Tonnenschwere Ware

Im Beruf auf Sand gebaut

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Björn Bildhäuser sitzt bei seiner Arbeit zwar hauptsächlich im Büro. Die schwere Arbeit seiner Kollegen in den Werkshallen kennt er aber natürlich ganz genau. - Foto: Fitzenberger Björn Bildhäuser sitzt bei seiner Arbeit zwar hauptsächlich im Büro. Die schwere Arbeit seiner Kollegen in den Werkshallen kennt er aber natürlich ganz genau.

Heusenstamm -  Wie geht’s zu in einem Betonwerk, das Fertigteile sogar für den Frankfurter Flughafen liefert? Wir waren im Zuge unserer Serie „90 Minuten mit . . . “ bei der Firma BFS. Von Yvonne Fitzenberger

Staub, Sand und riesige Betonklötze sind das Erste, das man sieht. Es reihen sich unterschiedliche Betonbauteile aneinander. Am Ende ragt ein Sandberg mit Kran in den Himmel, rechts und links davon stehen Hallen. Die Mitarbeiter von BFS stellen Beton-Fertigschächte her, die sogar unter dem Frankfurter Flughafen liegen.

Welche enormen Kräfte nötig sind, um die Schächte zu bewegen, die auch mal 14 Tonnen wiegen können, ist beeindruckend. „Für die ganz Großen, die einen Durchmesser von zwei Meter haben, brauchen wir einen speziellen Kran“, erläutert Björn Bildhäuser. Er sitzt als kaufmännischer Angestellter zwar meistens im Büro, aber kennt sich mit der Arbeit seiner Kollegen im Werk natürlich bestens aus.

25 Mitarbeiter umfasst der Betrieb – eine recht überschaubare Zahl: Betonbauer, Gabelstapler, Bürokräfte. Auch eine Kollegin gibt es, die aber mehr hinter den Kulissen tätig ist. „Heute ging eine große Bestellung raus“, erzählt der 29-jährige, als er wieder an seinem Schreibtisch Platz nimmt. Im Büro sitzt ihm gegenüber der Meister Stefano Bellanova. Bildhäuser ist dafür zuständig, dass Angebote an die Kunden heraus gehen. Und er bearbeitet die Aufträge, die daraus entstehen.

Der Beton für die Schächte kommt von dem Werk selbst. Die Arbeiter stellen ihn aus Zement und Heusenstammer Sand her. „Der Kollege auf dem großen Kran sammelt Sand für den Beton, den er mischen will.“ Bildhäuser zeigt auf einen Kran, der an der hinteren Halle befestigt ist. Vor ihm ein riesiger Sandberg. Mit einer Schaufel zieht er den Sand nach innen. Der Berg ist so hoch, dass man ihn aus dem Bürofenster gerade noch sehen kann. Meist versperren die riesigen Beton-Bauteile aber die Sicht.

Das Telefon spielt am Arbeitsplatz des jungen Mannes zwar noch eine Rolle. „Die meisten Anfragen und Aufträge kommen inzwischen aber per E-Mail herein, ein paar vielleicht noch per Fax“, sagt Bildhäuser. Generell erledigt er viel am PC – ganz im Gegensatz zu den Mitarbeitern, die auf dem Hof die nächsten schweren Bauteile von den LKWs abladen. Eine Lieferung Muffen – Anschlüsse, die für die Schächte benötigt werden.

Der nächste Auftrag kommt per E-Mail herein. Bildhäuser schreibt die Daten für den Schacht heraus, die er dem Bauplan des Kunden entnimmt. Größe, Winkel, die Art der Muffen und wie der Innenausbau, also das Gerinne, aussehen soll. Das Fertigungsblatt gibt er dann an den Kollegen Harald Hagel weiter. Der kümmert sich darum, dass das Bauteil genau nach Plan entsteht. Und schon kommt wieder Beton ins Spiel. Das flüssige Material fließt in der Halle in Gießformen aus Metall. Das Innere wird ausgespart, die gerade erst gelieferten Muffen direkt mit eingegossen. Die Schächte brauchen zum Trocknen bis zu 20 Tage. Zuvor wird deren Innenleben gestaltet. „Es gibt verschiedene Arten, das Gerinne – also den Abfluss – auszubauen“, weiß Bildhäuser. Ein Kollege kümmert sich um den Estrich. Er füllt den Schacht mit Beton und drückt eine halbrunde Mulde hinein. Schicht um Schicht kommt hinzu. Eine körperlich anstrengende Arbeit mit gewaltigen Ergebnissen.

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