Platzmangel: Öztas will zwei weitere Betreuungseinrichtungen schaffen

Kinder in den Wald schicken

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Die Schlossmühle (links am unteren Bildrand) soll bis zum nächsten Frühjahr in eine Kindertagesstätte umgebaut werden. Ein neues eingeschossiges Gebäude soll an jener Stelle (Kreis) errichtet werden, an der bis vor etwa sechs Jahren bereits ein Pavillon stand.

Heusenstamm - Der Bedarf an Plätzen zur Kinderbetreuung ist ungebrochen groß. Die Zuzüge in die Neubaugebiete an der Alten Linde und südlich der Hohebergstraße dürften eine wesentliche Ursache für noch immer lange Wartelisten sein. Von Claudia Bechthold 

Bürgermeister Halil Öztas legt nun zwei Projekte vor, mit denen er hofft, das Problem in einem knappen Jahr gelöst zu haben. Eigentlich sollten in diesen Tagen Kinder in die Schlossmühle neben dem Schönbornschen Schloss einziehen. Noch von Bürgermeister Halil Öztas’ Amtsvorgänger Peter Jakoby war der Umbau des historischen Gebäudes sowie des früheren Stalles in eine Kindertagesstätte angestoßen worden (wir berichteten). Allerdings gestaltete sich die Umsetzung des Projekts schwieriger als erwartet, sodass der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte. Vor allem die alten Treppenstufen in den ersten Stock waren ein Problem: Die Stufen waren für die Bauvorschriften in Kindertagesstätten zu hoch. Nun soll wohl eine neue Treppe mit flacheren Stufen eingebaut werden.

Doch allein mit diesen 40 Plätzen für Kinder unter drei Jahren (U3) und 25 Plätzen für Kinder über drei Jahren (Ü3) wird der bestehende Bedarf nicht gedeckt. Halil Öztas will daher einen weiteren Kindergarten bauen – direkt neben dem Schloss. Dort wo bis vor etwa sechs Jahren ein Pavillon stand – auf dem Gelände zwischen Schloss und Hammerhaus – soll nun ein neuer Flachbau errichtet werden. Zwei neue Gruppen für je 25 Ü3-Kinder könnten dort Platz finden. „Der Verein Schlosszwerge hat sich bereit erklärt, die Trägerschaft für die neue Einrichtung zu übernehmen“, betont Öztas. Die Schlosszwerge betreuen bereits im gegenüberliegenden renovierten Pavillon zwei U3-Gruppen mit insgesamt 24 Kindern als freier Träger in der Form eines Vereins.

Etwa 650.000 Euro werde der Neubau kosten, sagt der Verwaltungschef. Zudem werde der Verein Schlosszwerge von 2017 an weitere 220.000 Euro Zuschuss im Jahr erhalten. Das Geld für die Investition werde man im städtischen Haushalt aus dem Topf für Investitionen für Asylbewerber nehmen, erläutert Öztas weiter. Die dafür vorgesehenen 800.000 Euro werde man nicht benötigen, da die Zahl der Flüchtlinge nicht so stark steige, wie man zunächst erwartet hatte, und mit den inzwischen drei Gemeinschaftsunterkünften des Kreises vorerst genügend Platz vorhanden sei.

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Dennoch bleibe es dabei, dass der städtische Etat nicht so belastbar sei, führt der Bürgermeister weiter aus. Daher will er noch eine andere Idee in die Tat umsetzen, die es in anderen Kommunen schon gibt, und die mit wenigen Mitteln umsetzbar ist. Öztas möchte in Heusenstamm einen Waldkindergarten gründen. „In anderen Städten werden solche Angebote gut angenommen“, berichtet er. Daher habe er für die Trägerschaft auch die Arbeiterwohlfahrt Obertshausen angesprochen, die in der Nachbarstadt eine solche Einrichtung betreibt. Schwierig sei nur die Standort-Entscheidung.

Patershausen scheide aus wegen der zusätzlichen Belastung der Zufahrt durch den Wald, betont der Bürgermeister. Im Wald bei Martinsee lasse sich sicher ein angemessenes Plätzchen finden. Für ideal aber halte er den Wald zwischen Frankfurter Straße und Wurzelschneise. Der große Spielplatz dort werde derzeit ohnehin saniert. Eltern könnten das Gelände auch mit dem Auto gut erreichen. Und falls das Wetter einmal zu gefährlich sei, bei Gewitter oder Stürmen etwa, wolle man mit der Evangelischen Kirchengemeinde reden, ob die Kinder dort im Gemeindesaal unterschlüpfen dürfen. 20 Ü3-Kindern könnte ein Waldkindergarten Platz bieten. Und dies vergleichsweise schnell.

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