Wie der Nachwuchs aus Putzlappen Wasserbomben bastelt

Die kreative Monarchie bei den Ferienspielen

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Noch trocken, später aber eine Erfrischung wie im Fluge: Wasserbomben-Bau bei den Ferienspielen.

Heusenstamm - Noch lieber als zu Schulzeiten eroberten Mädchen und Jungen in den Sommerferien die Kinderburg der Schlossstadt. Drei Wochen wurden sie im jüngsten Hort Heusenstamms fürstlich verwöhnt, speisten wie gekrönte Häupter und spielten wie die Prinzen. Von Michael Prochnow 

Die Betreuer brachten viele Ideen mit. Es müssen Nudeln sein. Spaghetti mit Tomatensoße. Der Duft der italienischen Leckerei, mit der Erwachsene beim Nachwuchs nie etwas verkehrt machen, liegt in der Luft. Die Tür zur Küche im Erdgeschoss des ausrangierten Fernmeldezeugamtes steht offen, Frauen und Männer mit weißen Schürzen und echten Koch-Mützen stehen vor dampfenden Töpfen. „Die Speisen werden von einer Großküche angeliefert“, erklärt Erzieherin Melanie Stumpe, in der Einrichtung an der Philipp-Reis-Straße müssen sie dann nur noch gewärmt werden. Im Flur zwischen den beiden Trakten hängen Jungs mit einem Betreuer über einem Tischfußball, stoßweise ist das Geklacker des kleinen Balls zu vernehmen und parallel dazu Jubelschreie und Verwünschungen der Spieler. Viel gesitteter geht es da im großen Bastelraum um die Ecke zu. An einem mit kunterbuntem Material übersätem Tisch sitzen fünf junge Damen auf ihren extra hohen Stühlen. Die Runde vermittelt trotz des Gewusels auf der Tischplatte eine gewisse Ordnung und Ruhe.

Die kleinen Künstlerinnen schnippeln mit stoischer Gelassenheit farbige Putzlappen in Streifen. Wozu? - „Das werden Wasserbomben!“, lautet die so wahrheitsgemäße wie erstaunliche Antwort. Die Kreativen erkennen den erstaunten Blick des Gastes und setzen zu einer Erklärung an: „Die Streifen werden dann mit einem Gummiband zusammengebunden.“ Klar, dann werden die Wurfgeschosse in Wasser getaucht und in Richtung des Gegners geschleudert. Es ist natürlich ein Vorurteil, dass nur Mädels die Ruhe weg haben. Im Saal gegenüber präsentiert Rafael sein Talent. Dort haben sie die Meisterschaft im Bauen von Kartenhäusern ausgetragen, und höher hinaus als der Achtjährige ist keiner gekommen: Sieben Etagen baut er konzentriert und bedächtig aus Pik, Karo, Herz, Kreuz.

Bilder: „Jahrmarkt“  bei den Ferienspielen in Seligenstadt

Die Wände zieren weitere Ergebnisse des Programms in der Kinderburg. Da hängen zum Beispiel Schallplattenuhren, Zeiger über beklebtem Vinyl. Die Girls haben Geldbörsen fürs Taschengeld gefaltet, stabil aus einstigen Tetra-Verpackungen. Kreativ-Recycling. Auf Zeichenblock-Papier haben sie Buchstaben abgeklebt, meistens die ihrer Vornamen, und mit Wasserfarben drüber gemalt, dann das Kreppband entfernt. Dann haben sie Perlen platt gebügelt und zu modisch interessanten Ketten aufgereiht.

Einmal kamen Erzieher und Sozialarbeiter vom Juz, mit Schnurrbärten, Sonnenbrillen und Kochmützen bis zur Unkenntlichkeit verkleidet. Sie unterrichteten die „Ritter“ und „Burgfräulein“ in der Küche, wie köstliche Cocktails entstehen. Ausflüge führten mit Inlinern bis zum Bolzplatz, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Maisfeld-Labyrinth bei Dreieich und ins Depot des Museums für Kommunikation auf dem selben Gelände. Und zum Finale der letzten Ferienspiel-Woche gingen alle 30 Kinder auch noch gemeinsam auf eine spannende Schatzsuche.

Bilder zu den Ferienspielen 2016 in Hainburg

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