Mehr Umsatz, höhere Personalkosten

TSV Heusenstamm: Mammutprojekt Mitgliedsbeiträge

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TSV-Vorsitzender Carsten Müller (von links) begrüßte bei der Versammlung auch den Sportkreisvorsitzenden Peter Dinkel. Zum Vereinsvorstand zählen ferner die Stellvertreter Gundi Wilz, Eugen Kern, Lisa Miny und Kurt Kerckow sowie der neugewählte Vorstand Finanzen, Evelyn Ihmann.

Heusenstamm - Die Turn- und Sportvereinigung Heusenstamm ist der drittgrößte Sportverein im Kreis - und wächst weiterhin. Das freut den Vorstand, bereitet ihm aber auch Kopfzerbrechen. So sollen die Beiträge der Abteilungen angepasst werden - ein heikles Unterfangen. Von Michael Prochnow 

Die Angleichung der Mitgliedsbeiträge ist ein großes Thema bei der TSV. Dies unterstrich die Jahresversammlung. Der Vorstand stellte fest, dass von den zwölf Abteilungen und vom Hauptverein insgesamt 70 verschiedene Beträge eingezogen werden. Das liege an den unterschiedlichen Kosten, die bei den Sportarten oder im Blasorchester entstehen, erläuterte der Vorsitzende Carsten Müller. „Jede Abteilung versucht, kostendeckend zu arbeiten.“ Bei einer Anpassung von 14 Kassen würden die meisten Gruppen ein Defizit verbuchen oder mehr Geld einfordern als notwendig. Dennoch wolle das Führungsgremium das „Mammutprojekt“ vorantreiben, betonte Müller, „wir arbeiten daran“.

Bei Babyschwimmen, Turnern und der Abteilung Dance Academy gibt es Sonderkurse über feste Zeiträume, für die eine eigene Gebühr erhoben wird. „Der Zuwachs auf diesen Feldern ist extrem“, resümierte Müller. Das Plus verursache aber auch deutlich gestiegene Personalkosten. Die TSV hat einen Umsatz von fast 600.000 Euro, 8000 mehr als vor einem Jahr. Dieser Betrag entspricht den Mehrkosten für die Miete der Sportanlagen, die von der Stadt erhöht worden sei, so Müller. Mit diesen Zahlen ist fortan Evelyn Ihmann betraut. Die Steuerfachangestellte wurde von der Versammlung zum neuen Vorstand Finanzen gewählt. Zusätzliche Kräfte gibt es in der Verwaltung. 260.000 Euro gibt die TSV für Trainer und Übungsleiter aus. Der Gesamtverein wies darum ein – laut Müller – verkraftbares Minus von 11.000 Euro aus.

Per Antrag änderten die Mitglieder – 51 kamen in 2015 dazu – einen Passus in der Satzung. Demnach darf der Vorstand Aufwandsentschädigungen zahlen, die Höhe bestimmt die Mitgliederversammlung. Der Betrag soll die steuerliche Freibetragsgrenze für ehrenamtliches Engagement, derzeit 720 Euro im Jahr, nicht überschreiten.

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Änderungen gibt es auch auf sportlicher Ebene. Müller verwies darauf, dass in Heusenstamm wieder Leistungsturnen für Männer angeboten wird. Die Trainingsstätte der Kampfsportler am Weiskircher Weg wurde aufgegeben, Taekwondo und Kickboxen trennte sich von den Judoka und formierte eine eigene Abteilung - alle trainieren aber im Obergeschoss des Soccer Centers. Auch einige Flüchtlinge üben sich jetzt in Judo, Schwimmen und Fußballspielen. Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel betonte, dass die Politik den Vereinen „permanent Knüppel zwischen die Beine wirft“. Es es sei immer mehr Verwaltungsaufwand nötig. „Sport muss zur Pflichtaufgabe der Kommunen werden und darf keine freiwillige Leistung bleiben“, argumentierte Dinkel.

Sport erwirtschafte jährlich 22 Milliarden Euro Steuergelder, die Ausgaben lägen aber nur zwischen neun und zehn Milliarden. „Was passiert mit der Differenz?“, fragte Dinkel. Berechne man die ehrenamtlich geleisteten Stunden in deutschen Sportvereinen mit dem Mindestlohn, müssten rund 40 Milliarden Euro gezahlt werden. Die Ehrenamtlichen übernähmen eine „riesige Verantwortung im sozialen Bereich, aber viele Vereine müssen ums Überleben kämpfen, weil der Breitensport nicht so ernst genommen wird“, klagte Dinkel, „alles guckt nach Rio“.

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