Auf dem Schlossplatz präsentieren sich glanzvolle Oldtimer ebenso wie ihre stolzen Besitzer

Große Herzen für alte Autos

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Die hübschen Autos aus längst vergangenen Zeiten wurden von den Besuchern groß bestaunt.

Heusenstamm - Der Schlosshof bietet regelmäßig einen beeindruckenden Anblick. Diesmal locken unzählige Klassiker Besucher zusätzlich dort hin: über amerikanische Muscle-Cars und Käfer bis zu alten Porsche-Modellen oder Kawasaki. Von Yvonne Fitzenberger 

Alle reihen sie sich ein, um von ihren Besitzern präsentiert und von anderen bestaunt zu werden. Es steckt sehr viel Liebe, Geld und Zeit in den Wagen, das wird schnell klar. Mit stolzen Blick und röhrenden Motoren fährt ein Oldtimer nach dem anderen in den Hof. In Windeseile ist der Platz so gefüllt, sodass sich die Reihen der Schätze bis zum Bannturm und um das Hintere Schlösschen verlängern. Es ist kaum zu glauben, was sich vor Ort versammelt. Ein alter VW-Käfer steht zwischen einem Chevrolet Bel Air und einem Porsche Turbo. Gegenüber fährt eine Harley-Davidson vor. Bei jedem Prachtstück, das neu dazu stößt, drehen sich alle Köpfe hinterher und das Staunen geht weiter. So unterschiedlich die Autos, so unterschiedlich sind auch die Besitzer. Von älteren Herren, die ihr Sammlerstück seit Jahrzehnten hegen und pflegen, über Erwachsene, die sich einen Kindheitstraum erfüllen, bis hin zu jungen Männern, die den Kult um die Klassiker verstehen. Und die Schlange der Autos in den Schlosshof reißt selbst dann nicht ab, als es anfängt zu regnen.

Dabei kommt die Frage auf, wie teuer dieses Hobby ist. „Das Pferd meiner Tochter ist teurer“, scherzt der Besitzer eines Chevrolet Bel Air. „Jedes Hobby kostet Geld. Ob ich nun 300 Euro für einen Tennisschläger ausgebe oder einmal im Jahr für Versicherung und Steuer macht keinen Unterschied.“ Sein Bel Air ist etwa 60 Jahre alt und seit zehn Jahren in seinem Besitz. Es sei nicht sein Traumwagen. „Aber er kommt schon sehr nahe dran.“ Rund 50.000 Euro habe er für den Chevy ausgegeben. Nach oben seien allerdings keine Grenzen gesetzt. Denn in den neu anmutenden Autos steckten sehr viel Geld und Arbeit. Um den Oldtimer in einwandfreien Zustand zu halten, müsse er entsprechend gepflegt werden. „Die Ersatzteile sind gar nicht so teuer. Es gibt viele Händler, die sich auf amerikanische Muscle-Cars spezialisiert haben. Bei anderen Autos, wie Porsche oder Mercedes, sieht es ganz anders aus“, erzählt der Chevrolet-Besitzer.

Oldtimer-Treffen in Heusenstamm: Bilder

Außerdem seien die Wagen eine gute Wertanlage. So könne der Wert eines Autos in wenigen Jahren einen Gewinn von mehr als 400 Prozent bringen. Daher würden die meisten Sammler ihre Lieblinge nicht verkaufen. „Es ist inzwischen schwer, einen gut erhaltenen Oldtimer zu finden. Den verkauft kaum einer.“ Aber nicht nur aufgrund des Preises. Man könne nur schwer auf ein Hobby verzichten. Und genau das ist das Halten eines Oldtimers für die Besitzer. Man kümmere sich um das Auto, wie ein Musiker um sein Instrument. Es brauche Aufmerksamkeit wie ein Pferd, das ausgeritten werden müsse. „Verkauft man sein Auto, vermisst man es doch am Ende und man kauft sich ein neues“, erzählt er weiter. Und die ganze Arbeit, die man bereits investiert habe, damit das Alte so aussieht, wie man es sich vorstellt, beginne dann von neuem.

Streift man weiter zwischen den Wagen umher, merkt man schnell, dass auch viele Erinnerungen an den Fahrzeugen hängen. „Just married“ prangt auf der Rückscheibe eines Buicks. Ein anderer Besitzer erzählt, was für Touren, zum Beispiel, nach dem Kauf seines Wagens, über den Brenner, er in seinem Muscle-Car erlebt hat. Wie könnte man seinen Oldtimer dann nicht lieben?

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