ADFC-Abordnung in Gewinnerstädten des Fahrradklimatests

So sehen also Sieger aus

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In der Fahrrad-Metropole Münster ließen die zehn ADFC-Radler ihre Erkundungstour ausklingen. Zuvor hatten sie die Gewinnerstädte Wesel und Bocholt, je vergleichbar groß wie Langen, unter die Lupe genommen und auf der „100 Schlösser-Route“ die Seele baumeln lassen. Die runden Bilder zeigen die überdachte Fahrradabstellanlage samt Luftpumpe und einen Rad-Aufstellbereich in Bocholt.  

Langen/Egelsbach - Beim jüngsten Fahrradklimatest des ADFC hat Langen trotz Fortschritten nicht berauschend abgeschnitten.

Aus Neugier, wie vergleichbar große Siegerstädte aussehen, brach eine Delegation des hiesigen ADFC-Ortsvereins deshalb nach Wesel und Bocholt auf – und kam überaus inspiriert zurück. Der ADFC-Fahrradklimatest ist die größte Befragung zur Fahrradfreundlichkeit von Städten – mehr als 100.000 Bundesbürger gaben im Herbst 2014 ein Urteil über ihre Wohnorte ab. Langen hat zum wiederholten Mal nicht gut abgeschnitten, obwohl eine Reihe von Verbesserungen erzielt wurden, etwa neue Abstellanlagen, die Freigabe von Einbahnstraßen für Radler gegen die Einbahnrichtung, neue Schutzstreifen an Hauptstraßen und so weiter.

Der ADFC-Ortsverband wollte nun wissen, wie Sieger aussehen. Zehn Radler machten sich auf in die Siegergemeinden gleicher Größenordnung: Wesel und Bocholt. Sie fuhren per Zug nach Köln und von da mit dem Rad über Duisburg, Wesel und Bocholt nach Münster. Ein wesentlicher Unterschied zu Langen ist, dass Wesel und Bocholt über attraktive Fußgängerzonen verfügen, deren Kernbereiche sehr gut mit dem Rad erreichbar sind. Ganz anders als in Langen, wo Lutherplatz, Bahnstraße, die Traditionsinseln Wassergasse, Stadtkirche und Bachgasse nur über für Fußgänger wenig attraktive Straßen verbunden sind. Die Shoppingzone Bahnstraße ist von dichtem Auto- und Parkplatzsuchverkehr geprägt und Radler fühlen sich gerade auf der oberen Bahnstraße eher abgeschreckt.

Schon heute beträgt der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen in Bocholt rund 30 Prozent (Langen: etwa zehn Prozent). Die Kommune sieht sich als „Stadt der kurzen Wege“: Zum Beispiel werden die Siedlungen so geplant, dass Wege für Radfahrer und Fußgänger optimiert sind. Die Radverbindungen in die Stadtmitte und zu Schulen werden zum Teil als Schnellverbindungen (mit Bevorrechtigung an untergeordneten Straßen) ausgebaut.

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Ein Highlight ist die Radstation im Herzen Bocholts. Dort kann man das Rad überdacht parken oder auch während des Einkaufs reparieren lassen. Sogar eine öffentliche Luftpumpe befindet sich bei einer der Abstellanlagen. Und auch Ladestationen für E-Bikes sind vorhanden. Rund um die Innenstadt gibt es Rad- und Gehwege, über die man jeden Punkt der Stadt sicher und schnell erreichen kann. Vorreiter ist Bocholt im Bereich wichtiger Verkehrsknotenpunkte mit Aufstellbereichen, Fahrradschleusen und teilweise eigenen Ampelphasen für Radler. Ein kleiner Gag ist der „Klima-Shopper“, ein grüner Zwei-Rad-Anhänger fürs Fahrrad, den die Stadt in großer Zahl beschafft und günstig abgegeben hat. Zu den Dingen, die man spüren kann, gehört natürlich das allgemeine „Klima“: dass das Radfahren einfach zum Lebensstil der Stadt gehört.

Fazit: Das gute Abschneiden beim Fahrradklimatest resultiert aus einem Mix aus Radverkehrsanlagen und Öffentlichkeitsarbeit. Wichtig ist aber vor allem, dass sich Radler und Fußgänger in der Innenstadt und auf dem Weg dorthin sicher und wohl fühlen. Beim Runden Tisch Radverkehr regte der ADFC an, dass Verantwortliche der Stadt einen Tagestrip nach Bocholt unternehmen.

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cor

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