Herrschaft gelangen konnten.

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