Innerem Ruf gefolgt

Christian Kaschub wird im Mainzer Dom zum Priester geweiht

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Ein echtes „Kind der Pfarrei“: Christian Kaschub wird zum Priester geweiht.

Heusenstamm - Christian Kaschub ist Jahrgang 1988, in Offenbach geboren und in der Schlossstadt aufgewachsen. Er stand bei den TSV-Kickern bis zur C-Jugend im Tor, machte sein Abitur 2008 am Adolf-Reichwein-Gymnasium. Nun wird er zum Priester geweiht. Von Michael Prochnow 

Priester werden. Dieser Gedanke hat Christian Kaschub schon als Kind gefallen. So richtig ernst wurde es, als er mit 16 Jahren an einer Info-Veranstaltung im Priesterseminar teilnahm. „Es war ein innerer Ruf“, versucht er, seinen Weg in Wort zu fassen. Zunächst konzentrierte er sich aufs Abitur, nahm einen Schritt nach dem anderen. Erst danach setzte er sich mit Gemeindepfarrer Martin Weber und mit dem Leiter des Priesterseminars in Mainz zusammen. „So hab’ ich mich stufenweise meiner Entscheidung angenähert.“ Dieser Weg wurde im Elternhaus geebnet. Die Mutter bereitet Familiengottesdienste, verwaltet die Kollekte, ist seit 20 Jahren ehrenamtlich im Pfarrbüro tätig, saß im Vorstand des Kirchenchores. Der ältere Bruder, heute Arzt, war Messdiener – wie auch Christian. Später leitete er die „Minis“, verjüngte mit seiner Stimme den Kirchenchor, war eben ein „Kind der Pfarrei“, wie er sagt.

Seine Familie unterstützt die Berufswahl, setzt ihn nicht unter Druck. „Das sind ideale Voraussetzungen“, weiß Christian. „Es ist wichtig, dass die Familie gemeinsam betet, in den Gottesdienst geht, sich aber auch kritisch mit dem Glauben auseinandersetzt“, definiert er und nennt das „kirchliche Sozialisation“. Christian richtet einen „realistischen, nüchternen Blick“ in die Zukunft. Das Zölibat, die Ehelosigkeit, werde ihn in naher Zukunft nicht bewegen. In seiner Ausbildung habe er dies immer wieder reflektiert und einen „bewussten Umgang“ damit erfahren. „Wichtig ist, dass man Familie und Freunde hat.“

Eine besondere Herausforderung im Priesterberuf sei das Wechselbad der Gefühle: Eben noch zum Geburtstag gratuliert, jetzt eine Beerdigung zelebrieren. „Du musst schnell umschalten, gut organisiert sein, dich innerlich klar auf den Tag einstellen.“ Das hat der Seelsorger von seiner ersten Stelle als Diakon in Heppenheim gelernt.

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Ein Semester studierte der Schlossstädter in Freiburg, lebte in einer größeren Gemeinschaft, arbeitete in einem Altenwohnheim. Dann war er zwei Monate an einer Bibelschule in Israel, hat bewusst die Orte Nazareth, See Genezareth, Jerusalem und auch die Wüste aufgesucht. „Diese Erfahrung war mir wichtig“, resümiert er, heute sehe er die Orte beim Lesen der Bibel vor seinem inneren Auge. Sein Auslandssemester hat er 2011 in Innsbruck verbracht, das Gemeindepraktikum absolvierte Christian in Mainz-Hechtsheim. Noch einmal habe er dort ganz genau gespürt: „Das ist das, was ich machen möchte“. Und: „Die Nähe zu Gott ist Voraussetzung, um auch nahe bei den Menschen zu sein“. Ende 2012 legte er sein Diplom ab, es folgten zwei Praktika im Katholischen Büro in Berlin, wo Lobbyarbeit für die Kirche betrieben wird. Dann war Christian beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken aktiv, um den Katholikentag 2014 vorzubereiten.

Ja, es müsse Veränderungen in der Kirche geben, dennoch blickt der Eintracht-Fan „sehr optimistisch“ in die Zukunft. Der Regens und Leiter des Priesterseminars, Weihbischof Dr. Udo Bentz, wird ihn und drei Kommilitonen am Samstag, 2. Juli, im Mainzer Dom zum Priester weihen. Tags darauf feiert der 27-Jährige um 10 Uhr seine Primiz in Maria Himmelskron. Traditionell wird er mit dem Blasorchester vom Elternhaus abgeholt und zur „neuen Heimat“ geführt. Seine vier Kaplansjahre beginnen dann in Viernheim, danach wird er eine eigene Pfarrei übernehmen. „Ich freue mich sehr darauf, egal wohin ich gesandt werde.“

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