Der neue Alte Bahnhof wird zehn Jahre alt

Ein preisgekrönter Glücksfall

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Der neue Alte Bahnhof ist nach der Eröffnung vor zehn Jahren von den Heusenstammern sofort angenommen worden.

Heusenstamm - Bereits in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts hat die Stadt das alte Bahnhofsgebäude gekauft. Doch es dauerte noch Jahre, bis es in neuem Glanz erstrahlte. Am 1. Juni wird der Bahnhof in seiner heutigen Form zehn Jahre alt. Von Claudia Bechthold

Der Alte Bahnhof ist ein beliebter Treffpunkt. Jung und Alt kommen gern in das Lokal, das den großzügigen Platz mit Brunnen dominiert. Am 1. Juni ist es genau zehn Jahre her, dass das sanierte Gebäude seinem heutigen Zweck übergeben wurde. Das Fest, das man mit den Bürgern zur Eröffnung feierte, ist mittlerweile fester Termin im Heusenstammer Veranstaltungskalender. Der Bahnhof war immer wieder ein Thema, erinnert sich Altbürgermeister Peter Jakoby. Mindestens 15 Jahre lang habe man in der Stadt überlegt und diskutiert, was man mit dem 1898 errichteten Gebäude anfangen sollte. In den 90er Jahren hatte die Stadt ihn gekauft, eine Funktion hatte er längst nicht mehr. Etwa 400.000 Mark habe man damals bezahlt, weiß Jakoby noch. Immer wieder habe man den Bahnhof besichtigt. Vor allem die seitlich angebaute Expressgut-Halle „war sehr heruntergekommen“. Und es gab viele Ideen, was man daraus machen könnte, einen Kulturtreff zum Beispiel. Passiert ist allerdings nie etwas.

Der Magistrat eröffnete 2006 den sanierten Bahnhof mit dem Platz (von links): Klaus Burger (†), Manfred Ester, Helga Oehler, Bärbel Horn, Stadtverordnetenvorsteherin Ingrid Hennighausen, Bürgermeister Peter Jakoby, Elisabeth Ball, Heinz Dressen (†), Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu.

Bis Peter Jakoby, inzwischen zum Bürgermeister gewählt, im Jahr 2004 den Offenbacher Architekten Hans Mathis kennenlernte. „Machen Sie doch mal einen Entwurf“, habe Jakoby ihn aufgefordert, sagt Mathis. Den Platz mit einem Brunnen solle er in ein Gesamtkonzept einbeziehen. „Als ich den ersten Entwurf gesehen habe, wusste ich, dieser Architekt findet das Herz in diesem Projekt“, gerät der Altbürgermeister heute noch ins Schwärmen. Eine Markthalle mit kleinen Läden wollten sie damals aus dem Bahnhof machen. Doch das wollte der Denkmalschutz nicht akzeptieren. Der Brunnen und das Spiel mit Licht war Jakoby wichtig. Es sei ein Fehler, den viele Kommunen machten, sagt er, dass sie ihre Städte verändern wollen: „Man muss nutzen, was da ist. Wir brauchten mit dem Platz einen Kontrast zum Bahnhofsgebäude.“ Ein Landschaftsplaner wurde einbezogen. „Sie wollen was mit dem Bahnhof machen, aber Sie haben mich nicht gefragt.“ Mit diesem Satz begrüßte eines Tages der Heusenstammer Karl Wolf den Bürgermeister bei einem zufälligen Treffen im Schlossinnenhof. „Wenn ich nicht drauflege, bin ich dabei“, fügte er hinzu. Mit Karl und Hermann Wolf waren die Investoren für den Umbau gefunden.

Hans Mathis war es wichtig, den Charakter des Gebäudes zu erhalten. So behielt zum Beispiel die Expressgut-Halle ihre Rampe. „Das Lokal ist trotzdem barrierefrei“, betont Angelika Junger, die den Alten Bahnhof zur Gaststätte machte. Es gibt einen Treppenlift an der seitlichen Treppe zur Rampe. Und auch eine Toilette für Rollstuhlfahrer ist da. Etwa zwei Jahre hat der Umbau gedauert. „Hausschwamm, starker Schädlingsbefall, wir hatten eine Horrormeldung nach der anderen“, weiß Mathis noch. Aber die Wolfs haben zu ihrer Zusage gestanden und das Projekt durchgezogen. Und die Stadt hat den Platz umgestaltet, für eine Million Euro.

Bilder zum Bahnhofsfest 2016 in Heusenstamm

Inzwischen haben sich viele Vertreter anderer Kommunen das Objekt angesehen, um zu entscheiden, was sie aus ihren Bahnhöfen, die sich im Kreis gleichen, machen. Und ein anderer Architekt hat sich nicht gescheut, den Entwurf von Hans Mathis zum Vorbild zu nehmen. Das Ergebnis steht in Neu-Isenburg. Und eine Auszeichnung gab es auch. Das Areal erhielt den Preis für integrierte Stadtentwicklung.

„Das war ein Glücksfall, dass die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zusammengekommen sind“, meint Peter Jakoby. Wobei auch Peter Süß und Angelika Junger dazu gezählt werden müssen. Denn viele Gastronomen haben sich vorgestellt, um das Lokal zu übernehmen. Karl Wolf hat sich für die beiden entschieden, weil sie das richtige Konzept, die richtige Philosophie hatten. Im Mai 2005 hat Angelika Junger den Vertrag unterschrieben. Als Peter Süß vor vier Jahren starb, war es für sie keine Frage, dass sie weitermachen würden. Denn der Bahnhof ist ein Erfolgsmodell.

  • Das elfte Bahnhofsfest beginnt am Sonntag um 11.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Von 12 Uhr an gibt es Angebote zur Unterhaltung. Es spielt die Stadtkapelle, gefolgt von Rick Coleman ab 14 Uhr und den Groove Agents ab 19 Uhr. Gegen 22 Uhr beendet ein Feuerwerk das Fest.Fast zeitgleich öffnet das Sammlungsdepot des Museums für Kommunikation in der Philipp-Reis-Straße 4-8 seine Türen. Von 10 bis 17 Uhr können Stücke von der Kutsche bis zum Telefon, eine Post-Oldtimer-Schau und eine Präsentation zu 80 Jahren Fernsehen besichtigt werden. Und es gibt Rundfahrten mit einem alten Postbus.

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