Erstes Integrationsfest und neues Projekt mit Flüchtlingen

Ein Autogramm von Boateng

+
Menschen aus verschiedenen Ländern tanzen gemeinsam beim ersten Integrationsfest auf dem ehemaligen Keppler-Gelände an der Borsigstraße.

Heusenstamm - Mehr als 230 Flüchtlinge leben mittlerweile in Heusenstamm. Viele ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Menschen, die meist aus Ländern wie Syrien, Pakistan, Afghanistan, Irak und Eritrea in die Schlossstadt gekommen sind. Von Claudia Bechthold 

Jetzt haben alle gemeinsam ein erstes Integrationsfest gefeiert. Fröhlich geht es zu am Montagabend auf dem Hof des ehemaligen Kepplergeländes an der Borsigstraße. Es wird gesungen, gelacht, getanzt, gegessen und gespielt. Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern feiern das erste Integrationsfest der Stadt Heusenstamm. „Wir haben den Termin ganz bewusst so gelegt“, sagt Bürgermeister Halil Öztas. Denn der 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. Und auch die Kritik, während des Fastenmonats Ramadan zu feiern, weist Öztas, selbst Moslem, zurück: „Wir haben die Flüchtlinge gefragt. Sie waren alle begeistert und haben sich angeboten, Speisen aus ihrer Heimat zuzubereiten.“ Entsprechend groß und vielfältig ist das Speisenangebot des Festes. „Ohne Spenden hätten wir das nicht geschafft“, ergänzt der Verwaltungschef und erwähnt eine große Supermarkt-Kette.

Dann gibt es noch eine Überraschung für den fünf Jahre alten Arshia. Der Junge kam mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Heusenstamm. Arshia ist großer Fußball-Fan und jubelt für das deutsche Team. Also überreichen ihm der Bürgermeister und der Seligenstädter Unternehmer Martin Wurzel, der das Gelände des Keppler-Verlags gekauft hat, ein von allen Spielern signiertes Trikot und ein Extra-Autogramm von Jerome Boateng. Arshia ist nämlich auf dem Titelbild der ersten Zeitung des Projekts „Miteinander“, das der ehemalige TV-Journalist Dr. Franz Zink initiiert hat. Er habe, berichtet er, per Zufall Mashal Sanjeeda kennen gelernt, der vor seiner Flucht in Afghanistan als Radio- und Fernsehjournalist tätig war. Und da sei die Idee entstanden, etwas gemeinsam zu machen.

Mit sehr viel Unterstützung von allen Seiten, schwärmt Zink, habe man recht schnell Räume und vor allem Ausstattung erhalten, um eine Redaktion gründen zu können. Die erste acht Seiten starke Ausgabe von „Miteinander – Voice of refugees“ (Stimme der Flüchtlinge) liegt nun vor. Darin schreiben Flüchtlinge über ihre Geschichten und ihre Empfindungen. Ahmad Jami etwa beschreibt sein Glück, seinen fünf Jahre alten Sohn Arshia während des Bahnhofsfestes mit dem Wasser im Brunnen spielen zu sehen, ohne Angst um das Kind haben zu müssen. Sara Iqbal aus dem pakistanischen Karatschi berichtet von der Begegnung mit Annie Janz, die vor mehr als 70 jahren selbst ein Flüchtling war. Und Solomon Amanuel schildert einen Teil seiner Flucht aus Eritrea.

Erstes Integrationsfest in Heusenstamm: Bilder

Die Zeitung wird heute an alle Haushalte verteilt. Im Internet findet man sie unter www.miteinander-voice-of-refugees.de. Jeder habe Vorurteile, sagt Halil Öztas. Aber diese seien schnell beseitigt, wenn man einander kennen lerne. Das sei eines der Ziele des Projekts „Miteinander“. Es gehe aber auch darum, zu zeigen. dass viele hochqualifizierte Menschen nach Deutschland geflüchtet sind. Und wenn diese bleiben können, sei das Projekt so etwa wie eine Vorbereitung. Er weist noch auf das Spendenkonto der Awo Kreis Offenbach hin (DE54 5055 0020 0000 016446).

Kommentare