Verhandlung gegen früheren Elektrofachhändler erneut ausgesetzt

„Schrott“-Immobilien: Warten auf neue Gutachten

Heusenstamm - Seit knapp einem Jahr wird am Landgericht Darmstadt wegen Betrugs im Zusammenhang mit Immobilien gegen einen 69 Jahre alten Heusenstammer verhandelt. Zweimal wurde der Prozess unterbrochen. Nun ist das Verfahren erneut ausgesetzt worden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Der dritte Versuch ist gescheitert: Der am 9. November 2015 begonnene Betrugs-Prozess um einen ehemaligen Elektrofachhändler aus Heusenstamm wurde erneut abgesetzt. Diesmal ist allerdings nicht – wie bei den beiden vorherigen Versuchen – der schlechte Gesundheitszustand des 69-Jährigen Ursache der Unterbrechung, sondern die Beweisaufnahme. Angeklagt sind vor der 18. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt mehrere krumme Immobiliengeschäfte, an denen der Beschuldigte im Zeitraum zwischen Mitte 2007 und 2009 beteiligt gewesen sein soll. Am vorerst letzten Verhandlungstag wurde nun entschieden, dass der Wert dieser Grundstücke über Gutachten ermittelt werden muss. Das dauert.

Insgesamt acht Mal soll der Heusenstammer verschiedene Personen zu Kreditanträgen bei hessischen Banken angestiftet haben, um mit dem Geld den Erwerb von „Schrott“-Immobilien zu finanzieren. Das beantragte Darlehen, auf falschen Angaben zum Kaufgegenstand basierend, soll weit über dem tatsächlichen Verkehrswert der Häuser gelegen haben, was den Banken wohl nicht aufgefallen war. Dieser Umstand soll dem Elektrofachhändler bekannt und Kern des betrügerischen Plans gewesen sein. Der insgesamt entstandene Schaden für die Kreditinstitute beläuft sich auf mindestens 852.000 Euro. Gegen die Käufer wurde bereits verhandelt.

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Der Prozess stand von Anfang an auf wackligen Füßen. Wegen Herz- und Kreislaufproblemen, Angststörungen und Depressionen wollte die Verteidigung gleich zu Anfang die Einstellung des Verfahrens erreichen. Staatsanwalt David Kirkpatrick beantragte jedoch die Untersuchung eines Amtsarztes, um Klarheit über die Verhandlungsfähigkeit des älteren Herrn zu erlangen. Julia Koerlin, Ärztin für Neurologie und Psychiatrie des Kreises Offenbach, stufte den Angeklagten Ende vergangenen Jahres als bedingt verhandlungsfähig ein und empfahl, die Dauer einer Sitzung auf eineinhalb Stunden zu begrenzen. Auch diesem Umstand ist die Länge des Prozesses geschuldet. Zwischendurch wurde außerdem bei dem Angeklagten ein weiterer Klinikaufenthalt notwendig und irgendwann kam die Urlaubszeit. Verhandelt wurde nur alle drei Wochen. Ein am Anfang von der Kammer vorgeschlagenes verfahrensbeendendes Rechtsgespräch ließ der Staatsanwalt platzen.

Wann nun der vierte Versuch gestartet werden soll, steht noch nicht fest.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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