Theater-IG der Dreieichschule mit „Das Camp“

Abschied mit einer weiteren Glanzleistung

Langen - Man kann ohne Übertreibung sagen, dass es das Ende einer Ära ist: Am Dienstag und Mittwoch präsentierte die Theater-IG der Dreieichschule ihr letztes Stück unter Leitung von Thomas Sturmfels. Von Sina Gebhardt 

Düster und bedrückend, aber hervorragend gespielt: Die Theater-IG der Dreieichschule (im Bild von links Roya Hadji, Vanessa Schmaus und Mehmet Günes) brachte „Das Camp“ von Andreas Galk auf die Stadthallenbühne.

Nach 37 Jahren Aufführungsgeschichte kam mit „Das Camp“ von Andreas Galk zum Finale ein ernstes Schauspiel auf die Stadthallenbühne, dass die Seriosität von Sturmfels‘ langjähriger Arbeit unterstreicht und bei dem ein souveränes Ensemble zeigte, was es von seinem Lehrer gelernt hat, der nun im Juli in Pension geht. Düster und schwarz-in-schwarz ist das Bühnenbild, das nur spartanisch mit einigen Stühlen bestückt ist. Wir befinden uns in einem Erziehungscamp für straffällig gewordene, junge Mädchen, das von der Leiterin Miss Hudson (Roya Hadji) und ihren Aufsehern Stringer (Jakob Graf) und Franklin (Artur Berisha) mit harter Hand geführt wird. Auch unter den Mädchen herrscht ein grober Umgang, wie die 14-jährige Lucy Scott (Jessica Spelten) bei ihrem Einzug ins Camp erfahren muss. Der strenge Alltag wird jäh durchbrochen, als Cathrin Granger (Vanessa Schmaus) einen Tag vor ihrer Entlassung der Folter der Aufseher zum Opfer fällt. Ihre Schwester Geena (Tess Maurus) bricht daraufhin zusammen und die entstehende Aufregung macht sich Nicole LaVey (Valerie Krems) zunutze, um sich einer Waffe zu bemächtigen – ein Fehler, der tödliche Konsequenzen hat.

Einzelhaft, extreme physische und psychische Belastungen, Folter mit Elektroschocks: Es ist das alte Spiel von Macht und Unterwerfung, bei dem sich die Starken sadistisch am Leid der Schwachen ergötzen und ihre Position als Überlegene schamlos ausnutzen. Und diese Hackordnung zieht sich bis zum letzten Glied der Kette weiter, sodass die „Neue“ von den Älteren drangsaliert und schikaniert wird und schnell lernen muss: „Du hilfst niemandem und niemand hilft dir.“ Während der Camp-Geistliche Reverend Nicholson (Mehmet Günes) als einziger für mehr Menschlichkeit plädiert, scheinen die anderen Aufseher entgegen aller Aussagen („Wir wollen nicht vergessen, dass wir hier ein Erziehungsziel verfolgen.“) eine perfide Freude an ihrer Arbeit zu haben.

Wirkungsvolle Kunstpausen

Das zehnköpfige Ensemble zeigt sich mit seinem ruhigen, beherrschten Spiel von seiner besten Seite: Wirkungsvolle Kunstpausen, ausdrucksstarke Körpersprache und stimmungsvoll inszenierte Monologe tragen erfolgreich zur musikalisch stimmungsvoll untermalten, düsteren Atmosphäre bei. Besonders Hadji glänzt in der Rolle als Camp-Leiterin, die sich nach dem Vorfall, bei dem im Affekt sowohl der Reverend als auch LaVey erschossen werden, reumütig zeigt: „Ich bin mir sicher, es gibt andere Wege als diesen.“

Sturmfels kann mit der Leistung seiner Truppe mal wieder zufrieden sein. 401 Schüler haben im Laufe der Jahre an der Theater-IG teilgenommen, 37 abendfüllende Stücke wurden in den 37 Jahren aufgeführt, wobei der Dreieichschul-Lehrer klare Favoriten hat: „Die selbst geschriebenen Stücke waren natürlich mehr Arbeit, aber gerade die haben auch besonderen Spaß gemacht.“ Sein Lieblingsstück ist jedoch nach all den Jahren noch immer „Hexenjagd“ von Arthur Miller, das 1981 aufgeführt wurde und mit dem es zum ersten Mal auf die große Bühne in der Stadthalle ging.

Sich immer wieder auf neue Darsteller einstellen, aber auch immer wieder die Entwicklung der Schüler beobachten zu können – all das hat nun offensichtlich ein Ende. „Ich bin natürlich wehmütig, aber ich genieße auch diese letzten Auftritte“, so der Gründer und Leiter der Theater-IG. Wer sein Nachfolger werden könnte und ob es überhaupt weitergeht, sei offiziell noch nicht geregelt. Es bleibt also spannend, denn würde dieses wichtige, kulturelle Herzstück gänzlich wegfallen, wäre es ein schwerer Verlust für die Dreieichschule.

Rubriklistenbild: © Strohfeldt

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