Vögel ändern den Kurs

EVO lässt „Armaturen“ montieren

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Fast frei über dem Boden sitzt der Monteur am Helikopter, um die schwarzweißen Fähnchen am sogenannten Blitzseil der 110-KV-Leitungen anzubringen.

Heusenstamm - Hochspannungsleitungen sind gerade für große Vögel eine Gefahr. Deshalb war klar, dass etwas passieren musste, als Vogel- und Waldschützer im März im Feld bei Patershausen ein Storchennest errichtet haben. Die Energieversorgung Offenbach hat reagiert. Gestern kam ein Hubschrauber. Von Claudia Bechthold

„Ist was passiert?“ „Was ist denn hier los?“ „Gell, wegen der Hochspannungsleitung?“ Jeder Spaziergänger oder Jogger, der gestern Vormittag am Feldkreuz am Weiskircher Weg vorbei kam, staunte über den dunkelblauen Helikopter, der auf der Wiese stand. Dietmar Tinat, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Heusenstamm, ist schon ein wenig aufgeregt. Noch eine Viertelstunde, verkündet er nach einem kurzen Gespräch mit dem Piloten. Kurze Zeit später hebt der Hubschrauber tatsächlich ab. Das Fahrwerk des Fliegers verschwindet. Das ist wichtig, sagt Tinat, weil damit die Gefahr sinkt, dass sich der Helikopter bei einer Windböe in den Leitungen verfangen kann. Etwa in Höhe der Reste von Renigishausen senkt der Pilot seine Maschine ganz allmählich in Richtung der Hochspannungsleitungen. Ist er in Reichweite des sogenannten Blitzseils der Hochspannungsleitung, beginnt der auf einem am Hubschrauber befestigten Gestell sitzende Monteur mit der Arbeit.

Im März hatten Naturfreunde ein Storchennest auf dem Feld bei Patershausen errichtet. „Es gibt in der Nähe schon brütende Störche, da ist die Hoffnung berechtigt, dass vielleicht im nächsten Jahr ein Weißstorchpaar dort einzieht“, versicherte Tinat schon im März. Doch die Nähe zur 110-KV-Leitung ist für die Tiere eine Gefahr. Denn sie können die Leitungen nicht unbedingt wahrnehmen. Gestern wurde Abhilfe geschaffen. In einer gemeinsamen Aktion haben die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Heusenstamm (SDW) rund 45 Vogelschutzarmaturen auf der 110.000 Kilovoltleitung (110 kV) befestigt. „Wir engagieren uns nicht nur beim Ausbau der regenerativen Energien, sondern wollen auch zum Naturschutz in unserer Region beitragen“, sagte Heike Heim, Vorstandsvorsitzende der EVO. Das Anbringen der Schutzarmaturen kostet rund 20 000 Euro und ist von dem Regionalversorger übernommen worden.

Auf einer Länge von 550 Metern wurden die Vogelschutzarmaturen am Blitzseil der Hochspannungsleitung aufgehängt – jeweils im Abstand von 25 Metern. „Die schwarz-weißen Schutzarmaturen wirken dabei wie Warnfähnchen“, erläutert Dietmar Tinat. Wind setze die Fähnchen in Bewegung. Dadurch entstehe ein optischer Effekt, der von Vögeln, also nicht nur von Störchen, aus mehreren hundert Metern Entfernung erkannt würde, so dass die Tiere ihre Flugbahn ändern und der Stromleitung ausweichen können. „Das ist eine höchst wirksame und sinnvolle Schutzmaßnahme“, urteilte Tinat das Engagement der EVO.

Die Arbeiten selbst verlangen von den beiden Männern höchste Konzentration. So muss der Pilot den Helikopter mit größter Präzision in der Luft halten, während der Monteur aus dem Flieger heraus die Fähnchen anbringt. Die EVO hat in den vergangenen Jahren immer wieder Naturschutzprojekte umgesetzt. So hängen Nistkästen für Mauersegler am EVO-Stammsitz in Offenbach. Außerdem leben auf dem EVO-Gelände aktuell fünf Bienenvölker.

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