Brüder Duwensee und die Brexit-Entscheidung:

Engländer drücken auf „Pause“

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Der Umzug der Spedition Duwensee vom Weiskircher Weg in den großen Levis-Komplex in Martinsee ist abgeschlossen. Mit dem Bau eines Parkplatzes für die Lastwagen hinter der Halle sind alle Pläne verwirklicht. Das Gebäude teilt sich das Familienunternehmen mit der Firma Dematic.

Heusenstamm - Nach dem großen Umzug der Spedition Duwensee vom Weiskircher Weg in den früheren Levis-Komplex in Martinsee sollte eigentlich wieder der Alltag eingekehrt sein ins Transportgeschäft des Familienbetriebs. Doch so ist es nicht. Von Claudia Bechthold 

Die Entscheidung der Engländer, aus der Europäischen Union auszutreten, wird auch Auswirkungen auf die Heusenstammer Spedition haben. Das Zeitunglesen ist für die Duwensees schon immer Pflichtprogramm. Doch seit einigen Monaten verfolgen Günter, Gregor und Georg Duwensee die aktuelle Nachrichtenlage noch intensiver als ohnehin schon. Der Grund dafür sind die Engländer, Denn ein wichtiger Schwerpunkt im Geschäft der Spedition ist der Fernverkehr von und nach England. Fünfmal am Tag macht sich ein Duwensee-Laster auf den Weg nach Großbritannien und wieder zurück. Und dies seit Jahren. „Es ist traurig, dass sich die Engländer für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden haben“, sagt Georg Duwensee, kaufmännischer Leiter des Familienbetriebs. Damit hatten auch sie nicht gerechnet: „Unsere Kunden empfinden sich fast alle als Europäer und haben gegen den Brexit gestimmt.“ Ihnen seien die Vorteile der EU bewusst.

Als erste Folge der Entscheidung vom 23. Juni sei der Wechselkurs von Euro zum englischen Pfund. War das britische Pfund Ende 2015 noch 1,30 Euro wert, bekommt man inzwischen nur noch 1,15 Euro. „Analysten erwarten sogar, dass Pfund und Euro eines Tages 1:1 stehen“, berichtet Georg Duwensee. Daher habe man schon seit längerer Zeit versucht, die Beziehungen zu den englischen Kunden auf Euro-Basis zu stellen, erläutert Bruder und Geschäftsführer Gregor Duwensee. Viel wichtiger noch sei allerdings. dass nach der Brexit-Entscheidung viele Unternehmen dort erst einmal auf „Pause“ gedrückt haben. Georg Duwensee: „Die Firmen stellen ihre Investitionsplanungen jetzt erst einmal auf den Prüfstand, weil sie selbst nicht wissen, wie es weiter gehen wird.“

Doch die Brüder sind zuversichtlich, dass sich für die eigene Spedition nicht viel ändern wird. Ein paar Mitstreiter werden vielleicht wegfallen, meinen sie, eventuell auch der eine oder andere Kunde. Aber andere könnten dazu kommen, „Zumal wir schon jetzt Erfahrungen im Abwickeln von Zollangelegenheiten haben und gut mit einem entsprechenden Partner in England zusammenarbeiten“, ergänzt Gregor Duwensee. Die 51 Jahre bestehende Spedition mit 68 Mitarbeitern – davon etwa 30 hinter dem Steuer – und 25 eigenen Lastwagen fährt auch Transporte von England nach Russland, die verzollt werden müssen.

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Der Zoll werde wieder eine Rolle spielen, wenn Großbritannien kein EU-Mitglied mehr ist. „Da wird die EU sicher restriktiv reagieren, denn sie wollen England ja nicht als großen Sieger des Austritts dastehen lassen“, ist Georg Duwensee überzeugt. Völlig offen sei auch noch, wie die vielen asiatischen Unternehmen reagieren, die sich einst für einen Europasitz in Großbritannien entschieden haben. Deren Ziel seien ja nicht Handelsbeziehungen mit England, sondern mit allen europäischen Ländern gewesen. Ein Sitz in England sei dann nach dem Brexit nicht mehr sinnvoll.

„Wir erwarten nicht, dass wir große Einbrüche haben werden“, zeigt sich Georg Duwensee überzeugt. Zumal das Unternehmen ohnehin international tätig ist. Die Benelux-Länder seien weiterer Schwerpunkt neben England, und auch die Beziehungen nach Italien entwickelten sich gut. „Wir können nicht in die Glaskugel schauen“, sagt Gregor Duwensee, „aber wir sind von unseren Leistungen überzeugt“.

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