Brecht beim Kultursommer

Verlobt mit vier Frauen

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Allmählich neigt sich der Kultursommer am Schloss seinem Ende zu.

Heusenstamm - Allmählich neigt sich der Kultursommer am Schloss seinem Ende zu. Am kommenden Sonntag beschließt das Eva Zeidler Ensemble den Veranstaltungsreigen mit der Aufführung eines Stücks von Bertolt Brecht. Von Claudia Bechthold

Es ist die wohl einzige Komödie des berühmten Autors: Herr Puntila und sein Knecht Matti. Stühle und Kisten dienen im Evangelischen Gemeindehaus an der Leibnizstraße als Bühnenbild. „Für die Proben muss das erst einmal genügen“, sagt Markus Rückert mit einem Lächeln. Der 42-jährige Heusenstammer spielt im Brecht-Volksstück „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ die Hauptrolle und führt Regie.

Doch eine Erschwernis ist das für die Mitglieder des Eva Zeidler Ensembles nicht. Denn sie haben den „Puntila“ vor rund zwei Jahren schon einmal gespielt, damals noch als „Heusenstammer Spielleut’“. Es war das letzte Stück, in dessen Anfangsphase die Schauspielerin Eva Zeidler noch mitgewirkt hat an der Inszenierung. Diesmal übernimmt Rückert diesen Teil allein, rege unterstützt allerdings von Bernd Fischer und Claudia Löhlein. „Wir haben vor allem den Text noch einmal bearbeitet“, erläutert Rückert.

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Puntila ist ein reicher Gutsbesitzer, der allerdings dem Alkohol verfallen ist. Nüchtern lebt er das Leben eines Großgrundbesitzers, der allein wegen seines Reichtums nichts mit der Arbeiterklasse zu tun hat. Er ist streng und ungerecht im Umgang mit dem Personal. Das Befinden jener, die für ihn arbeiten, interessiert ihn nicht. Was aus ihnen wird, ist ihm egal. Und dass seine Tochter Eva standesgemäß mit einem Attaché verheiratet werden soll, versteht sich für ihn von selbst.

Doch das ändert sich schlagartig, wenn Puntila getrunken hat. Aus den Arbeitern werden plötzlich Menschen, mit denen er gern anstößt, ja denen er sich anvertraut. Dann lädt er gleich vier Frauen auf sein Gut ein, um sich mit ihnen zu verloben. Und die Hand seiner Tochter mag er nicht mehr dem schrecklichen Attaché anvertrauen, sondern viel lieber seinem (im Suff) guten Freund Matti, der als Chauffeur für ihn arbeitet. Brecht wäre aber nicht Brecht, wenn nicht doch ein wenig Gesellschaftskritik in dem Volksstück steckte.

Noch stecken die Ensemble-Mitglieder mitten in der Probenarbeit. Doch bis Sonntagabend sollte alles passen. Die Kritiken zur Aufführung vor zwei Jahren im Pfarrheim Himmelskron waren gut. Von einem „Theatergenuss“ war da vor allem die Rede. Wer daran teilhaben möchte, kommt am Sonntag, 31. Juli, um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) an den Bannturm, Im Herrgarten 3. Karten kosten im Vorverkauf (www.heusenstamm.de) zehn, an der Abendkasse zwölf Euro.

Bilder: Operngala als Abschluss des Kultursommers

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