Per Bus zum Spielplatz

Hiltrud Berninger schätzt als Tagesmutter die Nähe

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Petra Beißel, Sehmus Akman, Hiltrud Berninger, Vater Frank Mogler und Bürgermeister Öztas (von links) mit dem Kinderbus.

Heusenstamm - Zum großen Angebot der Kinderbetreuung zählen in der Schlossstadt schon lange die Tagesmütter. Hiltrud Berninger ist eine von ihnen. Seit Jahren betreut sie bis zu vier Kinder in ihrer eigenen Wohnung. Von Claudia Bechthold 

Niklas weint. Sein Vater Sehmus Akman ist zu einer ungewohnten Zeit völlig überraschend bei seiner Tagesmutter Hiltrud Berninger aufgetaucht. Das irritiert ihn. Jetzt will er Papas Arm nicht mehr verlassen. Jeder Versuch, ihn abzusetzen, scheitert an Niklas’ Tränen. Dabei hat der Papa ein Geschenk für die kleine Gruppe dabei. Sehmus Akman, Inhaber der in der Luftfrachtabfertigung tätigen Firma BCL Cargo-Logistik mit Sitz in Heusenstamm, hat einen sogenannten Kinderbus gespendet. Das ist ein recht großer Kinderwagen, in dem sich vier Kinder – angeschnallt – gegenüber sitzen können. Etwa 1300 Euro muss man dafür investieren. Für Hiltrud Berninger ist das Gefährt ein Segen. Bislang konnte sie nur mit drei Kindern Spaziergänge unternehmen. Ein Buggy mit einem zweiten Sitz zum Dranbauen sowie einem Brett, auf dem eines der Kinder stehen konnte, stand ihr zur Verfügung. Nun kann sie problemlos mit allen vier Kindern ins Freie. „Ich geh so gerne mit den Kindern zu den schönen Spielplätzen, zu den Weihern und zu den Brunnen“, sagt sie strahlend.

Seit sechs Jahren arbeitet sie als Tagesmutter. Die gelernte Erzieherin hat damals ihren Job in einer Kindertagesstätte gekündigt und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Zumal sich im Lauf ihres Berufslebens vieles geändert hat: „Die Kinder werden anstrengender und fordernder.“ „Ich habe Nähe zu den Kindern gesucht, das geht in einer Gruppe mit 25 Kindern gar nicht“, begründete sie diese Entscheidung, die sie „nie bereut“ hat.

In einer kleinen Gruppe mit vier Kindern könne man viel besser auf sie eingehen, schildert sie ihren Alltag. Zumal die Kleinen immer bedürftiger würden. Dennoch, leicht haben es Tagesmütter nicht. So müssen die Räume, in denen die Kinder betreut werden, bestimmte Standards erfüllen. Vom Land Hessen erhalten sie dafür einen Zuschuss in Höhe von höchstens 1500 Euro für Renovierung und Ausstattung. Auch für entsprechende Versicherungen müssen Tagesmütter selbst sorgen. „Und mit der Bezahlung liegt der Kreis Offenbach am unteren Rand“, fügt Petra Beißel, Leiterin des städtischen Familienbüros, hinzu. Über das Familienbüro werden die Tagesmütter „organisiert“. Derzeit bieten elf Frauen solche Dienste an, zwei weitere absolvieren gerade die notwendige Ausbildung.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

In Heusenstamm laufe das ganz gut, betont Hiltrud Berninger. Einmal jede Woche stelle Petra Beißel einen Raum zur Verfügung, damit sich die Tagesmütter mit den Kindern treffen können. Berninger: “So lernt man sich kennen und man kann sich auch gegenseitig vertreten.“

Der Kreis müsse die Tagesmütter mehr fördern und unterstützen, fordert auch Bürgermeister Halil Öztas. Über die Spende von Sehmus Akman zeigte sich der Verwaltungschef sehr erfreut. Derzeit sei man dabei, den städtischen Haushalt für das nächste Jahr aufzustellen, berichtet er: „Wir wollen weitere Tagesmütter mit solchen Kinderbussen ausstatten.“ Hiltrud Berninger sowie die Kinder Nele, Jannis, Johannes und Niklas freuen sich derweil auf den ersten Ausflug.

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