Prozess vor dem Landgericht um Streit unter Konkurrenten

Mit zwei Fleischermessern gedroht

Heusenstamm - Vor dem Landgericht Darmstadt muss sich ein Heusenstammer wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Er soll einen Nebenbuhler bei seiner Freundin erwischt und um viel Geld erleichtert haben. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Eifersucht hat schon manchen Mann zur Weißglut gebracht und sich in unüberlegten Aktionen den Weg freigewalzt. Dass man mit einer vermeintlichen Inflagranti-Situation seiner Freundin und eines Nebenbuhlers auch gleich Kasse machen kann, zeigt ein aktueller Fall vor dem Darmstädter Landgericht. Dort verhandelt derzeit die 15. Strafkammer wegen schwerer räuberischer Erpressung eines Heusenstammer Deutsch-Vietnamesen gegen einen Landsmann. Mit dem Druckmittel zweier langer Fleischermesser soll er den Bekannten in seiner Wohnung zur Leerung der Hosentaschen und Herausgabe seiner Kreditkarten-PIN-Nummern genötigt haben, um beim anschließenden Commerzbank-Besuch in der Frankfurter Straße das Konto des Kaufmännischen Angestellten um 5180 Euro zu erleichtern.

In perfekter deutscher Sprache zeigt sich der Angeklagte vor Gericht gesprächig und geständig. Allerdings weicht seine Version in einigen wesentlichen Punkten erheblich von der des Geschädigten ab. Der hatte ihn einen Tag nach der Tat, als die Scheine nicht vollständig zu ihm zurück flossen, bei der Polizei angezeigt. „Ich wollte durch die Anzeige nur erreichen, dass ich mein Geld zurück bekomme, nicht, dass er ins Gefängnis geht!“ beteuert der kaufmännische Angestellte aus Offenbach. Das könnte nun durchaus der Fall sein, denn für den Tatbestand der schweren räuberischen Erpressung sieht der Gesetzgeber eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor. Es sei denn, der Vorsitzende Richter Daniel Kästing kauft dem Heusenstammer die abenteuerliche Version des Wohltäters ab. Als solcher soll sich der vermeintliche Nebenbuhler nämlich in den frühen Morgenstunden des 24. Mai 2015 nach seiner Entdeckung entpuppt haben.

Der Angeklagte berichtet: „Ich kam früher als üblich für einen Samstag aus Frankfurt nach Hause zurück. Da standen fremde Männerschuhe im Flur und ich hörte Gickern und Lachen aus dem Wohnzimmer. Ich lugte vorsichtig in den Raum und sah meine langjährige Freundin auf dem Schoß eines Bekannten sitzen und ihn küssen. Da hab ich natürlich Rot gesehen! Ich bin in die Küche gelaufen und hab zwei Messer aus der Schublade geholt.“ Die habe er aber nur auf die Flur-Kommode gelegt und keineswegs aufs Holz geknallt oder gar den Mann damit bedroht, wie dieser behauptet. Auch seien die Klingen nicht 30 Zentimeter lang gewesen. Damit habe er den Rivalen nur zum Duell herausfordern wollen, was dieser aber ablehnte. „Daraufhin habe ich die Messer sofort wieder an ihren Platz zurück gelegt!“ beteuert der Reumütige. Stattdessen hätten sie die Lage beratschlagt. Auf die Frage, für wen sie sich entscheiden wolle, soll die zierliche und völlig verschüchterte Frau geschwiegen haben. Stattdessen soll der Offenbacher vorgeschlagen haben, für sie zu sorgen. Der Angeklagte: „Weil meine Freundin schon fast 6000 Euro für den Erwerb ihrer Fahrerlaubnis verloren hat, hab ich ihm vorgeschlagen, sie doch finanziell bei einem Autokauf zu unterstützen. Er hat eingewilligt.“ Der 43-Jährige ist wohl von seinem Verteidiger schon vorgewarnt worden, dass diese abenteuerliche Geschichte bei der Kammer gewisse Skepsis hervor rufen könnte. Deshalb legt er unumwunden nach: „In Vietnam ist es so üblich, dass sich verheiratete Männer auch wohltätig um andere Frauen kümmern.“

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Dem kann weder der Staatsanwalt noch der Richter etwas entgegen setzen. Stattdessen hinterfragt Kästing lieber die für Europäer nahe liegenderen, aber nicht weniger kuriosen Umstände: „Sie sahen also ihre Beziehung als gescheitert an und wollen ihr noch den Wunsch nach einem Auto erfüllen?“ Darauf kann der Heusenstammer keine befriedigende Antwort geben. Sie seien nach dem friedlichen Gespräch ganz normal aus der Wohnung gegangen und zur Bank gefahren, wo ihn der Rivale in völligem Einvernehmen mit vier seiner Kreditkarten Beträge zwischen 1000 und 1800 Euro abheben ließ – insgesamt besagte 5180 Euro. Weitere 10.000 Euro versprach der vermeintliche Wohltäter für einen Tag später, denn für die Freundin sollte es schon ein Neuwagen sein. Glaubwürdiger erscheint die Aussage des Geschädigten. Der spricht von einer bedrohlichen Situation, die er so noch nie erlebt habe. Die Messer soll der Angeklagte nicht nur auf die Kommode geknallt, sondern damit auch immer wieder in seine Richtung herum gefuchtelt haben. Dabei sollen folgende Worte gefallen sein: „Du weißt nicht, wer ich bin. Ich hab schon jemanden umgebracht. In Vietnam hätte man dir die Eier abgehackt!“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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