Alisa Casimir als Freiwilligendienstlerin in Bolivien

Neues Heim auf 4000 Metern Höhe

+
Statt nach dem Abitur erst einmal einen Strandurlaub zu verbringen, arbeitet Alisa Casimir künftig als Freiwillige in Bolivien. Sie wird ein Jahr lang Kinder zwischen einem und 14 Jahren betreuen.

Langen - Nach dem Schulabschluss erstmal ins Ausland: Diesen Traum verwirklicht sich Alisa Casimir mit einem sozialen Freiwilligendienst. „Im Moment empfinde ich eine Mischung aus Vorfreude und Bammel“, gibt Alisa Casimir zu. Von Julia Radgen

Die 18-Jährige, die gerade ihr Abitur an der Dreieichschule abgelegt hat, tauscht in wenigen Wochen ihre Heimatstadt gegen das bolivianische El Alto. Die Stadt mit über 840.000 Einwohnern liegt in gut 4000 Metern Höhe, bis zu Minus vier Grad kann es dieser Tage werden. Den Freiwilligendienst ermöglicht das Programm Weltwärts des Bundes. Betreut wird sie vor Ort vom Bolivianischen Kinderhilfswerk. An dem Projekt „Uniña“ wird Casimir ab Mitte August ein Jahr lang mitarbeiten. Dahinter verbirgt sich Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe für Kinder, die Mitarbeiter organisieren aber auch Sport-, Musik- und Bastelangebote oder Ausflüge. „Ich würde es mit einem Hort vergleichen“, sagt die junge Frau. Der Unterschied: Die Altersspanne. Die 20 Kinder der Gruppe sind zwischen einem und 14 Jahren alt. Während ihres Aufenthalts wohnt sie in einer Gastfamilie.

Auf Bolivien ist Casimir eher zufällig gestoßen. „Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm und wollte eigentlich nach Südafrika.“ Doch das Engagement im südamerikanischen Binnenstaat wurde schließlich zu ihrem Favoriten. „Das Projekt ist eher kleiner und wirkt familiär“, erklärt Casimir. Außerdem reize sie die Stadt El Alto. „Auf 4000 Metern Höhe leben ist mal was Anderes“. Vor ihrer Abreise beschäftigt die junge Langenerin vor allem eins: das Spendensammeln. Denn das Bundesentwicklungsministerium übernimmt nur 75 Prozent der Kosten für den Freiwilligendienst. Das bolivianische Kinderhilfswerk hat ein Viertel der Kosten selbst aufzubringen. Deshalb beteiligen die Entsendeorganisationen ihre Freiwilligen üblicherweise durch eine Spendensammlung an der Finanzierung des Einsatzes.

Für Casimir bedeutet das, dass sie 2500 Euro sammeln muss. Familie und Freunde hat sie schon gefragt, einen Stand beim Schulfest organisiert. Bisher ist erst etwas mehr als die Hälfte der Summe zusammen. „Ich werde nochmal durch Langen laufen und mein Projekt vorstellen“, sagt sie entschlossen. Ungewohnt sind neben der Lage ihres neuen Wohnorts für Casimir auch Kultur und Sprache. In Seminaren werden die Freiwilligen auf ihren Dienst fern der Heimat vorbereitet. Was bringt die Arbeit den Einwohnern vor Ort und wie verhält man sich in ungewohnten Situationen? „Frauen haben in Bolivien keine besonders gute Stellung“, nennt Casimir einen möglichen Punkt, bei dem Deutsche anecken könnten.

Die spektakulärsten Landschaften der Welt

Unterstützen kann man Alisa Casimirs Freiwilligendienst mit Spenden an: Bolivianisches Kinderhilfswerk e.V., Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, IBAN: DE12 6115 0020 0100 8333 59, BIC: ESSLDE66XXX Verwendungszweck: Alisa Casimir, vollständige Anschrift des Spenders (falls Spendenquittung gewünscht)

Die Mentalität in Bolivien sei wesentlich konservativer als die hiesige. Auch vom deutschen Sommerwetter darf sie sich beim Kofferpacken nicht beeinflussen lassen: “Ich muss lange Sachen und Jacken einpacken.“ Sobald die Sonne verschwunden sei, werde es in der hochgelegenen Stadt kalt. Bei der Schulung erhalten die Freiwilligen auch praktische Hinweise für ihren Alltag. „Es gibt keine festen Bushaltestellen“, weiß Casimir. Wer einsteigen möchte, stelle sich auf die Straße, schreie und winke. „Das wird eine Herausforderung“, sagt die junge Frau lachend. Aber sie freut sich darauf. „Die Sprache wird aber bestimmt ein Problem“. Ein bisschen Spanisch habe sie in der Schule gelernt, das bereite aber nicht auf die bolivianischen Dialekte vor. So könnte die Nachhilfe beidseitig ausfallen.

Von 0 auf 4700 Meter - Mit dem Rennrad hinauf in die Anden

Kommentare