Quartett Who’s Mary aus Langen und Egelsbach

Band-Wettbewerb: Das sind die „Hoffnungsträger 2016“

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Mit eigener CD und „Hoffnungsträger“-Titel im Gepäck wollen Who’s Mary alias (von links) Kai Habermehl (Drums), Marvin Kornek (Gitarre/Backing Vocals), Stefan Seib-Melk (Gesang) und Marius Giel (Bass/Shouts) nun so richtig durchstarten.

Langen/Egelsbach - Freude bei den Rockern von Who’s Mary: Mit dem Sieg beim diesjährigen 14. Hanauer Newcomer-Contest „Hoffnungsträger“ hat die Band einen großen Erfolg eingefahren. Von Timo Kurth

Die vier jungen Musiker hatten sich im Vorfeld souverän ins Finale gespielt und setzten sich schließlich auf der Zeltbühne des Bürgerfestes gegen sieben weitere Bands und Solokünstler durch. „War ein geiler Abend, das Finale“, blickt Schlagzeuger Kai Habermehl zurück. Auch sonst liegt ein ereignisreiches Dreivierteljahr hinter der vierköpfigen Truppe aus Langen und Egelsbach. Nach der ersten veröffentlichten EP „Bold & Rooted“ Anfang 2016 ging es mit ihren Alternative-Rock-Songs auf eine kurze Tournee quer durch die Republik. Jeweils zur Hälfte stammt das Quartett aus Langen und Egelsbach. „Der erste Gig unter dem Namen Who’s Mary war 2009 im Parrehof auf der Elschbächer Kerb“, erinnert sich Sänger Stefan Seib-Melk lachend. „Damals allerdings mit einer komplett anderen Besetzung und ohne eigenes Programm – nur Cover“, fügt Habermehl hinzu. Die eigentliche Gründung datieren die Musiker ein wenig später: 2010 stand die Formation erstmals in der heutigen Besetzung und mit eigenen Songs auf der Bühne. Seitdem ist einiges passiert, die Band reifte und wandelte ihren Sound ständig neu.

„Unsere Songs entstehen einfach so während der gemeinsamen Proben“, erzählt Seib-Melk im Proberaum unter dem Sportzentrum Nord. „Manchmal ein Riff, manchmal eine Melodie oder auch nur eine einzige Textzeile geben den Ausschlag. Um die wird danach alles gesponnen“, fügt Gitarrist Marvin Kornek hinzu. Ein interaktives Songwriting-Konzept, das sich bewährt hat. Die Gewinner des Hoffnungsträger-Preises vermochten immerhin eine achtköpfige Jury zu überzeugen. „Das war einer der Hauptgründe für unsere Teilnahme“, sagt Kornek. Denn: „Bei vielen anderen Wettbewerben entscheidet das Publikum – dann gewinnt natürlich die Band, die die meisten Leute zum Konzert mitbringt“, fügt Seib-Melk hinzu. Die Jury bestand aus „Musikgrößen“ der Hanauer Region. Gekannt hat die Band von diesen freilich niemanden. „Vorschusslorbeeren gab’s also keine“, so die Musiker.

Den Grundstein für den Erfolg in Hanau legte die Band sicherlich mit der Veröffentlichung ihrer ersten CD. Ihre Musik beschreiben sie im weitesten Sinne als Alternative Rock. Ein Ausschnitt ihres Repertoires ist bereits seit März auf der EP „Bold & Rooted“ sowohl analog als auch über alle gängigen Musikdienste zu hören. Die Platte lässt sich schwer einordnen. Ruhige, melancholische Melodien wechseln sich mit harten Gitarrenriffs und wilden Soli ab. Auch Shout-Gesang, eine Gesangstechnik bekannt aus dem Metal-Bereich, erklingt auf der EP. „Wir machen einfach unser Ding“, sagt Seib-Melk. „Man merkt allerdings schnell, dass wir viele unterschiedliche Genres hören.“ Die Band lehnt gängige Genreschubladen ab. Im Vordergrund steht der Ausdruck. „Wenn wir zum Beispiel Shouts verwenden, dann liegt das vor allem daran, dass wir damit ein Gefühl oder eine Stimmung vermitteln wollen.“

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Geschrieben wurden die Songs vor allem anno 2015; eine kreative Phase, während der die Band kaum auf der Bühne stand. „2015 haben wir vor allem zum Songwriting verwendet“, schildert Bassist und Shouter Marius Giel. „Wir haben uns sogar ein Ferienhaus angemietet und ein Wochenende zum Musikmachen verbracht.“ Nebenbei machte Who’s Mary bei einem ihrer Gigs die Bekanntschaft von Oliver Rüger. Der renommierte Produzent aus Offenbach-Bieber („Tonstudio Bieber“) produzierte bereits Veröffentlichungen deutschlandweiter Großkaliber wie Max Mutzke oder Sasha. „Oliver kam nach dem Konzert einfach auf uns zu und hat uns auf Dinge aufmerksam gemacht, die wir selbst gar nicht gemerkt haben“, erinnert sich Seib-Melk. „Nach ein paar Gesprächen mit guten Ratschlägen seinerseits wussten wir: Der kann uns weiterbringen.“

Wenige Monate später steht der erste Tonträger mit fünf Songs, die die Band in vier Tagen in Rügers Studio einspielt Der kommerzielle Aspekt steht dabei nicht an erster Stelle. Nicht selten sind CDProduktionen junger Bands wie Who’s Mary ein Verlustgeschäft. „Für uns ist die EP in erster Linie Werbung“, gibt der Frontmann zu. „Mehr Leute hören uns. Da kommen hoffentlich auch mehr Gigs.“ Gitarrist Marvin Kornek fügt trocken hinzu: „Außerdem hatten wir auch einfach Bock drauf!“ – der Rest der Band nickt zustimmend. Die nächsten Gigs für Who’s Mary stehen am Samstag, 8. Oktober, beim Noise’n’Burg Festival in NeuIsenburg und am Samstag, 15. Oktober, in der Kultkneipe „Zur Goldenen Krone“ in Darmstadt statt. „Für Musiker ist es das Größte, live auf der Bühne zu stehen“, hat Stefan Seib-Melk das gebührende Schlusswort parat.

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