„Herr Puntila und sein Knecht Matti“

Brillante Brecht-Aufführung

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Sophia Rose als Eva und Gregor Hafner als Knecht Matti konnten in ihren Rollen überzeugen.

Heusenstamm - Gleich zweimal schaut sich der Mann um, bevor er kleine Handzettel beim wartenden Publikum verteilt. „Vorsicht vor der Polizei“ steht darauf und: „Wir fordern die Festeinstellung aller Land- und Waldarbeiter!“

Der Mann ist Bernd Fischer, der in Bert Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ unter anderem die Rolle eines Arbeiters spielt. Doch trotz der nicht nur mit den Zetteln dokumentierten Gesellschaftskritik im Stück: Das Publikum an der Bühne am Bannturm hatte bei der Aufführung mit dem Eva Zeidler Ensemble auch viel zu lachen.  Brecht nannte den „Puntila“ ein Volksstück, ja eine Komödie. Und so kommt es im Stück immer wieder zu absurden Situationen, die man nur mit einem Lachen beantworten kann. Die Kritik des Autors beherrscht dennoch die Aufführung. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich Grenzen zwischen gesellschaftlichen Klassen nicht aufbrechen, überwinden lassen, die Menschen aus der Arbeiterklasse einfach nicht zu jenen aus den höheren Kreisen passen.

Puntila, herausragend gespielt vom auch regieführenden Markus Rückert, ist ein Gutsherr, der betrunken ein echter Menschenfreund, nüchtern aber ein Menschenfeind ist. Seinem Chauffeur Matti (Gregor Hafner), den er Knecht nennt, vertraut er betrunken sein halbes Leben an, nüchtern wirft er ihn hinaus. Puntilas Tochter Eva (glänzend Sophia Rose), soll mit einem Attaché (Wilhelm Altmann) verheiratet werden, der zwar standesgemäß, aber eigentlich ein wenig einfach strukturiert und eingebildet ist.

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Dem Eva Zeidler Ensemble ist mit dieser Aufführung einmal mehr ein großer Wurf gelungen. Nicht nur Rückert und Sophia Rose brillieren in ihren Rollen, auch Gregor Hafner als Matti und Wilhelm Altmann als nervender Attaché überzeugen. Hervorragend auch die vier Verlobten des Puntila Alexandra Rose, Tanja Pankotsch-Laudan, Suzana Curkic und Manuela Lemke. Im Vergleich zur Aufführung dieses Stücks vor zwei Jahren ist es durch Kürzungen schneller und auch ein wenig leichter geworden. Und hat doch nichts von seiner Botschaft verloren. Das Eva Zeidler Ensemble hat einmal mehr anspruchsvolles Theater ins Programm des Kultursommers gebracht und das Publikum damit bestens unterhalten. clb

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