Vor 20 Jahren zur Renovierung von St. Cäcilia gegründet

Förderverein Balthasar Neumann: Gründung auf Bierdeckeln

Heusenstamm - Genau 20 Jahre ist es her, dass sich Heusenstammer zusammen getan haben, um eines der wichtigen Baudenkmäler in der Schlossstadt vor dem Verfall zu bewahren. Die Idee zur Gründung eines Fördervereins St. Cäcilia hatte Herbert Margraf, heute Ehrenvorsitzender dieser Institution. Von Claudia Bechthold

Vor 20 Jahren hat Herbert Margraf entdeckt, dass sich an den Deckengemälden in der Kirche St. Cäcilia der Putz gelockert hatte. Teile davon drohten, sich abzulösen. Damals war der frühere Schulrektor stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Gemeinde. Ihm war klar: „Da muss etwas gemacht werden.“ Und: „Das kostet richtig Geld.“ Spätabends – nach einer Sitzung der Gremien in der Pfarrgemeinde – saß man noch bei Wein oder Bier zusammen. Diese Gelegenheit nutzte Margraf für seinen Vorschlag. „Wir gründen einen Förderverein, um Spenden für die Renovierung und Restaurierung der Barockkirche sammeln zu können.“ Denn, das war ihm damals bewusst, dafür würden nicht nur Mitglieder der Gemeinde etwas spenden wollen. Die wertvolle Kirche im Zentrum des Alten Orts wäre sicher auch jenen Bürgern der Stadt eine Gabe wert, die entweder einer anderen Konfession angehörten oder gar keinen Glauben praktizierten.

Noch an diesem Abend unterschrieben die ersten „Mitglieder“ auf Bierdeckeln ihre Eintrittserklärung. Wenig später, genau am 18. März 1996, konnte der Förderverein auf Basis einer Satzung des Juristen Dr. Reinhard Spohn von etwa 30 Heusenstammerinnen und Heusenstammern gegründet werden. Vorsitzender kraft Amtes wurde Pfarrer Manfred Schmutzer. So stand es in der Satzung. Schmutzers Nachfolger Thomas Knedelhans wollte dies nicht. Dessen Begründung: Wenn er gewählt werde, nachdem er sich habe aufstellen lassen, werde er eine solche Aufgabe gern übernehmen. Aber allein wegen des Amtes einen solchen Verein leiten, das wolle er nicht. Also wurde die Satzung nach wenigen Jahren entsprechend geändert. Dem ersten Vorstand gehörten an Margraf als zweiter, geschäftsführender Vorsitzender, Gerhard Förg als Stellvertreter, Theo Murmann als Rechnungs- und Dr. Reinhard Spohn als Schriftführer. Beisitzer waren Hildegard Scherer und Jürgen Blumenberg.

Viele Jahre blieb Herbert Margraf Vorsitzender des Vereins. Die große Renovierung der Balthasar-Neumann-Kirche in den Jahren 1997 und 1998 lief mit seiner Unterstützung. Freilich konnte der Verein auch mit vielen Spenden das Gesamtprojekt nicht finanzieren. 4,5 Millionen Mark haben die Arbeiten insgesamt gekostet. Das große Glück bei diesem Projekt: Die Stadt hatte von den Grafen von Schönborn die Rechte und Pflichten übernommen, für die Kirche zu sorgen. Also wurde man beim damaligen Bürgermeister Josef Eckstein vorstellig. „Damals ging es der Stadt noch gut“, erinnert sich Herbert Margraf. Die Stadtverordneten stimmten der Renovierung zu.

Es war eine Komplett-Renovierung, innen und außen. Die Deckengemälde von Christoph Thomas Scheffler waren einer der wichtigen Schwerpunkte bei der Restaurierung. „Es handelt sich um Gemälde, die auf den trockenen Putz aufgetragen worden waren“, erläutert Margraf. Da der Putz zum Teil locker war, musste eine Klebmasse in die entstandenen Hohlräume hinter dem Putz gespritzt werden, damit dieser erhalten blieb. Danach erst konnten die Bilder selbst aufgearbeitet werden.

Konzert zum Jubiläum: St.Cäcilia leuchtet

Aber auch an der Fassade waren viele Arbeiten nötig. So war schnell klar, dass die beiden Flammenvasen rechts und links des Turms nicht mehr zu retten waren. Mit dem Denkmalschutz hat man sich darauf geeinigt, Kopien der Vasen anzufertigen. Die Originale stehen, leicht nachgebessert, im Garten des Schlosses. Vor allem aber der Sandstein musste überprüft und zum Teil erneuert werden. „Der Sandstein ist ein Dauerthema, da es kein Sandstein erster Güte ist“, sagt der Ehrenvorsitzende. Das bedeutet, es gibt Einschlüsse anderer Steinarten, die sich bei Kälte anders ausdehnen als der Sandstein selbst. So entstehen Risse, es platzen Teile ab. „Erst in diesem Jahr haben wir den Sockel wieder saniert.“

Das Projekt „Restaurierung St. Cäcilia“ bescherte dem jungen Förderverein eine erste Eintrittswelle. Schon nach zwei Monaten war die 100-erMarke bei den Mitgliederzahlen überschritten. Eine zweite Welle entstand, als der Verein 2006/2007 umfirmierte. Nicht nur der Name wurde in Förderverein Balthasar Neumann geändert, auch der Vereinszweck wurde erweitert. Seitdem hilft man mit mittlerweile mehr als 300 Mitgliedern allen katholischen Einrichtungen in der Schlossstadt. Eines der größeren Projekte war dabei der Turm und das Dach der Kirche Mariä Opferung in Rembrücken. 400.000 Euro hat der Verein inzwischen ausgegeben.

Seit 1999 gibt es mehrfach im Jahr Konzerte, meist in St. Cäcilia. „Wir wollten den Spendern damit etwas zurückgeben“, betont der 76 Jahre alte Gründer. Inzwischen allerdings spielen die Konzerte auch eine Rolle, um Spenden zu erhalten. Ausflüge zählen zudem zu den Aktivitäten. Denn es stehen wieder größere Projekte an. Die Orgel in Mariä Opferung müsse renoviert werden. Und jene in Maria Himmelskron sei, laut einem Gutachter, nicht mehr zu retten, muss also ersetzt werden. Herbert Margraf selbst blickt zufrieden auf die 20 Jahre zurück: „Wenn ich so ein ,Baby’ heran wachsen sehe und feststelle, dass es nun auf eigenen Beinen steht, dann erfüllt mich das mit Freude.“ -

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