Hilfe aus St. Cäcilia

Mechthild Schreiner berichtet aus Bistum Inongo in Kongo

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Mechthild Schreiner (links) und Françoise mit Tony, Nsongo, Bapeke und Bieleli, die als erste die Schule mit Erfolg abgeschlossen haben.

Heusenstamm - Es war ihre zweite Reise in die Demokratische Republik Kongo: Mechthild Schreiner hatte sich vor einigen Jahren entschieden, ein Herzensprojekt ihrer verstorbenen Mutter weiterzuführen: Hilfe für bitterarme Menschen im Bistum Inongo des zentralafrikanischen Landes. Jetzt berichtet sie von ersten Erfolgen der gemeinsam mit der Pfarrgemeinde St. Cäcilia angestoßenen Projekte. Von Claudia Bechthold 

Die Armut der Menschen in der Demokratischen Republik Kongo sei unvorstellbar, sagt Mechthild Schreiner. Das Gefühl für die Menschen dort bekomme man nur, wenn man sie gesehen, erlebt habe. Und auf der anderen Seite werde einem wieder deutlich, „wie gut es uns geht, auf welch hohem Niveau wir kritisieren und meckern“. Und: „Mit europäischen Maßstäben messen darf man, was dort geschieht, nicht.“ Das verdeutlicht die Heusenstammerin an einer Geschichte, die sie von ihrer Reise mitgebracht hat. Für ein großes Fischerei-Projekt hatte man mit den Spenden aus Deutschland ein Transportboot angeschafft, das während ihres Aufenthalts in Inongo in den Dienst gestellt werden konnte. Erste „Last“ für das Boot waren Kisten einer Hilfslieferung aus der Schlossstadt – abgeschickt vor zwei Jahren. Weil die Menschen mit Ausnahme des Wasserwegs keine Möglichkeit haben, die Hilfsgüter aus der Hauptstadt Kinshasa nach Inongo zu schaffen, mussten sie warten, bis es ein geeignetes Boot gab. So lange hat man die Kisten eben aufgehoben.

Von zwei Großprojekten kann Mechthild Schreiner, die diesmal von Françoise, einer gebürtigen Französin aus Obertshausen begleitet wurde, berichten. Das eine ist das Schulprojekt, das seit inzwischen fünf Jahren läuft. Für mehr als 160 Kinder wird aus Heusenstamm das Schulgeld bezahlt – umgerechnet 25 Euro im Jahr inklusive Hefte, Stifte und Schuluniform. „Wir unterstützen damit vor allem Pygmäen, Angehörige eines Volkes, das in Kongo am Rand der Gesellschaft lebt“, erläutert Mechthild Schreiner.

Die ersten vier Jugendlichen aus dem Projekt haben jetzt ihren Abschluss gemacht, zwei von ihnen so gut, dass man ihnen jetzt den Besuch eines Internats ermöglichen will. Sie könnten eine Art Abitur erlangen und selbst Lehrer werden, wie sie es sich wünschen. „Das wäre ein Wahnsinns-Fortschritt“, sagt die Schlossstädterin, „gäbe dem Volk ein wenig Selbstvertrauen und Hoffnung“. Sie hofft, Spender dafür zu finden. 500 Euro je Schüler müssten investiert werden. Wie viel Hoffnung die Pygmäen selbst in diese Hilfe setzen, sieht man daran, dass sie jetzt ein völlig zerfallenes Schulgebäude wieder aufbauen, die benötigten Dachelemente werden aus dem Projekt finanziert.

Seit etwa fünf Jahren plant man mit Unterstützung der Diözese ein Fischerei-Projekt. „Die Menschen dort leben am Mai d"Nombe-See, der fünfmal so groß ist wie der Bodensee.“ Sie fischen regelmäßig aus selbst gebauten Booten heraus, „Piroggen“ werden die Einbäume genannt. Doch das Gefangene wird vor allem für den Eigenbedarf genutzt.

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Das soll sich nun ändern. Künftig soll im großen Stil gefischt und der Fang verkauft werden. Bislang gab es dazu keine Möglichkeiten, da es dort keinen Strom und damit keine Kühlung gibt sowie die für den Transport notwendige Infrastruktur fehlte. Fünf Jahre hat es gedauert, bis alles so weit war. Nun werden etwa 300 Fischer eine Gemeinschaft bilden und ihren Fang an einen Orden verkaufen. Die Schwestern vermarkten die Fische dann in der Hauptstadt Kinshasa.

„Wir mussten die Fischer schulen, die Fangrechte mit der Regierung aushandeln, natürlich auf ökologischer Basis, und die Fischer ausrüsten“, schildert die 60-Jährige nur einen Teil der Arbeiten, die zur Realisierung des Projekts nötig waren. Netze für die Fischer hat man gekauft, aber die Beschwerungen für die Netze haben die Menschen dort aus mit Beton gefüllten Röhren selbst gebaut. Ebenso die Schwimmer, die aus Plastik-Badeschuhen herausgestanzt werden. Und um Bäume für den Bootsbau fällen zu dürfen, musste die Forderung eines Häuptlings eingelöst werden. Weil die Bäume auf dem Boden seiner Ahnen standen, musste Wein dort ausgeschüttet werden, um die Ahnen zu besänftigen. Generatoren wurden gekauft, Eismaschinen und Tiefkühltruhen. Und eben jenes Transportboot, das die tiefgefrorenen Fische nun jeweils in einer Fünf-Tage-Reise nach Kinshasa bringt. Mit dem Geld können die Fischer dann Schulgeld für ihre Kinder bezahlen und ihre Malaria-Medikamente kaufen.

Spenden an: St. Cäcilia Kongo, „Spende Kongo“, IBAN DE67 5056 1315 0506 0010 25, BIC: GENODE51OBH.

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