Kita-Kinder dürfen bei Landwirt Wöhl pflanzen und ernten

Wo kommen Kartoffeln her?

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Genau zeigt Landwirt Markus Wöhl den Kindern aus dem Haus Murmel, wie sie die Kartoffeln eingraben müssen, damit sie später auch etwas ernten.

Heusenstamm - Wenn Landwirt Markus Wöhl im Herbst Kartoffeln erntet, dann lässt er am Feldrand die eine oder andere Reihe liegen. Denn da wachsen die Kartoffeln von Kindern. Seit etlichen Jahren schon lädt Markus Wöhl Kinder zum Kartoffelpflanzen ein. Von Barbara Scholze 

Markus Wöhl ist wahrhaft bewundernswert. Er kann Traktor fahren, mit seinen großen Händen kundig in der Erde wühlen, viel von der Natur erzählen... und Kartoffeln pflanzen. „Guten Morgen Bauer Markus“, grüßen ihn seine kleinen Gäste an diesem sonnigen Vormittag laut und euphorisch. 25 Jungen und Mädchen aus dem Kinderhaus Murmel sind gekommen, um zu lernen, wo das herstammt, was sie sonst so vielfältig auf dem Teller haben. Erdäpfel wollen sie pflanzen und irgendwann in der Zukunft dann ernten. Drei Reihen hat der Landwirt den Kindern dafür auf seinen Feldern reserviert. „Die Erde ist schön locker, da können wir heute die Kartoffeln gut einsetzen“, sagt er. Doch vor der Arbeit kommt die Instruktion. Zuerst müssen die Mini-Landwirte etwas über die Feld-Eetikette lernen. „Ihr dürft nur in den Lücken gehen und auch nur in eine Richtung, das ist wie in einer Einbahnstraße“, weist Wöhl die Gruppe an. Über die kleinen aufgehäuften Hügel zu laufen, in die später die Kartoffeln kommen, ist streng verboten. „Da geht dann alles kaputt“, sagt der Bauer.

Fünf Kindergartengruppen hat Markus Wöhl in diesem Jahr im Rahmen des beliebten „Kartoffelprojektes“ auf seinen Äckern zu Besuch. Etwa 40 Stunden Arbeit investiert er in die Lehrstunden zu Natur und Ernährung. Das sei viel Zeit, sagt er, aber ein solches Engagement sei ihm wichtig. „Die Kinder sollen etwas über Landwirtschaft erfahren, sie sollen sehen, wo ihr Essen herkommt und nicht glauben, alles wächst im Supermarkt.“

Um endlich Hand an den Acker zu legen, haben die „Murmel-Kinder“ sich in vier Gruppen eingeteilt. Eine Kartoffel darf sich jedes Kind aus einem Sack nehmen, den der Bauer mitgebracht hat. Doch zuerst müssen mit den Händen die passenden Löcher in die Erdhaufen gebohrt werden. Diese Arbeit ist den Erzieherinnen überlassen. „Ich bin zum zweiten Mal dabei und kann auch als Erwachsene immer noch viel lernen“, sagt Claudia Matl. Sobald sie eine kleine Kuhle geschaffen hat, sind die kleinen Helfer ihr dicht auf den Fersen. „Nein, ihr dürft die Kartoffeln nicht rein schmeißen, ihr müsst sie sachte in die Grube legen“, gibt Wöhl Anweisungen. „Wenn die Frucht beim Setzen kaputtgeht, wird sie schnell komplett zu Matsch und mit der Ernte im Herbst sieht es schlecht aus.“

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Sind alle Löcher besetzt, kommen die übrigen Kartoffeln in den Sack zurück. Mittlerweile ist allen ganz schön warm geworden, die ersten Jacken fliegen zu den Rucksäcken auf eine Bank neben dem Feld. Jetzt geht es an die Betrachtung der geleisteten Arbeit, mit gestrengem Blick wird geprüft, ob auch in jedem Loch eine Kartoffel liegt. Dann wird aufgehäufelt. Die Temperamente der Kinder sind dabei leicht zu erkennen. Wo der eine mit großen Bewegungen rasch die Erde zusammenfegt, fassen andere sie in aller Ruhe zu kleinen, exakten Häufchen.

„Das Kartoffelpflanzen ist eins unserer wichtigsten Projekte mit den Vorschulkindern“, sagt Erzieherin Claudia Matl. Ein großer Dank gehe an Markus Wöhl, der seine Zeit und sein Herzblut in diesen anschaulichen Natur-Unterricht investiere. Vier Termine gibt es bis zur Ernte. In etwa zwei Wochen müssen die Kinder die Erde um die eingesetzten Knollen erneut anhäufeln, das ist wichtig, damit sich möglichst viele kleine Knollen bilden. Dann dürfen sie an einer Stelle auch einen Blick wagen, um zu sehen, was sich da im Boden entwickelt. Im Sommer guckt das erste Grün aus der Erde und im Herbst geht es an die Ernte. Was sie mit ihrem Ertrag machen können, wissen die Murmel-Kinder ganz genau: Kartoffelbrei, Bratkartoffel, Chips, Pommes, Kartoffelsalat, Gratin, Klöße und Suppe. Doch bis dahin ist noch einiges an Arbeit vonnöten. „Tschüss Bauer Markus, Dankeschön und bis zum nächsten Mal“, rufen die Kinder zum Abschied.

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