Dichtung und Wahrheit bei der Rembrücker Kerb

Die Antwort auf die K-Frage

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Kein Leichtgewicht, so ein Kerbbaum samt Kerbborsch. Und vor allem eine schwerwiegende Verantwortung für die Träger. Die Karussell-Fraktion hat‘s da schon einfacher.

Heusenstamm - „Die Kerb ist ja wohl weit und breit für jeden Ort ‘ne tolle Zeit.“ Rembrücken lebt das freilich in besonderer Weise, dort liegt die Feier der Kirchweih allein in den Händen des Turnvereins.

Wer geglaubt hatte, der neue Bürgermeister verstehe nichts von Dichtkunst, durfte sich am Samstag vor der Alten Schule selbst ein Bild machen. „Da ist was los, da steppt der Bär, wär’ auch schlimm, wenn’s anders wär’“, reimte Bürgermeister Halil Öztas zur Eröffnung der Rembrücker Kerb. Für „alle Sorten Leute gibt’s jede Menge Kerbe-Freude“: Die kleine Berg- und Tal-Bahn, zum Beispiel, das Enten-Angeln und der Süßwarenstand lassen bis heute Abend Kinderherzen höher schlagen. Für die „Großen“ war der Einmarsch mit Kerbborsch am Kerbbaum die Attraktion.

Das Blasorchester des befreundeten Vereins Jügesheimer Sport und Kultur (JSK) unter Leitung von Nicolas Schramm begleitete die starken Männer von der Alte-Herren-Abteilung der Fußballer, die den fast zehn Meter langen, weißen Stamm mit dem Herrscher auf einem Stuhl durch den Ort schleppten. Vom Feuerwehrhaus an der Obertshäuser Straße ging’s durch den Marienweg, in Friedhof- und Hauptstraße zum Rummelplatz. Dort wurden die Musiker in rot-weißen und die Kicker in den knallroten T-Shirts bereits vom TVR-Vorsitzenden Albert Subtil erwartet.

Blickte der Borsch bisher in den strahlend blauen Himmel, wurde er nun zu Boden gedreht. Damit er von seinem Hoch-Sitz aus auch über die Kerb schauen kann. Über eine Art Schuhlöffel, Stangen und Seil wurde der Baum in die Öffnung vorm Schulhaus gedrückt und mit Keilen befestigt.

„Bin das zweite Jahr schon dabei“, stellte sich Öztas vor. „Nach Peters Kerb-Rente wurde ganz wild spekuliert, wer nun als Chef die Kerb anführt. Auch gab’s viel Getratsche und Geschnatter – gestatten, hier bin ich, Halil - Kerbvadder!“ Wenn das mal keine Amtsanmaßung war. Allein: Wer in diesem Jahr mit dem Zylinder des Vadders den Borsch beerdigen wird, das wahren die TV-Oberen noch als Geheimnis.

Rembrücker Kerb

Der Bürgermeister wandte sich dem „heikelsten Thema“ zu, „der viel gestellten Kanalfrage: Ein Aufschrei ging durch Rembrücken, die Feuerwehr musste sich viel bücken, um abzusaugen das viele Wasser, denn die Wände im Keller wurden immer blasser“, berichtete er. „War’s der Kanal oder die vielen Regenschauer?“ Wie auch immer, jetzt werde eine neue Hebeanlage eingebaut und regelmäßig gewartet, versprach der Neue. Auch die Sanierung der Trinkwasserleitung und die Versorgung mit Lebensmitteln griff er auf, die Abwehr des TVR gegenüber einer Fusion mit der TSV und den Abschied von Kerbmacher Lothar Subtil.

Dann ging’s vergnügter zu. Am Abend begeisterten die acht einstigen Fußballer und heutigen Musiker aus Rodgau und Rembrücken unter dem Namen Doppel-(S)Pass mit kleinen Instrumenten. Gestern servierten die Helfer aus allen sechs Abteilungen des TVR Weißwurst und Brezel zum Frühschoppen, dazu brutzelten sie am Grill. Insbesondere die Frauen bewährten sich als Kuchenbäcker und Tortenkünstler. (M.)

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