Hessischen Meisterschaften im Sportzentrum Martinsee

Konzentriert und motiviert

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Svenja Krumholz von der TSV während ihrer Kür am Boden zu einer vorher festgelegten Musik mit vorgegebenen Figuren.

Heusenstamm - Die Turn- und Sportvereinigung (TSV) Heusenstamm bewährt sich als Gastgeberin für Hessens Turnerinnen, die sich in vier Wettbewerben messen.

Im Sport- und Kulturzentrum Martinsee liefen am Samstag die Hessischen Meisterschaften in der Kür an Einzelgeräten sowie für den Nachwuchs. Gestern trafen sich Mannschaften der Hessischen Landesligen I und IV. Josephine stemmt die Arme in die Hüften und geht mit gesenktem Blick auf ihre Vereinskameradinnen zu. Die Zehnjährige mit den am Kopf zusammengesteckten Zöpfen schraubt eine kleine Wasserflasche auf und trinkt ein paar Schluck. Sie ist mit ihrer Leistung am Boden nicht zufrieden, einen oder zwei Punkte mehr hatte sie sich schon erhofft. Bei Trainerin Anne Böhme auf der ersten Bank der Tribüne in der Sporthalle findet sie aufmunternde Worte.

Yalta und Carlotta strahlen. Sie sind glücklich über ihre Erfolge, stolzieren wie wandelnde Weihnachtsbäume übers Feld und präsentieren stolz ihre Medaillen: Carlotta errang zweite Plätze an Schwebebalken und am Boden, beim Springen wurde die Achtjährige Fünfte. Ihre sechs Jahre alte Freundin ist in ihrer Altersklasse ebenfalls Vize-Meisterin am Boden, außerdem im Sprung, für ihre Darbietung auf dem Balken gab’s Platz Drei. So nah liegen Freud’ und Leid beieinander. Für die Turnerinnen entscheiden Bruchteile von Sekunden über Erfolg und Niederlage.

Und trotzdem zeigen sie mit großer Konzentration und Motivation an jedem Gerät ihre hundertfach einstudierten Bewegungsabläufe. Bis zu fünfmal pro Woche üben die jungen Talente, schildert Abteilungsleiterin Silvia Lampert. Das ist möglich, weil sie in ihrer eigenen Halle auf der Ostseite der Martinsee-Anlage die Geräte stehen lassen können.

„Das Einstiegsalter ist fünf Jahre“, informiert die Sprecherin. Zwischen 20 und 30 Kinder kommen regelmäßig, Trainer Pavel Kolesnichenko, ein namhafter Profi aus Usbekistan mit der höchsten Lizenz, sichtet immer wieder die Turner. Jungs sind dabei eher selten. Die strenge Organisation der Abläufe, Disziplin, Eleganz und das Präsentieren seien wohl eher Mädchensache, analysiert Christine Hühn. Sie ist Zweite Vorsitzende des Fördervereins, der sich um Spenden und Sponsoren für die aufwendige Sportart bemüht.

„Je höher die Leistungsstufe, desto schwieriger ist es, die jungen Damen zu halten“, bedauert Mutter Hühn. Das liege an der Pubertät und am Schulunterricht bis in den Nachmittag, aber auch an Verletzungen. Ihre zwölfjährige Tochter Marlene startete im Bundeskader – und erlitt den zweiten Kreuzbandriss, ausgerechnet im Schulsport. Da haben die Eltern die Reißleine gezogen und ihr das Turnen verboten, „für Marlene ist da eine Welt zusammengebrochen“. Jetzt assistiert sie den Trainern und begleitet die Jüngeren.

„Ein Risiko gibt’s überall“, ist sich der Vater der neunjährigen Anna im Klaren. „Aber lieber turnen als nur zu Hause rumhängen.“ Sagt’s und schießt spektakuläre Fotos von seiner Tochter, die in einer Luftrolle über der Bodenmatte fliegt. Immer wieder werden Heusenstammer Gewächse wie Anna in den Landskader berufen. Dann trainieren sie zusätzlich alle vier bis acht Wochen im Leistungszentrum am Frankfurter Stadion, erläutert die Abteilungsleiterin. (M.)

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