Im Horst-Schmidt-Haus werden Menschen mit Demenz betreut

Mit den Augen der Erkrankten

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Bewohnerinnen des Seniorenzentrums demonstrierten, wie sie Blumengestecke basteln.

Heusenstamm - Das Team um Leiterin Roza Bering ist sehr aktiv. Regelmäßig organisieren sie öffentliche Veranstaltungen im Horst-Schmidt-Haus der Arbeiterwohlfahrt an der Herderstraße. Der „Tag der offenen Tür“ hat dabei schon Tradition. Diesmal lag der Schwerpunkt beim Thema Demenz. Von Claudia Bechthold

Es geht um die Frage, ob ständige Harmonie sein muss, erläutert Emilia Cichos, als Sozialpädagogin im Horst-Schmidt-Haus zuständig für die Beratung und Fortbildung der Mitarbeiter im Pflegedienst. Nein, laute die Erkenntnis, man muss in der Pflege an Demenz Erkrankter nicht ständig nach Harmonie suchen. Viel mehr gehe es darum, sich auf die Patienten einzulassen, ihre Persönlichkeit zu respektieren, zu akzeptieren sowie zu versuchen, die Pflege aus ihren Augen zu sehen. Und das gelte auch für die Betreuung von Demenz-Patienten zu Hause.

Dazu sei es wichtig, die Biografie der Betroffenen kennen zu lernen. „Wir müssen wissen, worauf die Person in ihrem Leben Wert gelegt hat, was sie mochte, was nicht.“ Die Betreuung müsse viel individueller sein. Als Beispiel nennt Emilia Cichos, die Musik: „Wenn wir wissen, der Erkrankte hat sein Leben lang gern Jazz gehört, dann kann diese Musik vielleicht genutzt werden, um denjenigen in einer schwierigen Situation zu beruhigen.“

Und schwierige Situationen gibt es genug im Umgang mit Demenz-Erkrankten. Denn schon die Krankheit selbst mache den Betroffenen Angst. Wenn das Vergessen dann so weit fortgeschritten ist, dass sie nicht mehr einordnen können, was gerade mit ihnen geschieht – etwa beim morgendlichen Waschen, löse das zusätzlich immer wieder Ängste aus. Starke Stimmungsschwankungen gehören ohnehin zum Krankheitsbild. Cichos: „Es ist sicher schwierig, sich in andere hinein zu versetzen. Aber man kann versuchen, nachzuempfinden, was in einem passiert, wenn man Vertrautes nicht mehr erkennt.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei es, authentisch zu bleiben im Umgang mit den Bewohnern, führt Emilia Cichos weiter aus. „Man darf seine eigenen Gefühle nicht verstellen, sondern sollte sie zeigen“, erläutert sie.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Es ist ein kleiner Paragraph, der die Betreuung Demenzkranker tatsächlich sehr erleichtert hat, ergänzt Roza Bering, Leiterin des Horst-Schmidt-Hauses der Arbeiterwohlfahrt. Seit Anfang 2015 dürfen in stationären Pflegeeinrichtungen zusätzliche Kräfte eingestellt werden, die zwar dafür qualifiziert sind, aber keinen Pflegeberuf gelernt haben müssen. „Wir konnten danach 6,5 zusätzliche Stellen schaffen“, betont sie. Insgesamt werden 131 Menschen in der Einrichtung an der Herderstraße betreut, etwa die Hälfte leidet an Demenz.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst hatte der Tag der offenen Tür am Sonntag begonnen. Danach gab es Führungen, Bewohner zeigten, womit sie sich beschäftigen, und man konnte sich auch mal den Blutdruck messen lassen. Mit einem eindrucksvollen Buffet demonstrierte zudem die Küche den Besuchern ihre Leistungsfähigkeit.

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