„Don Camillo und Calzone“ auf der Bannturm-Bühne

Vergnüglicher Wirte-Streit

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Vergnügen für das Publikum: die musikalische Komödie „Don Camillo und Calzone“ unter anderem mit (von links) Nicole Grundel, Klaus Endlich, Thomas Hartmann, Heide Schwab und Matthias Kilian.

Heusenstamm - Zum Kultursommer am Schloss gehören die Aufführungen örtlicher Theatergruppen einfach dazu. Sie machen einen großen Teil des Charmes aus, der das kleine Festival so erfolgreich macht. Mindestens sechs Laiengruppen gibt es in der Stadt mit knapp 19.000 Einwohnern.

Den Reigen eröffnete jetzt die Disharmonie. „Don Camillo und Calzone“ heißt das Stück, das Thomas Hartmann nach schöpferischer Pause wieder selbst zu Papier gebracht hat. Das Publikum der ausverkauften Vorstellung am Bannturm hat es ihm und den Darstellern am Ende mit begeistertem Applaus gedankt. Angelehnt an die Geschichten um Don Camillo und Peppone erfand Hartmann, Vorsitzender des Karnevalklubs Disharmonie (KKD), Nicola, einen Bruder Don Camillos, der mit Ehefrau Carlotta (Heide Schwab) und Tochter Marina in den 1950er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kommt. Unglücklich über die Arbeit im Bergwerk beschließt er, Gastwirt zu werden und eine Pizzeria zu eröffnen im kleinen Ochsenhausen, direkt gegenüber vom Wirtshaus Zum Ochsen.

Zum Vergnügen des Publikums ist das Stück um den Widerstand des Ochsenwirts gegen die Konkurrenz gewürzt mit viel Musik, vor allem Schlagern aus den 1950er und 1960er Jahren. Dazu hat Thomas Hartmann zwei Absolventinnen der Hamburg Stage School ins Boot geholt, die Heusenstammerin Nicole Grundel und deren Kollegin Claudia Wölfel.

Das Stück lebt vor allem durch eben jene Musik und die Sprüche, die Hartmann in den Text einbaut. „Heribert, kannst du nicht einmal was abnehmen?“, fragt Josefine Seitenbacher (Stefanie Acri), die Frau des Ochsenwirts, die mit Taschen beladen zum Badesee unterwegs ist. „Ich will nicht abnehmen“, antwortet Heribert (Edgar Grasmück) und singt abgewandelt Heidi Brühls Hit „Wir wollen niemals auseinander gehen, die Figur bleibt so schön“. Oder Nicola di Camillos (Thomas Hartmann) Kommentar zur Politik: „Wenn der Klügere immer nachgibt, sitzen doch nur die Dummen in der Regierung.“ Ralf Rebel als Bürgermeister und Alexandra Jäger als Oppositionschefin quittieren den Spruch.

Alles zum Kultursommer in Heusenstamm

Natürlich darf in einem solchen Stück die Liebe nicht fehlen, die sich, frei nach dem Romeo-und-Julia-Motiv, zwischen Tochter Marina di Camillo (Nicole Grundel) und Sohn Richard Seitenbacher (Timo Hartmann) entwickelt. Am Ende muss Don Camillo (Willi Seidewitz) höchstselbst aus Italien anreisen, um ein glückliches Ende herbeizuführen. Dass die das Original prägenden Dialoge mit Jesus am Kreuz bei Don Camillo und mit dem Bild der verstorbenen Mutter bei seinem Bruder nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst.

Dass eine Aufführung mit Laien nicht immer glatt geht, gehört quasi dazu. Da muss etwa Stefanie Acri spontan lachen, als Hartmann mit der eigens organisierten Vespa einen Kickstart hinlegt. Doch solche Zwischenfälle machen die Aufführung liebenswert, werden gern verziehen. Weniger schön ist, dass die Mikrofonanlage erst nach etwa 20 Minuten so im Griff ist, dass Kratzgeräusche ausbleiben, und dass mehrfach Mikrofone zu spät geöffnet werden, zum Teil erst nach mehreren Sätzen des Darstellers. Am Ende haben Thomas Hartmann und seine Mitstreiter dem Publikum wieder einen mehr als vergnüglichen Abend am Bannturm bereitet, der nur durch die ungezählten Steckmücken ein wenig gestört wurde. Das Stück soll am 10. September ein zweites Mal auf dem Kirchplatz aufgeführt werden. Vorverkauf in „Das Buch“ und bei Bäcker Fuhr. (clb)

Bilder: Operngala als Abschluss des Kultursommers

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