Tag der offenen Tür in allen Kitas der Schlossstadt

Mehr Kinder als Plätze

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Die Eltern des sieben Wochen alten Moritz informierten sich bei Gerit Witzel (rechts), Leiterin des Kinderhauses Wiesenborn, über die Angebote der Einrichtung.

Heusenstamm - „Wir haben ein Problem!“ So könnte der Aufruf der Eltern an die Verantwortlichen der Stadt lauten. Von Burghard Wittekopf

Dieser Eindruck drängt sich förmlich auf, denn die Frage, die Eltern kleiner Kinder derzeit stark beschäftigt, ist: „Wie hoch ist die Chance, dass wir für unser Kind einen Platz in einer Kindereinrichtung erhalten?“. Um Eltern die Möglichkeit zu geben, Fragen nach der Verfügbarkeit, aber auch zu pädagogischen Inhalten direkt zu stellen, und darauf auch eine kompetente Antwort zu erhalten, öffneten alle Kindergärten in der Schlossstadt ihre Tore.

Außerhalb gewohnter Öffnungszeiten präsentieren sich an diesem Samstagnachmittag alle acht Einrichtungen zur Betreuung von Kindern. Die Resonanz war angesichts der angespannten Lage um fehlende Plätze (wir berichteten) erwartet hoch. „Bereits kurz nach der Öffnung waren unsere fünf Kollegen voll im Einsatz“, sagt Erika Cerwick, Leiterin der katholischen Kita St. Cäcilia.

Erika Cerwick: „Wir führen die Eltern durch unsere Einrichtung und beantworten ihre Fragen. Die Eltern interessieren sich sowohl für das Konzept und natürlich auch für die Umsetzung. Fragen nach der Art der Unterbringung, nach den Mahlzeiten – was wird den Kindern gereicht – und natürlich nach der Umsetzung der Konfession wurden gestellt.“ „Für viele Eltern spielt die Konfession allerdings keine Rolle, denn das Beten vor den Mahlzeiten oder die Teilnahme an religiösen Stunden ist freiwillig. Eltern können selbst entscheiden.“

Sind muslimische Kinder in der Einrichtung? Cerwick: „Ja und interessant ist, dass es gerade diesen Eltern wichtig ist, wie wir den Kindern die Religion anbieten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob wir den Kindern den katholischen Glauben nahebringen, sondern es kommt ihnen darauf an, dass ihre Kinder in einer Kita untergebracht sind, die Religion vermittelt.“

Die private Elterninitiative „Die Schlosszwerge“ ist derzeit für U3-Kinder eingerichtet. „U3 heißt Kinder unter drei Jahren“, sagt Vorstandsmitglied Jörg Recknagel. „Wir betreuen Kinder zwischen zehn Monaten und drei Jahren.“ Allerdings wird die Kita nun erweitert (wir berichteten). „Wir sind mitten in der Planung. Es werden derzeit noch einige Entscheidungen getroffen. Danach werden wir auch Plätze für Ü3-Kinder anbieten.“ Die Stadt werde die Unterkunft bauen, erläutert Anja Folkers weiter: „Danach führen wir die Räumlichkeiten in eigener Regie.“ Ein finanzielles Risiko für den Verein sieht sie nicht: „Nein, auf keinen Fall, denn der Bedarf ist ja da. Wir haben in Heusenstamm mehr Kinder als Plätze.“ Unter anderem, weil in die Neubaugebiete verstärkt junge Paaren gezogen sind, die Kinder haben.

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„Wir brauchen Sicherheit, denn sonst können wir unsere Zukunft nicht planen“, meint ein Paar mit einem drei Monate alten Kind und informiert sich über die Räumlichkeiten und die Kompetenz der Fachkräfte bei den Schlosszwergen. „Wir sind erst kürzlich nach Heusenstamm gezogen und sind beide berufstätig. Da brauchen wir dringend einen Platz für unser Kind.“

24 U3- und 100 Ü3-Plätze bietet das städtische „Kinderhaus Wiesenborn“. Sehr viele Eltern seien da gewesen, berichtet Leiterin Gerit Witzel. Die Frage nach der Verfügbarkeit sei auch ihr immer wieder gestellt worden. „In unserem Kindergarten sind Kinder aus allen Ländern“, informiert Witzel. „Wir haben auch einige Flüchtlingskinder. Aber es ist immer wieder erstaunlich wie schnell die Kinder Deutsch lernen und wie schnell sie sich integrieren.“

Die Eltern des sieben Wochen alten Moritz interessieren sich für die Verfügbarkeit der Plätze im Kinderhaus. Für sie steht allerdings der Übergang von U3 zu Ü3 und die Kompetenz des Fachpersonals im Vordergrund. Alle Eltern waren sich einig, dass der Tag der offenen Tür eine gute Möglichkeit bot, sich umfassend zu informieren. Nur wenige kritische Stimmen waren zu hören. Eine Mutter bemängelte die kurze Zeit, die zur Verfügung stand: Acht Kindergärten lassen sich nicht in drei Stunden besuchen.

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