Schenkungen und eine Leihgabe bis Ende des Jahres im Haus der Stadtgeschichte zu sehen

Neue Besitzer für alte Bibeln

Heusenstamm - Sammeln liegt in der Natur eines Heimat- und Geschichtsvereins. Zu den Zeugnisse aus vergangenen Zeiten zählen auch Bibeln, die nicht nur Ausdruck des Glaubens der Menschen sind, sondern in früheren Jahrhunderten auch nicht jedem zugänglich waren. Von Claudia Bechthold

In Heusenstamm darf sich der Verein jetzt über besondere Schenkungen und eine Leihgabe freuen. Heutzutage zählen Bibeln zum Allgemeingut. In vielen Haushalten darf das „Buch der Bücher“ nicht fehlen. Doch das war nicht immer so. Erst seit Martin Luther die Texte ins Deutsche übertragen hat, sind diese für jeden verständlich. Mehrere alte Bibeln sind jetzt in den Besitz des Heusenstammer Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) übergegangen. Dazu kommt eine Leihgabe einer besonderen Ausgabe. Zwei dieser Bibeln können bis Ende des Jahres während Veranstaltungen sowie zu den üblichen Ausstellungszeiten im Haus der Stadtgeschichte besichtigt werden. Dr. Roland Krebs, Vorsitzender des Vereins, ist hocherfreut über die unerwarteten Gaben. Das bereichere den Besitz des HGV enorm. Er dankte dem Spender, Altbürgermeister Josef Eckstein sowie dem Leihgeber, dem früheren Stadtrat Manfred Ester.

Eine sogenannte Osiander-Bibel aus dem Jahr 1650 hat Manfred Ester dem Verein bis zum Jahresende zur Verfügung gestellt. Diese Bibel ist nach Pfarrer Lukas Osiander benannt, der 1534 in Nürnberg geboren wurde, bis zu seinem Tod 1604 aber vor allem im Württembergischen gewirkt hat. Seine Kommentare zu den biblischen Texten nahm der Lüneburger Verlag Stern in eine Bibel nach der Übersetzung Luthers auf, die 1650 erstmals gedruckt wurde. Sie diente als Altarbuch. Reich und farbig illustriert ist ein Faksimile (originalgetreuer Nachdruck) des Echternacher Evangeliars von 1030, das Josef Eckstein jetzt dem HGV geschenkt hat. Das Original steht in der königlichen Bibliothek in Brüssel.

Als drittes Buch stellt der HGV zudem ein Predigtbuch von 1712 aus. Es diente den Heusenstammer Pfarrherrn als Handreichung zur Vorbereitung ihrer Predigten im Kirchenjahr und gehört dem Verein. Untergebracht in einer Vitrine im Erdgeschoss des Hauses der Stadtgeschichte, Eckgasse 5, können die drei Bücher vom 11. September an sonntags während der Öffnung der Dauerausstellungen von 14 bis 17 Uhr sowie während Veranstaltungen besichtigt werden. Mit drei weiteren Bibeln überraschte Josef Eckstein außerdem den Heimat- und Geschichtsverein. Es sind ein Faksimile des Mainzer Evangeliars von 1250 sowie Nachdrucke zweier Lutherbibeln aus dem Jahr 1630, gedruckt in Straßburg. Das Mainzer Evangeliar gilt als eines der bedeutendsten Werke der deutschen Malerei des 13. Jahrhunderts. Aufbewahrt wird das prächtige Original seit 1803 in der Hofbibliothek in Aschaffenburg.

Leuchtschwerter und Darth Vader in der Kirche

Diese kleinen Schätze sollen künftig vor allem dann hervorgeholt werden, wenn Konfirmanden, Firmlinge oder Erstkommunionkinder die Dauerausstellung des Vereins „Kraft des Glaubens“ besuchen, kündigt Roland Krebs an. Außerdem denke man im Vorstand des HGV darüber nach, eine Sonderausstellung mit geistlichen Büchern und liturgischen Geräten zu veranstalten. „Aber das wird frühestens im kommenden Jahr verwirklicht werden können“, meint er. Kein schlechtes Datum – schließlich jährt sich die Reformation 2017 doch zum 500. Mal.

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