Flugsicherung will neues Verfahren für den Landeanflug testen

Flugzeuge fliegen niedriger

Heusenstamm - Eigentlich wollte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen schon seit März ein neues Anflugverfahren testen, das ein späteres Eindrehen der Flugzeuge im Landeanflug ermöglichen soll. Doch die Tests verzögerten sich. Nun soll es diese Woche losgehen. Aber damit ist Bürgermeister Halil Öztas nicht ganz einverstanden. Von Claudia Bechthold 

Es ist ein neues Verfahren, das die Deutsche Flugsicherung (DSF) in Langen unter dem Namen RNP-to-xLS testen will. Ähnlich wie beim „Segmented Approach“, dem „verschenkten Anflug“, vor etwa drei Jahren erwartet die Heusenstammer damit wieder mehr Lärm. Allerdings in Maßen, denn es sollen im Durchschnitt ein bis zwei Flieger pro Tag nach diesem neuen Verfahren landen. GBAS-Technik sei die Voraussetzung für das neue Verfahren, das da getestet werden soll. Wobei die DFS betont, dass es sich nicht um einen Probebetrieb handelt, der nach Abschluss der Phase beendet sei. Das Verfahren sei noch im Forschungsstadium. Getestet werden kann nu in Zürich, Bremen und Frankfurt, da dort die GBAS-Technik bereits vorhanden sei.

Im Unterschied zu Segmented Approach können Piloten mit diesem Verfahren auch die neue Nordwest-Landebahn nutzen. Der wichtigere Unterschied aber ist die Höhe, in der bei entsprechender Wetterlage Heusenstamm überflogen werden kann. „Während die Flugzeuge normalerweise etwa 900 Meter über dem Meeresspiegel einfliegen, können sie mit dem neuen Verfahren schon auf etwa 550 Meter über Null sein“, erläutert Bürgermeister Halil Öztas. Wie schon sein Vorgänger Peter Jakoby ist Öztas auch in der Fluglärmkommission vertreten.

Zudem sollen die Flieger nicht nur in geringerer Höhe einfliegen, sondern auch etwas südlicher der Autobahn 3. Damit kämen sie also näher an die Schlossstadt heran. Von der Fluglärmkommission hatte sich die DFS die Genehmigung geholt, das Präzisionsanflugverfahren von März bis 31. Juli testen zu dürfen. Doch der Teststart verzögerte sich. „Jetzt hat die DFS mitgeteilt, dass sie am Donnerstag, 26. Mai, mit dem Test beginnen will“, berichtet Öztas. Und wegen des verzögerten Starts werde man den Test bis Ende August fortführen, habe die DFS weiter verkündet.

Doch damit ist Öztas nicht einverstanden. „Das ist eine eigenmächtige Verlängerung des Testbetriebs“, betont er. Das halte er rechtlich für bedenklich, sagt der Jurist. Denn die Genehmigung durch die Fluglärmkommission ende am 31. Juli. Heusenstamms Bürgermeister will dies auf jeden Fall juristisch prüfen lassen. Die Bürgermeister anderer Kommunen im Kreis, die ebenfalls vom Testbetrieb betroffen sein könnten, wie Roger Winter aus Obertshausen und Jürgen Hoffmann aus Rodgau, habe er bereits informiert, berichtet Öztas.

Zur Erinnerung: Im Zusammenhang mit der Debatte über den Segmented Approach hatte sich Heusenstamm mit seinen Nachbarkommunen zusammengetan, um gemeinsam gegen den zusätzlichen Lärm zu kämpfen, der vor allem nachts und in den sogenannten Nachtrandstunden zu erwarten gewesen wäre. Das generelle Nachtflugverbot hat dies allerdings überflüssig werden lassen. So ist es auch ruhig geworden um die Bürgerinitiative, die sich damals gebildet hatte. Rembrücken könnte ebenfalls mehr Lärm abbekommen, wenn das neue Verfahren getestet wird. Aber, wie berichtet, nach DFS-Angaben bei bis zu zwei Flugzeugen am Tag.

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Für das Stadtgebiet Heusenstamm bedeute der Test, das während dieses Zeitraums mit massiven Lärmbelästigungen zu rechnen sei, betont der Verwaltungschef. Und aus diesem Grund wolle er sich bei der Deutschen Flugsicherung bei nächster Gelegenheit auch „deutlich dafür aussprechen, das Anflugverfahren „RNP-to-xLS“ nach Abschluss der Testphase nicht mehr weiter zu praktizieren“. Zumal es in Heusenstamm bis jetzt keine offizielle Lärmmess-Station gebe, Und auch ohne diese Testflüge sei schon jetzt bereits eine merkliche Zunahme des Lärmpegels zu verzeichnen: „Wir müssen uns rechtzeitig positionieren.“

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