Rückstau ist einkalkuliert

Mehr als hundert Gäste bei Magistratsinfo nach Unwettern

+
Ausführlich ließen sich am Donnerstagabend Rembrücker Bürger erläutern, wie das Kanalsystem im Stadtteil gebaut ist.

Heusenstamm - Zwei Mal schon mussten viele Rembrücker Hausbesitzer in diesem Jahr gegen Wasser im Keller kämpfen. Das hat bei manchen Einwohnern für Unmut gesorgt. Unter anderem wird kritisiert, die Kanalisation in der Hubertussiedlung sei zu klein. Jetzt hat der Magistrat zu einer Informationsveranstaltung geladen. Von Claudia Bechthold 

Viel größer könne man die Kanalisation in Rembrücken gar nicht auslegen, sagt Diplom-Ingenieur Volker Hake, Fachdienstleiter für Tief- und Straßenbau bei der Stadt Heusenstamm. Denn seien die Abwasser-Rohre zu groß, werde die Fließgeschwindigkeit vor allem an jenen Tagen zu gering, an denen es nicht regnet. Die Folge seien Ablagerungen in den Rohren. Mehr als hundert Bürgern erläuterte Hake am Donnerstagabend während einer Informationsveranstaltung im Schlossrathaus wie das Kanalnetz im Stadtteil beschaffen ist. Der Magistrat der Stadt hatte dazu eingeladen, nachdem Kritik vor allem an der Größe des Kanalnetzes laut geworden war. Grund dafür waren zwei Unwetter, nach denen in vielen Häusern Wasser im Keller stand. Insgesamt 65 Liter Regen je Quadratmeter seien in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai in Rembrücken gefallen, erläuterte Hake, davon allein 40 Liter innerhalb von 90 Minuten. Ein solches Regenereignis registriere man nur alle 40 Jahre. Am Abend des 7. Juni habe man weitere 32 Liter Regen registriert, die innerhalb von zwei Stunden gefallen seien. In dieser Größenordnung regne es allen fünf Jahre.

Maßgeblich für die Größe der einzelnen Abwasser-Rohre ist laut Hake die durchschnittliche Regenwassermenge. Zum Schutz gegen Überflutungen werde der statistische Mittelwert von Regenereignissen angenommen, wie sie etwa alle fünf Jahre vorkommen. Empfehlungen, wie man sein Haus am besten gegen Wassereinbrüche schütze kann, gab der selbstständige Ingenieur Michael Reitzel den Zuhörern. Ein Rückstau im Kanalnetz sei ein geplanter Zustand, erläuterte er. Denn man müsse und könne die Kanalisation gar nicht so groß auslegen, dass sie für jedes Regenereignis ausreiche.

Zudem gerate Wasser nicht allein durch einen Rückstau in den Abwasserkanälen in Häuser, betonte der Fachmann, sondern auch durch Wände, über Kellertreppen, die Dachentwässerung, falls ein Rückstauventil an der falschen Stelle angebracht sei, oder auch über Drainagen entlang der Hausmauern. Reitzel empfiehlt grundsätzlich, ein automatisches Rückstauventil sowie eine Hebeanlage einbauen und alle halbe Jahre warten zu lassen.

Unwetter: Bilder aus der Region

Besonders häufig seien die Bewohner der Waldstraße von Überflutungen im Keller betroffen, klagte eine Frau. Ursache dafür sei die Tatsache, das dort, in direkter Nähe zur ehemaligen Kläranlage, zwei Abwasserrohre mit je 120 Zentimeter Durchmesser aufeinander zu liefen und ein Rohr mit 30 Zentimeter Durchmesser in den größeren Kanal einmünde: „Da ist es doch klar, dass sich das Wasser staut.“ Auch in der Straße Im Vogelseen habe man regelmäßig Wasser im Keller, berichtete eine andere Bürgerin und fragte, ob der Kanal dort wirklich groß genug sei.

Bürgermeister Halil Öztas, der die Veranstaltung moderierte, versprach nach rund zwei Stunden Diskussion, man werde das Kanalsystem in Rembrücken noch einmal daraufhin überprüfen, ob es ausreichend dimensioniert sei und ob man Entlastungsstellen schaffen könne. Die Hinweise der Bürger habe man notiert. Sollten Baumaßnahmen nötig sein, müsse ein solches Projekt freilich auch auf die Kosten hin betrachtet werden. Er erinnerte daran, dass im Stadtteil Rembrücken in den vergangenen Jahren rund zwei Millionen Euro in das Kanalnetz investiert worden seien.

Kommentare