Gefährliche Stoffe im Bauhof

Mehr als 50 Feuerwehrleute üben Chemie-Unfall

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In grünen Chemieschutzanzügen müssen Feuerwehrleute das Gefahrgut bergen.

Heusenstamm - Ein ungewöhnliches Szenario übten die Feuerwehren Heusenstamms rund um den städtischen Bauhof. Ziel der Übung mit verschiedenen Gefahrstoffen war, den Umgang mit selten verwendeter Ausrüstung sowie die Abläufe zu verbessern.

Jemand hat größere Mengen illegal gelagerte Gefahrstoffe auf dem Bauhof der Stadt entsorgt. Dabei wird diese Person an der Müllpresse eingeklemmt. Und einige der Behälter mit Gefahrgut sind leck geschlagen, verlieren eine größere Menge einer unbekannten Flüssigkeit. Das ist die Situation, mit der die Helfer bei ihrem Eintreffen konfrontiert sind. Ausgearbeitet haben das Szenario die Heusenstammer Feuerwehrleute Bernd Hüter und Dominik Ohlig, Fachberater Chemie für alle Kreis-Feuerwehren. 53 Aktive aus Heusenstamm und Rembrücken werden von zehn Einsatzkräften des Gefahrstoff-Messzuges des Kreises Offenbach aus Hainstadt und Neu-Isenburg unterstützt.

„Der eine Arbeitskollege hat etwas von Strahlung gesagt“, meldet ein Feuerwehrmann eilig. Doch das hat Einsatzleiter Holger Schmidkunz bereits beim Inspizieren der Unfallstelle erkannt. Neben der ersten Einschätzung der Lage muss er weitere Einsatzkräfte anfordern und die Rettungsmaßnahmen koordinieren.

Der Gefahrenstelle mit der vermuteten Strahlung nähern sich Feuerwehrleute nur sehr kurz. Für alle Fälle gibt ein Messgerät Alarm, wenn die Strahlenbelastung zu hoch ist. Die Rettung der eingeklemmten Person funktioniert zügig, sie ist ohnehin nur eine kleine Zusatzaufgabe beim Gefahrguteinsatz. Große Vorsicht gilt es bei Einsätzen mit atomaren, biologischen oder chemischen (ABC) Gefahrstoffen walten zu lassen, der Eigenschutz steht im Vordergrund.

Nicht zu unterschätzen ist bei einem Einsatz auch die Betreuung betroffener Personen vor Ort - zur Übung dargestellt von zwei Feuerwehrleuten. Gleich mehrfach versuchen die beiden zurück in den Gefahrenbereich zu laufen. Ihre Rolle als Arbeitskollegen des Verletzten nehmen sie sehr ernst. „Genauso ist das oft auch im Ernstfall“, betont Joachim Beck von der Feuerwehr Rembrücken.

Während auf dem engen Bauhof-Gelände die Dekontamination eingerichtet wird, steigen die ersten Einsatzkräfte in die klobigen grünen Schutzanzüge. Bereits das Anziehen ist nicht einfach. Gleich mehrere helfende Hände sorgen unter Zeitdruck für schnelle Einsatzbereitschaft. In den Anzügen ist es heiß, im Sommer kann sich ein unerträglicher Hitzestau ergeben. Nach einer letzten Überprüfung aller Ventile und Verschlüsse setzt sich der erste Trupp in Bewegung. Mit einer großen Kiste eilen die beiden Feuerwehrmänner zu den auslaufenden Behältern – so schnell das eben geht, wenn man in einem schweren und recht unbeweglichen Anzug steckt, der auf gar keinen Fall beschädigt werden darf.

Fotos aus Rodgau

Bilder: Feuerwehr übt Umgang mit Chemikalien

Am Ende des Bauhofs werden die Behälter mit den Chemikalien in andere Behälter gepackt, damit nicht noch mehr ins Erdreich oder die Kanalisation gelangt. Dank elektronischer Datenbanken wissen die Helfer inzwischen: UL 1789 ist Chlorwassersäure. Als alles gesichert ist, melden die beiden im Schutzanzug über Funk den Erfolg. Bevor sie aber wieder aus den Anzügen dürfen, müssen sie gründlich gereinigt – dekontaminiert – werden.

Insgesamt ist Bernd Hüter am Ende der Übung zufrieden: Die Menschen wurden gerettet, die Ausbreitung der Schadstoffe verhindert. Kritik übt er am Digitalfunk. „Weil die Kommunikation nicht ging, mussten wir ständig hin und her laufen“, beklagt er die neue Technik. Rund um den Bauhof besteht nämlich ein Funkloch. Digitalfunk läuft über Funkmasten.

pep

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