Kroatisches Folklorefestival

Tanz nach historischem Vorbild

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Bunt und fröhlich präsentieren sich die meisten Tanzgruppen beim 25. Kroatischen Folklorefestival im Kulturzentrum Martinsee.

Heusenstamm - 19 Tanzgruppen sind beim 25. Kroatischen Folklorefestival angetreten, das im Kultur- und Sportzentrum Martinsee stattgefunden hat. Meist in Trachten, die nach historischen Vorbildern angefertigt sind, tanzen sie zu Volksweisen und Liedern. Von Michael Prochnow

Die Herren tragen weite, weiße Hosen und ebensolche Hemden, schwarze Westen und Hüte, spielen Tamburice – das sind mandolinen-artigen Saiteninstrumente – , Gitarre und Kontrabass. Die Mädchen tanzen, ebenfalls ganz in weiß, in immer neuen Kreisen, halten sich an den Händen, trippeln und hüpfen immer schneller. Gleich mehrere der 19 Gruppen im Kultur- und Sportzentrum Martinsee tragen beim kroatischen Folklorefestival die slawonische Tracht.

Volkslieder, Folkloretanz, Brauchtum – das ist für viele junge Leute ein rotes Tuch. Doch der Trend wandelt sich, glaubt Nicole Cujic. Sie wirbelt mit ihrer Gemeinschaft Dijaskorak über die Bühne. Der Name ist eine Kombination aus den Wörtern für Diaspora und Schritt. Mit ihrem Trainer Ante Smilovic haben sie eine Choreographie aus der Stadt Primosten bei Sibenik an der dalmatinischen Küste einstudiert.

Der Leiter selbst und mehre Mitglieder der Formation stammen aus dieser Region, erklärt Pater Tomislav Dukic. Drei Tanz-Teams – Kinder bis zwölf Jahre, Jugendliche bis 18 und Erwachsene – üben unter dem Dach der Kroatischen katholischen Mission Offenbach. „Jedes Jahr bereiten wir einen Auftritt aus einer anderen Region vor“, erläutert Nicole. Dazu treffen sich 30 Teenager jeden Samstag für rund vier Stunden. Zwischen acht Wochen und vier Monaten arbeiten sie an einem Auftritt, die Kostüme lassen sie in Kroatien nach historischen Vorbildern anfertigen. So haben sie bereits eine ganze Reihe Tänze im Repertoire, die von Musikern in passender Kleidung begleitet werden.

Das praktizieren die meisten der Gäste in der Martinsee-Halle so. Sie kommen aus Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Mainz, aus Duisburg, Gelsenkirchen und Essen, Stuttgart, Nürnberg, München und Berlin, präsentieren Schritt-Kombinationen und Melodien aus der Geschichte der Regionen Baranja, Posavina und Banovina im Norden, aus dem Gebiet um die Hauptstadt Zagreb, aus Dalmatien sowie aus der Herzegowina. Die meisten Tänzerinnen und Tänzer singen auch, typisch ist das fröhliche Juchzen der Frauen.

Einige Male wurde das Treffen auch schon in der Offenbacher Stadthalle gefeiert. Seit rund 30 Jahren organisiert dieses Festival die kroatische Seelsorge Deutschland, eine Institution der Bischofskonferenz mit Sitz in Frankfurt, in der Schlossstadt. Sieger gibt’s noch nicht, die Jury lobt und kritisiert, gibt konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung. Dem Gremium gehören namhafte Choreografen aus Kroatien an, Experten für Trachten und Gesang sowie erfahrene Trainer. Platzierungen und Preise folgen beim nächsten Termin im schwäbischen Filderstadt. Dijaskorak bestreitet nun an fast jedem Wochenende einen Auftritt. Im September reisen die jungen Leute nach Omis an der Adriaküste, davor pflegen sie eine Partnerschaft mit einer Gruppe in Frankreich. Und wie in fast jeder kreativen Gemeinschaft fehlt es auch bei dieser an männlichen Teilnehmern.

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