Was ein alter Hase seinem neuen Lehrling zum Ausbildungsbeginn mit auf den Weg gibt

Ohne Pünktlichkeit geht nichts

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Vor 36 Jahren war Michael Kiefer (rechts) selbst Lehrling bei Braas. Heute bildet er dort aus – zum Beispiel seinen Schützling Fatih Kuzkaya (links). Er arbeitet derzeit im zentralen Musterversand.

Heusenstamm - Etwa 1400 junge Leute beginnen in diesen Wochen bei Firmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Offenbach ihre Ausbildung. Unsere Zeitung hatte Gelegenheit, im Dachsteinwerk der Braas GmbH einen Frischling und einen alten Hasen zu befragen. Von Bernhard Pelka 

Ausbilder Michael Kiefer und Lehrling Fatih Kuzkaya sitzen im Büro am Schreibtisch eines Kollegen. Der hat bereitwillig seinen Platz für den Chef und dessen neuen Stift geräumt, damit die zwei miteinander reden und der Presse über sich erzählen können. Das geschieht in lockerer und fast freundschaftlicher Atmosphäre. Kiefer ist seit 1980 bei Braas beschäftigt, hat sich vom 16 Jahre alten Lehrling hoch gearbeitet zum Maschinenschlosser, Industriemeister, Logistikleiter und Fachmann für Arbeitssicherheit.

Der 52-Jährige nippt an einem frischen Kaffee und lächelt bei der Frage, was ein alter Hase wie er einem Frischling wie Fatih Kuzkaya mit auf den Weg geben kann. „Es hat sich seit damals zwar Vieles geändert. Gleich geblieben sind aber Tugenden, die man unbedingt braucht im Beruf: Pünktlichkeit, Disziplin, Wertschätzung und Respekt gegenüber Kollegen. Das vermittle ich den jungen Leuten als Erstes.“

Bei Fatih Kuzkaya fällt das auf fruchtbaren Boden. „Ich möchte vorankommen“, sagt der Lehrling. Vor drei Jahren war er fertig mit der Schule. Danach begann eine Odyssee durch verschiedene Gelegenheits-Jobs. „Ich habe auf dem Bau gearbeitet, in der Zeitarbeitsfirma meines Vaters und war Staplerfahrer“, erinnert sich der junge Mann. In dieser Zeit habe er lediglich gejobbt, um Geld zu verdienen. „Jetzt weiß ich, dass es nicht um etwas Kurzfristiges geht, sondern um meine Zukunft.“

Erfahrene Kräfte wie Michael Kiefer kennen noch die Zeit, als wenige Bewerbungen ausreichten, um ans Ziel zu kommen. „Ich habe drei geschrieben. Bei allen drei Firmen hätte ich anfangen können.“ Fatih Kuzkaya hingegen musste fast 60 Schreiben verschicken, um ans Ziel zu kommen. „Ich hatte einige Gespräche, dann aber meistens Absagen.“ Jetzt ist er froh, bei Braas in den nächsten drei Jahren Fachkraft für Lagerlogistik lernen zu dürfen. „Das ist eine Firma, bei der ich weiterkommen kann. Vielleicht werde ich noch Maschinenanlagenführer.“

Geändert hat sich auch das Verhältnis Ausbilder/Auszubildender. „Was der Meister sagte, war früher Gesetz. Heute haben die Mitarbeiter viel mehr Mitspracherechte“, beschreibt Michael Kiefer die Entwicklung. Und welche Unterschiede gibt es noch? „Die Lehrlinge heute sind meistens älter, weil die Jugendlichen heute länger in der Schule bleiben. Sie haben deshalb zwar eine größere persönliche Reife als wir damals, aber man muss manche trotzdem mehr motivieren.“

Seinen neuen Schützling ermuntert Kiefer schon heute, immer wieder bereit zu sein für Fortbildungen. „Ohne geht es nicht.“ Zunächst setzt er den jungen Mann auf dem Firmengelände aber im zentralen Musterversand ein, der erst im Februar in einer eigenen Halle eröffnet worden ist. Dort verpackt der Neue die Dachsteine in Spezialkartons. Schließlich soll die Ware die Kunden in einwandfreiem Zustand erreichen.

Fast 350 Musterexemplare verlassen das Werk täglich – Prospekte, Produktdatenblatt, persönliches Anschreiben und weiteres Info-Material inklusive. Den Kunden helfen die Warensendungen bei der Entscheidung für die richtige Dachpfanne. Soll’s eine rote oder eine graue sein, mit glatter oder rauer Oberfläche? Nächste Ausbildungsstation wird das Depot sein, in dem Braas Handelsware wie Dachrinnen, Fallrohre Sturmklammern und anderes Zubehör kommissioniert.

Was muss ein erfahrener Mann wie Kiefer den jungen Leuten noch vermitteln? „Man sollte ein Vorbild sein“, antwortet Kiefer. Funktioniert das im Miteinander von Ausbilder und Stift? „Ja, absolut. Er ist mein Vorbild. Er hat viel erreicht. Gas geben will ich auch“, bestätigt Fatih Kuzkaya. Dann geht er aus dem Büro an seinen Arbeitsplatz im Musterwerk, hebt den nächsten Dachstein aus der Holzkiste, etikettiert die Ware mit dem richtigen Typenschild und verpackt sie Fachmännisch. Damit das gute Stück sicher auf Reisen zum Kunden gehen kann.

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