Margit Breen leitet die Adolf-Reichwein-Schule

Kollegin wird zur Chefin

+
Margit Breen ist neue Leiterin der Adolf-Reichwein-Schule.

Heusenstamm - Das aktuelle Schuljahr beginnt für die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) nicht nur mit neuen Schülern, sondern auch mit einer neuen Schulleiterin. Anstelle von Matthias Lippert hütet nun Margit Breen rund 500 Schüler. Und das bringt für sie ganz neue Aufgaben.

Margit Breen kommt gerade aus einer Klasse. Sie unterrichtet Englisch, aber Klassenlehrerin ist sie nicht mehr. „Ich wollte eigentlich wieder eine Klasse übernehmen“, erläutert sie. „Aber meine Kollegen rieten mir davon ab.“ Denn ihr neuer Job verlangt von der 54-Jährigen ein ganz anderes Arbeiten als bisher. Die Aufgaben sind vielfältiger geworden, muss sie doch jetzt nicht nur den Unterricht für eine einzige Klasse vorbereiten, sondern die Planung für alle Kollegen und Schüler übernehmen.

Breen stammt ursprünglich aus München, studierte aber in Wien Englisch und Biologie für das Lehramt und zusätzlich Wirtschaft. Ein ungewöhnlicher Werdegang. „Ich war nicht immer Lehrerin. Nach meinem Studium arbeitete ich im Vertrieb und Marketing.“ Zeitweise war sie Werbeleiterin in einem Unternehmen in Offenbach, bevor sie in Mutterschaftsurlaub ging.

Durch die Schulzeit ihrer beiden Söhne – inzwischen 17 und 20 Jahre alt – fand sie schließlich den Einstieg in das Lehrerleben. Zunächst unterrichtete sie an einer Frankfurter Privatschule, bevor es sie vor knapp fünf Jahren nach Heusenstamm verschlug. „Es ist ein ziemlicher Unterschied, denn eine öffentliche Schule eröffnet einem ganz andere

Möglichkeiten“, kommentiert die Wahl-Frankfurterin ihre Entscheidung.

Das aktuelle Schuljahr beginnt Breen mit drei Klassen, die sie in Englisch unterrichtet. „Bio fällt immer ein wenig hinten herunter. Es gibt überraschend wenig Englisch-Lehrer.“ Woran das liegt, weiß sie nicht. Die Leiterin unterrichtet gerne Englisch, sagt sie. Es macht ihr Spaß und lag

ihr schon immer. „An meinem vorherigen Arbeitsplatz war Englisch die Berufssprache.“ Ihre bisherige Laufbahn verleiht der Pädagogin „eine andere, wirtschaftliche Sichtweise“ auf die Dinge. Auffallend dabei ist, wie wichtig ihr Kommunikation und ein gutes Miteinander sind. „Es ist sehr wichtig, untereinander zu sprechen. Nur dann können Probleme sofort geklärt werden. Oder sie treten erst gar nicht auf. Manchmal ist Reden wichtiger als eine Statistik.“

Bilder: Abschlussfeier der Adolf-Reichwein-Schule in Heusenstamm

Damit meint sie nicht ausschließlich die Kommunikation zwischen Kollegium und Schulleitung. Auch die Kommunikation mit und unter den Schülern ist wichtig. Um das zu stärken, will Breen Projekte ihres Vorgängers weiterführen, darunter das soziale Lernen. Auch die Intensivklassen und die Integration deren Schüler stehen auf dem Plan. Änderungen hat sie ebenfalls im Kopf. Kooperationen sollen ausgebaut und die Stundenzeiten möglicherweise von 45 Minuten auf 60 oder 90 erhöht werden. Ganz oben auf der Liste steht ein Projekt, das „ich nicht alleine schaffen werde: den Ruf von Real- und Hauptschule verbessern.“ Die Englisch-Lehrerin hat den Eindruck, dass Eltern ihre Kinder auf das Gymnasium schicken – unabhängig von deren Fähigkeiten. Ganz nach dem Motto: „Probiere es lieber.“ Die Eltern scheinen Bedenken zu haben, dass Real- oder Hauptschulen wie ein Stigma an den Kindern haften würden, vermutet Breen. „Dabei sind wir eine zertifizierte Berufs- und studienorientierte Schule. Die meisten unserer Schüler besuchen nach dem Abschluss eine weiterführende Schule. Einige studieren anschließend sogar.“ Der einzige Unterschied dabei sei nur, dass die Jungen und Mädchen einen Unterricht besuchen, der ihnen mehr Zeit zum Lernen bietet und der einen höheren Wert auf ihre Eigenschaften legt.

Die Schulleiterin wünscht sich, dass der Real- und Hauptschulabschluss mehr geschätzt werden. „Jeder trägt etwas zur Gesellschaft bei. Unabhängig von seinem Beruf. Denn ein Schreiner ist genauso viel Wert wie ein Banker.“

Adolf-Reichwein-Schüler feiern Abitur 

Kommentare